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Erpfting

22.01.2021

Erpfting: Ein Klassenzimmer für fast eine halbe Million Euro

Die Grundschule in Erpfting platzt aus allen Nähten. Weil ab Herbst eine weitere Klasse unterrichtet werden soll, plant man einen Anbau für fast eine halbe Million Euro.
Foto: Thorsten Jordan

Plus An der Grundschule in Erpfting geht es seit einigen Jahren eng her. Im Sommer könnte die Schülerzahl steigen. Deswegen wird ein Anbau errichtet. Doch nicht nur die Kosten dafür sorgen für Diskussion.

Schon seit Jahren klagen Eltern und Lehrer über die beengten Verhältnisse in der Grundschule in Erpfting. Aktuell gehen dort 185 Kinder in acht Klassen zur Schule. Doch es gibt eigentlich nur sieben Klassenzimmer. Im Sommer droht nun der Kollaps. Denn derzeit geht Schulleiterin Sandra Fuchs davon aus, dass drei statt bisher zwei erste Klassen gebildet werden müssen. Und deswegen soll ein Klassenzimmer an das Schulgebäude angebaut werden. Kostenfaktor: knapp eine halbe Million Euro. Nicht nur deswegen wurde in der jüngsten Sitzung des Sozial-, Bildungs- und Kulturausschusses intensiv über das Projekt diskutiert.

Mitte Juni hat der Stadtrat beschlossen, dass die Grundschule um ein Klassenzimmer erweitert werden soll anstatt einer Übergangslösung in Form von Containern. Um den CO2-Abdruck möglichst gering zu halten, sollte der Erweiterungsbau in Holzbauweise (Lärchenholz) ausgeführt werden. In der Vorplanung favorisierten die Architekten einen Standort im Nord-Westen des Grundstücks, wie Referatsleiterin Ulla Höß in der Sitzung sagte. Dort könnten im Vorgriff auf die anstehende Generalsanierung Synergieeffekte genutzt werden. Zudem seien geringere Kosten für künftige Erweiterungen zu erwarten, da diese ebenerdig möglich seien.

Das gesamte Gebäude muss in Sachen Brandschutz ertüchtigt werden

Der Standort in Verlängerung des westlichen Gebäudetrakts nach Norden macht es laut Höß jedoch erforderlich, dass der Brandschutz des gesamten Trakts ertüchtigt wird. Bei der Planung sei auch festgestellt worden, dass ein erster Anbau aus den 1980er-Jahren einfach an das bestehende Entwässerungssystem angeschlossen wurde. Das Hochbaureferat geht davon aus, dass das unter anderem für die Überflutung des Schulhofs bei Starkregen verantwortlich ist. Aus diesem Grund sei nun eine Muldenversickerung vorgesehen.

Im Zuge des anstehenden digitalen Ausbaus der Schule wurde es als sinnvoll erachtet, auch das neue Klassenzimmer vollständig digital auszustatten, sagte Ulla Höß. Außer den üblichen EDV-Anschlüssen soll das Klassenzimmer daher mit einer digitalen Tafel, einer Soundbar und einer Dokumentenkamera ausgestattet werden. Das Klassenzimmer werde barrierefrei geplant.

Die erste Schätzung lag deutlich niedriger

Erste Schätzungen gingen von Kosten in Höhe von rund 300.000 Euro aus. Inzwischen liege eine Kostenschätzung der Planer vor, die auf Basis aktueller Ausschreibungsergebnisse erstellt wurde. „Die haben uns geschockt“, sagte Ulla Höß. Für den Anbau sei mit Kosten in Höhe von 450.000 Euro zu rechnen. Hinzu kämen 45.000 Euro für Ertüchtigungen und Anpassungen im Bestand. Für das Projekt könne allerdings mit Fördermitteln in Höhe von bis zu 130.000 Euro gerechnet werden. Dass der Anbau bis zum Schulstart im September fertig wird, glaubt Ulla Höß nicht. Realistischer Termin sei November.

Im Vorfeld der Sitzung hatte sich Claudia Schwarzer stellvertretend für den Elternbeirat an die Stadträte gewandt. In ihrem Brief beschreibt sie die Situation an der Grundschule. Als die Mittagsbetreuung eingeführt wurde, seien nie neue Räume hinzugekommen. Es gebe lediglich sieben Klassenzimmer, das achte sei eine Notlösung. Von der Aula sei ein kleiner Teil abgetrennt und mit einer dünnen Wand versehen worden. „Es fehlen Räume für eine achte Klasse, für die Mittagsbetreuung, für weitere Fächer wie Ethik, ein Zimmer für die Elternsprechstunde sowie für Beratungsgespräche“, steht in dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt.

Der Erpftinger Elternbeirat hat eine Mängelliste

Auch die Anbaulösung stößt beim Elternbeirat auf Kritik. Denn das bestehende Klassenzimmer im Nordwesten werde verkleinert, um einen Gang zum neuen zu schaffen. Zudem falle das vorhandene Waschbecken im Klassenzimmer weg. „Das neue Klassenzimmer soll keinen Wasseranschluss bekommen“, schreibt Claudia Schwarzer. Zudem solle die Garderobe in den neuen Klassenraum integriert werden.

Der fehlende Wasseranschluss wurde in der Ausschusssitzung intensiv diskutiert. Die Kosten für einen solchen Anschluss schätzte Ulla Höß auf rund 15.000 Euro. „Wir haben an ein mobiles Waschbecken gedacht“, sagte Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV). Dieses hätte zwei Tanks für Frisch- und Abwasser und müsste regelmäßig befüllt und entleert werden. Axel Flörke (Landsberger Mitte) sprach sich dafür aus, lieber an der Ausstattung zu sparen als an einem Wasseranschluss. Petra Ruffing (CSU) war anderer Meinung. Zum Händewaschen könnten die Kinder auch auf die Toilette gehen.

Holz statt Container - der Umwelt zuliebe

Auf den Wunsch des Elternbeirats, weitere Räume zu schaffen, ging Oberbürgermeisterin Baumgartl ein. „Wir haben derzeit nur begrenzte finanzielle Mittel.“ Daher sei ein weiterer Anbau vorerst nur in Planung. Die Kosten für den Anbau hatte Dritter Bürgermeister Felix Bredschneijder (SPD) im Blick: „In Relation zum Platz, den wir schaffen, geben wir viel Geld aus.“ Geld, das die Stadt eigentlich nicht habe. Doch der Stadtrat habe sich für den Standort ausgesprochen und müsse deswegen auch investieren. „Wir brauchen das Klassenzimmer“, sagte Markus Salzinger (UBV), der in Erpfting wohnt. In der Vergangenheit sei vieles versäumt worden, jetzt müsse investiert werden.

Am Ende stimmten die Ausschussmitglieder einstimmig für die Anbauvariante. Ob mit oder ohne Wasseranschluss soll im Gespräch mit Schulleitung und Elternbeirat noch erörtert werden.

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