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Hofstetten

03.09.2019

Familie Hiller aus Hofstetten und die kleinen Siebenschläfer

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4 Bilder
Die schwarzen Kulleraugen sind typisch für Siebenschläfer. Am Anfang gab es Obstbrei vom Löffel für die kleinen Nager. Tagsüber schlafen die drei Geschwister aneinander gekuschelt im Stroh unter einer schützenden Baumrinde bei Familie Hiller in Hofstetten.
Bild: Ulrike Reschke

Ines Adrian und Dieter Hiller aus Hofstetten ziehen gerade drei Siebenschläfer groß. Einmal am Tag haben die nachtaktiven Nager Auslauf. Und dann geht es richtig rund...

Tagsüber schlafen die „Flummis“ tief und fest. Doch wenn es zu dämmern beginnt, werden die Neuzugänge bei Dr. Dieter Hiller, dem Leiter der Jägerschule Landsberg, und seiner Frau Ines Adrian munter. Das Ehepaar lebt in Hofstetten und hat Anfang August drei junge Siebenschläfer aufgenommen, deren Nest in einem Abbruchhaus gefunden wurde. Das Ansinnen, den drei munteren Tierchen Namen zu geben, hat die Familie bald aufgegeben. Die nachtaktiven Nager sehen sich zu ähnlich und sind – wenn sie einmal wach sind – zu quirlig, um sie zu unterscheiden. „Wenn wir abends den Gitterdeckel von ihrem Aquarium abnehmen, quellen sie uns förmlich entgegen“, sagt Ines Adrian.

Man muss aufpassen, dass kein Tierchen verlorengeht

Jeden Abend bekommen die drei Kleinen mit den riesigen schwarzen Kulleraugen Auslauf im Badezimmer. Vom Gästezimmer werden sie in einer roten Box über den Gang ins Familienbad transportiert. Hiller und Adrian sitzen dann täglich mindestens eine halbe Stunde dabei, wenn die Kletterer ihre Umgebung erobern – vom Klorollenhalter über Handtuch und Waschbecken auf die Ablage und von dort an die dünne Schnur der Jalousie oder über einen anderen Weg auf den oberen Rand der Duschabtrennung. Dann heißt es aufpassen, dass kein Flummi abstürzt. Im Gästezimmer, in dem das mit Laub, einer Rindenhöhle und Ästen ausgestattete Aquarium steht, würden sie verloren gehen – es bietet zu viele Schlupflöcher.

Nächstes Jahr sollen die Siebenschläfer wieder ausgewildert werden

Nach der Tobestunde werden die Nager, deren halbe Länge der buschige Schwanz ausmacht, in ihr Quartier zurückgesetzt. Was dort nachts passiert, wissen nur die Flummis. Ines Adrian vermutet aber, dass es ziemlich wild zugeht. Am Tag ziehen sich die Siebenschläfer in ein Versteck unter einer Baumrinde zurück, wo sie eng aneinander gekuschelt schlafen.

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In den ersten Tagen bekamen die Siebenschläfer tagsüber alle vier Stunden Obstmus aus Babygläschen mit dem Löffel verabreicht. Dann wurde der Speiseplan erweitert um Banane, Karotten, Hamsterfutter und Haselnüsse. In deren Schalen haben die kleinen Glupschaugen mit ihren beachtlichen Nagezähnen bereits Spuren hinterlassen. Im Gehege liegt auch gekochtes Ei bereit. An all dem können sich die Flummis inzwischen nach Belieben bedienen. Jetzt haben sie auch ihren artgerechten Tag-Nacht-Rhythmus gefunden und haben etwa ein Drittel ihrer Größe erreicht, vermutet Hiller.

Die Siebenschläfer sind nicht die ersten Tierbabys im Hause Hiller/Adrian

Das Ehepaar hat bereits Feldhasen und ein Rehkitz aufgezogen. „Der Start ist immer im Gästezimmer“, sagt Ines Adrian. Später geht es weiter in ein Gehege im Garten oder wie bei dem kleinen Reh zunächst ins Wohnzimmer. Das Bambi konnte erfolgreich in einem großen Wildgehege ausgewildert werden und hat dort mit einem ebenfalls verwaisten Damkitz einen Gesellen gefunden. Die Aufzucht kleiner Hasen sei hingegen schwierig und gelinge nicht immer, sagt Ines Adrian. Sie seien sehr schwer zur Nahrungsaufnahme zu bewegen und ihr Zustand nicht leicht einzuschätzen. Anders bei den Siebenschläfern, die dankbare Futterverwerter und ausgesprochen agil seien. „Es geht ihnen gut“, ist Adrian zuversichtlich, die scheuen, aber handzahmen Tierchen über den Winter zu bringen.

Was tun, wenn man ein Wildtier findet?

Dafür baut ihr Mann gerade ein ehemaliges Hasengehege zu einer Voliere für den Winterschlaf der Nagergeschwister um. Sobald der Balkon absturzsicher gemacht ist, wird der mit Moos, Schafwolle, Stroh und Versteckmöglichkeiten ausgestattete Käfig dort aufgestellt und die Siebenschläfer können in das größere Quartier umziehen. Dort werden sie auch ihren Winterschlaf verbringen, bei dem ihnen stets Maiskolben, Kastanien und Wasser angeboten werden. Die Auswilderung ist für kommendes Frühjahr geplant – in einem Mischwald mit Buchen und Eichen, den Hiller noch ausfindig machen will.

„Ein Privatmann darf kein Wildtier halten“, macht Jägerausbilder Dieter Hiller auf das Wildgesetz aufmerksam. Wer ein – auch nur vermeintlich – verlassenes Jungtier wie ein Rehkitz oder einen kleinen Hasen finde, solle dieses zunächst liegen lassen. „Sie sind oft nicht so in Not, wie es scheint“, sagt Ines Adrian. Die Mütter hielten sich oft von ihrem noch geruchsfreien Nachwuchs fern, um keine Fressfeinde anzulocken, seien aber in der Nähe. Um Rehkitze vor Mähdreschern zu schützen, reiche es, sie – in Gras oder ähnliches gebettet – am Feldrand abzulegen. „Nie mit den Händen anfassen“, warnt Dieter Hiller.

Wer sich nicht sicher sei, solle den örtlichen Jäger verständigen oder sich unter Angabe des Fundorts an die Polizei wenden. Dort lägen Karten mit den zuständigen Jägern, die benachrichtigt werden und sich weiter um die Tiere kümmern.

  • Siebenschläfer sind Allesfresser. Sie ernähren sich von Samen, Früchten, Laub sowie Insekten und räumen auch mal Vogelgelege aus oder fressen Jungvögel.
  • Siebenschläfer sind Säugetiere aus der Familie der Bilche. Bevorzugte Aufenthaltsorte der bis zu 18 Zentimeter langen (zuzüglich buschiger Schwanz mit maximal 15 Zentimeter Länge) Nagetiere sind Baumhöhlen oder Fäulnislöcher in Bäumen.
  • Für ihren Winterschlaf, der je nach Härte des Winters von Oktober bis April dauern kann, suchen sie auch Jagdhütten oder alte Bauernhäuser auf. Die grau gefärbten Tiere fahren in den sieben Monaten – daher stammt der Name „Siebenschläfer“ – Atmung, Körpertemperatur und Puls extrem zurück. So können sie auch in harten Wintern lang von ihrem im Sommer angefressenen Speck zehren. In dieser Phase sollten sie nicht gestört werden.
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