20.10.2010

Gelungene Provokation

Pater Claudius Bals beim Kunstgespräch mit Andreas Kuhnlein in St. Ottilien. Begeistert erläutert er den Teilnehmern die Skulpturengruppe "Bedrohte Familie". Foto: Gudrun Szczepanek
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Pater Claudius Bals beim Kunstgespräch mit Andreas Kuhnlein in St. Ottilien. Begeistert erläutert er den Teilnehmern die Skulpturengruppe "Bedrohte Familie". Foto: Gudrun Szczepanek
Bild: Gudrun Szczepanek

St. Ottilien Anlässlich der Ausstellung "Menschenbilder" mit Skulpturen von Andreas Kuhnlein in St. Ottilien hatten die Veranstalter zum Künstlergespräch eingeladen. Auf dem Podium saßen Andreas Kuhnlein, der kürzlich mit dem Ellinor Holland Kunstpreis des Landsberger Tagblatts ausgezeichnet wurde, Dr. Ruprecht Volz, Pater Claudius und Sonia Fischer. Gut fünfzig Besucher, darunter auch Künstler sowie Verwandte und Freunde von Andreas Kuhnlein, nahmen an den interessanten und kurzweiligen Gesprächen teil.

Nach der Begrüßung durch Pater Claudius Bals führte Ruprecht Volz, der Initiator der Ausstellung, die noch bis zum 29. Oktober zu sehen ist, mit einer Frage in das Gespräch ein. Es ging um die zentrale Installation "Einzug der Bischöfe" vor dem Exerzitienhaus. Die Installation mit den zwölf stelenartig erstarrten Figuren, die vor den Thron des Inquisitors treten, müsse gerade in dem jetzigen Kontext provozieren.

Volz richtete die Frage an Pater Claudius, wie dieser den Einzug der Bischöfe aufgenommen habe. Die Antwort des Benediktinerpaters: "Wenn solche Bischöfe hier einziehen, dann ziehe ich aus".

Dabei steht er voll hinter der Gestaltung, die die Institution Kirche anklagt, in der so vieles erstarrt ist. Die Figuren zeigen seiner Meinung nach an der Individualität ihrer Gesichter jedoch auch, dass es Wege gibt, sie aus der Erstarrung herausführen.

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Sehr direkt und unprätentiös schilderte Andreas Kuhnlein, wie es zu dieser Installation kam: "Schuld ist unser heutiger Papst". Im Bayerischen Rundfunk wurde 1998 ein Interview gesendet, das August Everding mit Kardinal Ratzinger geführt hatte.

Hier verteidigte der Kardinal die Inquisition als Fortschritt, da "nichts mehr ohne "Inquisitio" verurteilt werden durfte, das heißt, dass Untersuchungen stattfinden mussten. Ein Rechtsbewusstsein stecke auch darin."

Aus Wut Skulptur angezündet

Aus Wut über diese "fatale Interpretation" zündete Kuhnlein damals erstmals eine Skulptur an. Weitere, wie der zu Stein erstarrte Großinquisitor, der mit dem übermächtigen Thron verwachsen ist, sollten folgen. Gesprächsthema waren neben konkreten Fragen zur Thematik der Skulpturen vor allem auch die zerklüfteten Oberflächen der Holzfiguren, die mit der Kettensäge aus Ulmen, Eschen oder Eichen herausgearbeitet werden. Die Figuren leben durch die spannende Ambivalenz zwischen Brutalität, Verletzbarkeit und Vergänglichkeit. Die Kunstwerke laden zum Dialog ein, wobei die Provokation die Essenz dieser Dialoge darstellt.

In den lebhaften, kurzweiligen Gesprächen äußerte sich Sonia Fischer, die Leiterin des Landsberger Stadtmuseums, eher zurückhaltend. So ist sie vor allem von dem "kompositorischen Willen" des Künstlers beeindruckt.

Noch bis zum 14. November ist im Landsberger Stadtmuseum die Ausstellung "Widerstreit & Aufbruch" zu sehen, die Andreas Kuhnlein hier selbst installiert hat. Für diese Ausstellung wurde er kürzlich mit dem "Ellinor Holland Kunstpreis" ausgezeichnet.

2009 erhielt er den Oberbayerischen Kulturpreis.

Öffnungszeiten Die Ausstellung "Menschenbilder" ist vor und im Exerzitienhaus in St. Ottilien noch bis zum 29. Oktober zu sehen. Vortrag "Das soll Kunst sein?" im Rahmen der Ausstellung "Widerstreit und Aufbruch" im Landsberger Stadtmuseum mit Dr. Thomas Raff und Andreas Kuhnlein am 31. Oktober.

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