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Konzert

18.08.2020

Eine Rehabilitation für Telemann

Der Komponist stand früher oft in der Kritik – zu Unrecht, wie „La Fantasia“ zeigt

Es gibt nur weniges, wofür Georg Philipp Telemann nicht gerühmt und zugleich auch gescholten wurde: Zu Lebzeiten bewundert für seine Kreativität, geriet der Komponist nach seinem Tod als „Vielschreiber“ in die Kritik. Sein feiner Sinn für Melodieführung wurde ihm als zu simpel, seine differenzierte Gestaltung von „Klangbildern“ als zu gefällig ausgelegt; und selbst, dass er in seinen Kompositionen Virtuoses nur um des Virtuosen willen vermied und stattdessen Wert auf Spielbarkeit legte, wurde ihm zum Verhängnis. Den Meister vieler bedeutender barocker Tonschöpfungen zu rehabilitieren, haben sich einige zum Ziel gesetzt. So auch das mit internationalen Spezialisten für Alte Musik besetzte Ensemble „La Fantasia“, das im Rahmen der von Franz Lichtenstern aus der Taufe gehobenen Konzertreihe „Sommer Soirée“ in Säulenhof des Heilig-Geist-Spitals in Landsberg gastierte.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Bibliothekssaal hatte der Veranstalter der Kammermusiken diese Open-Air-Spielstätte als Ausweichort entdeckt und zum nun vierten Mal Musikerkollegen und einem immerhin 100 Personen zählenden Publikum zugänglich gemacht.

Die einzige Gewitterfront weit und breit bedrohlich im Anzug, wagten die Musiker um den Cembalisten Rien Voskuilen mit ihren empfindlichen Instrumenten nach langem Stimmen den Anfang. Und da gab es gleich eine Premiere: Zum ersten Mal in elf Jahren Kammermusik war in Telemanns G-Dur-Quartett statt des heute gebräuchlichen Cellos das Modeinstrument der französischen Könige, die sehr viel zurückgenommenere Viola da Gamba beziehungsweise sogar deren zwei zu erleben. In fein aufeinander abgestimmtem Zusammenspiel beeindruckten Ivanka Neeleman und Freek Borstlap auf diesen siebensaitigen historischen Streichinstrumenten und verbanden sich in den wechselnden Tempi und Stimmungen der vier Sätze mit dem einfühlsam begleitenden Basso continuo des Cembalo und dem weichen Klang der Traversflöte.

In der folgenden Sonate in g-Moll übernahm dann eine Violine die Führungsstimme. Und wie im zuletzt gespielten Quartett in D-Dur deutete sich in einigen wenigen Auffälligkeiten in der Intonation die gesamte Kühnheit des Unternehmens „Open Air mit Originalklanginstrumenten“ an: Die in der historischen Aufführungspraxis gespielten Darmsaiten sind „wetterfühlig“ und können gerade bei hoher Luftfeuchtigkeit extrem nachgeben. Judith Freise hatte diese Herausforderung zu meistern, und es war beeindruckend, wie wenig sie die Zuhörer daran Anteil nehmen ließ. Telemanns ganzer melodischer Einfallsreichtum zeigte sich im Concert III A-Dur für Cembalo und Flauto traverso. Entgegen allen Vorwürfen eines zwar leicht gehandelten, am Ende jedoch immer Gleichen sprüht diese Komposition nur so vor Fantasie und Spielfreude und hatte die souverän musizierende Solistin Monika Kleinle natürlich auch höchste technische Schwierigkeiten zu bewältigen.

Doch dass ein in mehr als 70 Schaffensjahren entstandenes und über 3600 Kompositionen umfassendes Œvre nicht mit Pauschalurteilen zu belegen ist und Ausnahmen quasi die Regel sind – wer hätte das nicht schon vorher geahnt? Der wunderbare Auftritt von „La Fantasia“ erbrachte hierfür nicht belehrend, sondern musikalisch überzeugend den Beweis. (ink)

Die letzte „Sommer Soirée“ dieser Saison mit der Sopranistin Alexandra Steiner und Axel Wolf, Laute, findet am Donnerstag, 20. August, ab 19 Uhr. statt. Eintrittskarten online unter karten@kammermusik-landsberg.de

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