1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Ex-Sparkassenchef Hans Reiter und seine vielen Hobbys

Landsberg

06.10.2019

Ex-Sparkassenchef Hans Reiter und seine vielen Hobbys

Hans Reiter im Hof seines Hauses in Landsberg mit seiner roten Ape.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Hans Reiter, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, erhält die Bürgermedaille der Stadt Landsberg. Warum er zur Verleihung gerade rechtzeitig daheim sein wird.

Er muss sich schon ganz schön verbiegen, um in das Führerhäuschen seiner roten Ape herein und wieder heraus zu kommen. Dann aber zackig den Rückwärtsgang rein und das Gefährt fürs Foto positionieren. Hans Reiter, gerade 70 geworden, ist ein großer, schlanker, immer noch sehr sportlicher Mann, der mit seinem ganzen Habitus eine Sache ausstrahlt: Er weiß, was er will. Und das, was er will, macht er aus voller Überzeugung und mit Leidenschaft. Verbiegen tut er sich lediglich für seine kleine rote Piaggio-Ape. In seiner ganzen Zeit als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Landsberg-Dießen ist er als gradliniger, entscheidungsfreudiger und manchmal vielleicht auch unbequemer Mann bekannt. Denn wie schon gesagt: Er hat genaue Vorstellungen vom Geschäft, der Wirtschaft, den unternehmerischen Erfordernissen im Einzelnen sowie dem Leben im Allgemeinen.

Vor Kurzem ist er 70 geworden

Und: Er hilft gerne anderen Menschen. Deshalb ist nach seinem Ausscheiden aus der Bank als Unternehmenscoach und Existenzgründungsberater mit den „Aktiven Senioren“ unterwegs. Mehr als 250 Beratungen habe er schon durchgeführt, sagt Hans Reiter mit Stolz in der Stimme. Sein Geburtstag? Ja, mei, ganz ruhig sei der gewesen, ein paar Freunde hätte er zum Essen eingeladen. Nein, er wolle keine öffentliche Feier, wirklich nicht. Da musste ihn schon Oberbürgermeister Mathias Neuner aus dem Urlaub anrufen und andeuten, dass Reiter am 7. Oktober auf der eigens für ihn ausgerichteten Geburtstagsfeier im Rathaus doch die Bürgermedaille in Silber verliehen werde. Na, also gut, dann kommt er natürlich. Aber nötig wäre das nicht gewesen.

Geboren wurde Reiter im Juli 1949 in Pipinsried im Landkreis Dachau in einer Schreinerfamilie. Nach der Volksschule ging Hans Reiter auf die Handelsschule nach München, fürs Gymnasium sei kein Geld da gewesen. Mit 16 bestand er die Aufnahmeprüfung fürs Finanzamt, war aber schon damals stur: „Zum Staat gehe ich nicht, des ist mir viel zu bürokratisch.“ Der stellvertretende Leiter der Sparkasse Dachau wollte den aufgeweckten Burschen haben und so absolvierte er die Bankkaufmannslehre im damals noch öffentlichen Dienst. Mit 20 war er bereits Abteilungsleiter.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Mit 24 heiratete er seine Frau Karin

Es folgte die Bayerische Verwaltungsschule, einige Auszeichnungen, dann die Aufnahme in die sparkasseneigene Führungsschmiede, die Management-Akademie in Bonn sowie damit zusammenhängend der höhere Dienst als Diplom-Betriebswirt, bevor er für dreieinhalb Jahre in der Bayerischen Landesbank für die Wirtschaftsförderung in ganz Bayern zuständig war. Mit 33 Jahren, „ich war in allem immer schon früh dran“, wechselte er als Vorstandsmitglied, zuständig fürs Kreditgeschäft, zur Sparkasse nach Landsberg. Reiter hatte gerade in Dachau gebaut und pendelte zunächst. Mit knapp 24 hat er seine Frau Karin geheiratet und baute mit ihr – wohlgemerkt neben seinem eigenen Vollzeitjob – in Freising ein Reformhaus auf. Dort saß er – auch als Vorstand noch – oft samstags an der Kasse und hatte immer so seine Ideen, was man dort alles besser machen könne. Und wenn er abends über ein Problem im Sparkassengeschäft nachdachte, hatte er meistens morgens eine Lösung parat.

Ein eigenes Fitnessstudio im Keller

Ruhe und Nichtstun ist einfach nicht seins. Bis heute ist Hans Reiter ehrenamtlich nicht nur als Seniorberater, sondern auch in der Kirchenverwaltung sowie als Schatzmeister einer Motorradgruppe unterwegs. Als seine Frau ihn bat, weniger Motorrad zufahren, fing er eben an, mit ihr gemeinsam Golf zuspielen. Überhaupt das Motorradfahren: Zwei dicke Enduros stehen zuhause in der Garage. Immer noch ist er mit dem Rennfahrer Norbert Schilcher quer durch Europa unterwegs, abseits der Straße natürlich, in unwegsamen Gelände. Da müsse man eine ziemlich gute körperliche Kondition haben, denn „Kondition bedeutet Konzentration und Konzentration bedeutet Sicherheit“. Mit eigenem Fitnessstudio im Keller für den agilen Senior kein Problem. Außer ein paar Rippenbrüche und Prellungen ist ja bislang auch immer alles gut gegangen.

Weitere Hobbys, Herr Reiter? Nun ja, Skifahren, Mountainbike fahren, Häuser bauen („ich plane und entwerfe, verputze und mauere alles selbst“), Steuern und Juristerei, („je mehr man sich einfuchst, desto spannender wird es“), ehrenamtlicher Finanzrichter im Finanzsenat München und tausend andere Dinge. Gleich welches Thema, Hans Reiter ist vielseitig interessiert.

Ein einziges Mal war er zu Tränen gerührt

Zurück zur Sparkasse: 1991 wurde Reiter Vorstandsvorsitzender und führte mit guter Menschenkenntnis und Lust an der Arbeit und am Erfolg die Sparkasse, bis er mit 63 Jahren überraschend beschloss, aufzuhören. Dieses einzige Mal war er „fast zu Tränen gerührt“ und das war, als seine Mitarbeiter ihm intern einen sehr persönlichen Abschied bereiteten.

Bevor Hans Reiter und seine Leistungen am 7. Oktober gefeiert werden, ist er noch mal auf größerer Motorradtour Richtung Elsass unterwegs, erst am Abend des 6. Oktobers, so der Plan, wird er wieder zuhause in Landsberg eintreffen. Gerade rechtzeitig für die große Ehrung.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren