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Landsberg

27.01.2019

Gedenktag: Mahnung als Chance für die Zukunft

Todesmarschdenkmal an der Neuen Bergstraße: Bei der Kranzniederlegung, Gabriele Triebel (Zweite Bürgermeisterin von Kaufering und Landtagsabgeordnete), Oberbürgermeister Mathias Neuner. Ganz links im Bild: Karl Freller (Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten).
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Todesmarschdenkmal an der Neuen Bergstraße: Bei der Kranzniederlegung, Gabriele Triebel (Zweite Bürgermeisterin von Kaufering und Landtagsabgeordnete), Oberbürgermeister Mathias Neuner. Ganz links im Bild: Karl Freller (Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten).
Bild: Thorsten Jordan

Am Landsberger Todesmarschdenkmal wurde am Sonntag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die Redner erinnerten auch an den kürzlich verstorbenen Bernard Marks.

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz, in dem 1,5 Millionen Menschen den Tod fanden, durch die Rote Armee befreit. 1996 wurde der 27. Januar zum Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Auch in Landsberg gedachte man der Opfer am Todesmarschdenkmal an der Neuen Bergstraße. Rund 50 Bürger, Vertreter der Polizei, Bundeswehr, der Kirchen und der Politik waren gekommen, darunter auch Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Dr. Thomas Goppel sowie Altbürgermeister Franz-Xaver Rössle.

Was Politiker am Gedenktag fordern

Landsbergs Oberbürgermeister Mathias Neuner und die Zweite Bürgermeisterin von Kaufering, Gabriele Triebel, legten Kränze nieder. „Es gibt immer weniger Zeitzeugen, daher wird die Frage immer drängender: Wie gehen wir mit der Erinnerung an die Naziverbrechen um?“, fragte Triebel und mahnte, die Geschehnisse in den Außenlagern von Dachau nicht aus den Augen zu verlieren. Verharmlosende Gedanken machten sich wieder in den Köpfen breit. „Die Mahnung aus der Vergangenheit ist unsere Chance für die Zukunft“, so Triebel. Die evangelische Pfarrerin Jutta Krimm erinnerte an die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs. „Als alles schon verloren war und alle das wussten, schickte man die Menschen noch auf Todesmärsche, auch hier in Landsberg.“ Sie zitierte aus dem Fünften Buch Mose die Worte: „Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben, und dass es nicht aus deinem Herzen kommt dein ganzes Leben lang.“

Pfarrerin Krimm: Die Verbrechen dürfen nicht relativiert werden

Auch sprach sie die eigenen inneren Bilder jedes Einzelnen an, die sich gebildet haben aus Dokumentationen, Spielfilmen und Erzählungen von Zeitzeugen. Antisemitismus verbreite sich, davor dürfe man die Augen nicht verschließen. „Der Ton ist rauer geworden“, so Krimm. Sie befand es als befremdlich, wie schnell heute andere Positionen als die eigene als „rechts“ oder „Nazi“ tituliert würden. „Damit werden die Verbrechen der Nazis kleingeredet“, warnte sie. Diese Verbrechen dürften jedoch nicht relativiert werden. Nach wie vor seien die Menschen verführbar. „Die Zeit hat sich geändert. Mit dem Strom zu schwimmen, ist geblieben.“ Erinnerung habe auch zu tun mit Neuanfängen. So seien Freundschaften über Gräben und Gräber geschlossen worden, ein Beispiel dafür sei der im Dezember 2018 verstorbene Bernard Marks, ein Überlebender des KZ-Außenlagers IV.

Lesen Sie dazu auch: Der Holocaust-Überlebende Bernard Marks ist tot

Ein Zeitzeuge ist vor Kurzem gestorben

An Marks, häufiger Gast in Landsberg, vor allem bei befreundeten Familien und in Schulen, erinnerte auch Oberbürgermeister Mathias Neuner. „Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu berichten und aufzuklären.“ Eine, die ihn oft getroffen hat, Birgit Holdinghausen, Lehrerin am Dominikus-Zimmermann-Gymnasium, zeichnete ein Bild von Marks als besonderem Menschen, den sie bereits aus ihrer Studienzeit kannte. „Mit einem Augenzwinkern hat er Landsberg als seine zweite Heimat bezeichnet.“ Seine Erinnerung an das Außenlager IV bei Hurlach sei jedoch schlimmer als die an Auschwitz gewesen.

Seine Zeit in Hurlach und Landshut habe er akribisch aufgearbeitet. Seit 1996 sei der in den USA lebende Marks auf eigene Kosten nach Landsberg und auch in andere Schulen in Deutschland und Europa gegangen. Stets sei es ihm gelungen, die Herzen seiner Zuhörer zu erreichen, so Holdinghausen. „Ihr seid nicht schlecht“, habe er den von seinem Schicksal betroffenen Schülern gesagt. „Ihr könnt aber daran arbeiten, dass so etwas nie wieder passiert.“

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