1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Er ist näher dran am Publikum

Landsberg

21.08.2017

Er ist näher dran am Publikum

Der Däne Hans Ole Thers stellte bei seinem Konzert in der Stadtpfarrkirche Zu den Heiligen Engeln Barockmusik in den Vordergrund. Wegen der Sperrung der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt musste der Landsberger Orgelsommer erneut ausweichen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Hans Ole Thers spielt ein Orgelkonzert in Zu den Heiligen Engeln. Was den Professor aus Kopenhagen so sympathisch macht.

Wieder musste der 32. Landsberger Orgelsommer in die Stadtpfarrkirche Zu den Heiligen Engeln ausweichen. Noch ist der traditionelle Ort der Konzertreihe, Mariä Himmelfahrt, nämlich gesperrt. Auch der Auftritt des Orgelduos Maccaroni aus Pesaro am nächsten Samstag wird in der Kirche am Hindenburgring stattfinden. Hans Ole Thers änderte bei seinem Konzert das Programm. Er stellte statt der vorgesehenen romantischen Orgelliteratur von Alexandre Guilmant und César Franck Barockmusik in den Vordergrund.

Er war schon mehrmals beim Orgelsommer

Im Gespräch mit unserer Zeitung nannte er als Grund die eingeschränkten Möglichkeiten der Orgel in Heilig Engel. Der sympathische Däne begrüßte die rund 70 Zuhörer persönlich in perfektem Deutsch. Dabei erklärte er kurz die Auswahl der Stücke. Das ist eine schöne Ausnahme. Sie zeigt, dass die Künstler in dieser Kirche deutlich näher am Publikum sind als in Mariä Himmelfahrt. Deren Spiel dort auf der Empore ist nicht sichtbar.

Der Professor für Orgel, Liturgisches Orgelspiel und Improvisation an der Königlichen Musikakademie in der Hauptstadt Dänemarks ist in Landsberg kein Fremder. Er hat bereits mehrmals beim Orgelsommer konzertiert. An den Anfang setzte Thers das reizvolle Präludium und die Fuge in G-Dur von Johann Sebastian Bach (1685-1750), Werkeverzeichnis 541. Das Präludium beginnt wie eine Toccata mit einem fröhlichen Manualsolo. Das läuft vom hohen G bis zum tiefen D. Dieses Werk gehört zu den meist gespielten Orgelkompositionen Bachs.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Hans Ole Thers interpretierte fein den mitreißenden Überschwang des Präludiums. Er offenbarte auch den heiteren Ernst der musikalisch vielschichtigen Fuge des Meisterwerks aus Bachs Leipziger Zeit. Das Thema der Fuge hatte der Komponist schon einmal im Eingangschor seiner Weimarer Kantate Werkeverzeichnis 21 „Ich hatte viel Bekümmernis“ bearbeitet.

Ein leichter beschwingter Charakter

Im barocken Stil lief das Programm weiter. Es folgte das Orgelkonzert Nr. 10 von Georg Friedrich Händel (1685-1759) aus opus 7 Nr. 4 in d-moll, Werkeverzeichnis 309. Thers hatte eine Transkription der Komposition für Orgel solo angefertigt. Händel hatte im Original das Werk einheitlich mit zwei Oboen, Streichorchester und einem fagottverstärkten Bass besetzt. Hin und wieder nutzte der Londoner diese instrumentalen Gegebenheiten geschickt aus, um variantenreiche Klangeffekte zu erzielen.

Thers lässt das Allegro mit einem hübschen Flötensatz beginnen. Er gibt dem Stück einen leichten tänzerischen und beschwingten Charakter. Auch die beiden anderen Sätze, das Adagio und das abschließende Allegro interpretiert er sehr charmant. Passend zu Händel und Bach dann die Partita „Auf meinen lieben Gott“, von Dietrich Buxtehude, Werkeverzeichnis 179. Der norddeutsche Tonsetzer hat eine eingängige Melodie geschaffen. Sie wird im präludierenden Choral, in Double, Sarabande, Courante und Gigue trefflich entfaltet. Das Motiv hört sich übrigens nicht nur auf der Orgel, sondern auch auf den verschiedensten Instrumenten, vor allem auf dem Cembalo großartig an.

Die Orgelfassung, die Thers vorstellte, ist in ihrer Schlichtheit faszinierend. Mit Niels Wilhelm Gades (1817-1890) „Drei Tonstücken“ aus opus 22 und dem „Hochzeitsmarsch“ von Charles Marie Widor (1844-1937), wagte er einen Ausflug in die opulente Orgelliteratur des 19. Jahrhunderts. Das Stück von Gade ist ein Geburtstagsständchen von Thers an seinen dänischen Landsmann. Der wurde vor 200 Jahren geboren. Obwohl er eine Organistenstelle in Kopenhagen innehatte, gibt es von Gade kaum Kompositionen für dieses Instrument. Der Hochzeitsmarsch von Widor ist gefällig, doch muss er sich an Mendelssohns genialem Wurf messen lassen. Mit einer Improvisation über „Nun danket alle Gott“ als Zugabe beendete Thers das Konzert. Er erntete damit begeisterten Beifall.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20leit62726(1).tif
Landtagswahl

Bayern nicht zubetonieren

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen