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Landsberg

20.11.2017

Eine Sängerin, die neue Fans hat

Das Konzert von „Flo“ und ihrer Band aus Neapel brachte der Sängerin im Landsberger Stadttheater viele neue Fans.
Bild: Julian Leitenstorfer

Floriana Cangiano singt im Landsberger Stadttheater. Mit viel Leidenschaft.

Zugegeben – wer kannte schon vor dem Konzert im Landsberger Stadttheater den Namen Floriana Cangiano? Vielleicht eine kleine, eingeschworene Gemeinde. Eben jene, denen auch Sängerinnen wie Lucilla Galeazzi oder Franca Masu ein fester Begriff sein dürften.

Frauen, die stolz und selbstbewusst ihr Herz auf der Zunge tragen, die ihren Schmerz und ihre Freude und ihre Provokationen hinaus in die Welt singen und ihre Berufung darin sehen, Temperament und Emotionen in fesselnden Liedern auszudrücken. Frauen, die sich gegen überkommene Rollenbilder wehren, voller Poesie aufbegehren und ihre Leidenschaft mit Nachdruck beschwören. So, wie eben Floriana Cangiano, die junge Tragöde der italienischen Volksmusik – aus dem Herzen Neapels.

Dreh- und Angelpunkt der Weltgeschichte

Vor drei Jahren erhielt sie mit ihrer zeitgemäßen Form des „Canzone napoletana“ den „Premio Andrea Parodi“, den einzigen Weltmusikpreis, den Italien zu vergeben hat. Denn in ihrer Musik steckt nicht nur das Lebensgefühl einer regionalen Enklave. Neapel war auch immer ein Dreh- und Angelpunkt der Weltgeschichte. In den Häfen und an den umliegenden Küsten landeten Staufer und Habsburger, Bourbonen und Griechen, Langobarden und Normannen. Und all diese Ethnien haben die Kultur Neapels bereichert und nachhaltig geformt. Und so sind heute in dem, was man als typisch neapolitanisch bezeichnet, auch diese verschiedenen Einflüsse zu spüren.

Floriana Cangiano beruft sich auf all diese Kulturen und formt aus ihren Verschiedenartigkeiten ein lautes Ganzes. Denn die gelernte Opernsängerin bringt in ihren Auftritten die brodelnde Vitalität Neapels zum Ausdruck. So oder so ähnlich stellt man sich Straßenszenen vor: schrill, ungestüm, widerspenstig, bodenständig, exotisch. Die Poesie steckt im Detail, ist manchmal erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Das Mediterrane klingt bei ihr stürmisch, eine Ballade ungezähmt. In ihrer musikalischen Direktheit erinnert sie mehr an Gianna Nannini als an Etta Scollo, was mit Sicherheit auch an der Zusammenstellung ihrer Band liegt. Rock und Jazz und Reggae spielen eine ebenso wichtige Rolle, wie die kompliziertesten arabischen Rhythmen und europäischen Klassikanleihen. Doch Floriana Cangiano fügt diese vielen Einzelheiten mit ihrer Stimme zu etwas tragbarem Ganzem.

Etwas vollkommen Natürliches

Auch, weil der Gesang für sie etwas vollkommen Natürliches ist. „Singen war für mich immer etwas Natürliches, wie Sprechen. Ich habe das Singen nie als etwas außerhalb vom Alltagsleben wahrgenommen. Ich habe immer gesungen“, erzählte sie in einem Interview. Übrigens sind für das nächste Jahr Auftritte von Flo, wie sie auch genannt wird, mit dem Pianisten Stefano Bollani geplant. Es ist jener charismatische Tastenderwisch, der im letzten Sommer mit seiner überbordenden Spiellust und grenzüberschreitenden Virtuosität das Landsberger Publikum verzauberte.

Und so wird es an dieser Stelle Zeit, einmal intensiver darauf zu verweisen, welch kulturell wertvollen Beitrag Edmund Epple und die Mannschaft des Stadttheaters mit ihrer Arbeit seit Jahren für Landsberg und die umliegende Region leisten. Nicht nur, dass großartige, oft auch wenig bekannte Musiker aus aller Welt an den Lech kommen. Mit Sicherheit beeinflussen diese Konzerte auch den Geschmack des Publikums vor Ort nachhaltig. Statt kurzlebiger und belangloser Trends geht es um zeitlose Werke, denen immer eine individuelle künstlerische Auseinandersetzung zugrunde liegt. Dabei hat das Publikum häufig die Möglichkeit, an Entstehungsprozessen von Musik direkt teilzunehmen.

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