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Landkreis Landsberg

13.10.2020

Heiraten in Corona-Zeiten: So ist die Lage im Landkreis Landsberg

Auch im Landkreis Landsberg hat so manches Brautpaar seine Hochzeit wegen der Corona-Pandemie verschieben müssen.
Bild: Bernd Feil (Symbol)

Plus Nicht nur Brautpaare im Landkreis Landsberg müssen sich wegen Corona bei ihren Feiern umstellen. So hart trifft die Krise Gastronomen, Floristen und Veranstalter.

Es ist ein Termin, der in der Regel von langer Hand geplant wird: die Hochzeit. Wann wird geheiratet, wen laden wir ein, welches Kleid trägt die Braut, wo wird gefeiert? Doch in Zeiten der Corona-Pandemie wurden viele Pläne über den Haufen geworfen. Brautpaare verlegten den Termin, sagten ihn ganz ab oder feierten in einem deutlich kleineren Rahmen. Doch nicht nur die Brautpaare im Landkreis Landsberg waren betroffen, sondern auch die, die zu einer gelungenen Feier betragen sollen.

Im Gasthaus Luitpold in Leeder haben heuer bislang nur zwei Hochzeiten stattgefunden – eine mit 50, die andere mit 25 Personen. „Im Saal hätten eigentlich bis zu 160 Gäste Platz“, sagt Wirtin Maria Keßler. Sie spürt eine große Verunsicherung bei den Brautpaaren. „Die Paare tun mir leid. Sie haben oft so viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt.“ Keßler hat das Thema kirchliche Hochzeiten für heuer abgehakt. Ende Oktober hätte im Saal eine Hochzeitsfeier mit 100 Personen stattfinden sollen. Vor Kurzem sei sie storniert worden. Im kleinen Kreis, also mit rund 15 Personen, werde dagegen schon gefeiert. Das seien dann aber standesamtliche Hochzeiten.

Josefina und Christian Wallach aus Dießen haben sich trotz Corona getraut.
Bild: Ramona Lotter

„Wir hatten keine einzige Hochzeit dieses Jahr“, sagt Olivia Tietz-Pourray von Gut Romenthal. Normalerweise können dort ab April Brautpaare in der Kapelle kirchlich heiraten und im Saal sowie auf der Terrasse feiern. Die Verwalterin konzentriert sich auf 2021. Dann sollen die Feiern nachgeholt werden, die 2020 nicht stattfinden konnten.

Zu einer Hochzeit gehören auch Blumen. Ganz ausgefallen sei ihr Geschäft mit den Hochzeiten in diesem Jahr nicht, sagt Kathrin Weingärtner von Blumen Weingärtner aus Dießen. Allerdings sei „das, was eine Hochzeit eigentlich ausmacht“ – nämlich Tischdeko, Hochzeitsschmuck und Bouquets fürs Auto – fast gar nicht nachgefragt worden. Jasmin Geier, Juniorchefin der Gärtnerei Geier in Weil hat dagegen kaum Unterschiede zu den Vorjahren ausgemacht. Viele Paare hätten im privaten Garten gefeiert, da sei auch Tischdeko gefragt gewesen. „Die Blumen haben für positive Stimmung gesorgt“, sagt die Floristin.

Hochzeitsveranstalter steht wegen Corona vor ungewisser Zukunft

Schmidt’s Ammersee Catering hat schon vorsichtige Anfragen für das nächste Jahr. „Wenn es uns bis dahin noch gibt“, schränkt Yvonne Schmidt-Bender ein, die sich dort um die Kundenbetreuung kümmert. Nicht nur die ausgefallenen Hochzeiten – von zehn geplanten Events fand nur eines statt, und das mit nur der Hälfte der Gäste –, sondern auch die wegbrechenden Umsätze durch Mittagessen in Firmen wegen Homeoffice, Kurzarbeit und Einsparungsmaßnahmen machen dem Unternehmen zu schaffen.

Doch an Hochzeiten hängen auch unter anderem Konditoren, Friseure, Fotografen, Kartendesigner und Beherbergungsbetriebe. Zumindest Letztere konnten nach dem Lockdown vom Trend zu Urlaub in Deutschland profitieren, wie das Hotel Maurerhansl in Dießen, das im Erdgeschoss auch als Hochzeitslocation dient. In diesem Jahr fand dort nur eine Hochzeit im September statt, während die Zimmer stets gut belegt waren, wie es dort heißt.

Der Landsberger Mutterturm ist ein beliebter Trauungsort

Insgesamt wurden laut Zahlen des Statistischen Bundesamts in ganz Deutschland im ersten Halbjahr 2020 mit 39900 im Vergleich zum Vorjahr 17 Prozent weniger standesamtliche Ehen geschlossen. Dass es keinen stärkeren Einbruch gab, liegt auch daran, dass im Februar das einprägsame Datum 20.02.2020 für Eheschließungen genutzt wurde. Im Standesamt in Landsberg gab es für diesen Termin nur zwei Anfragen. Bis jetzt fanden 215 Eheschließungen im Rathaus und im Mutterturm statt, teilt die Stadtverwaltung mit. Insgesamt werde dieses Jahr mit ewa zehn Prozent weniger Eheschließungen gerechnet. Bislang gab es etwa zehn Komplettabsagen und rund 15 Verlegungswünsche.

Im Künstlerhaus Gasteiger in Utting war die Nachfrage für Termine für Hochzeiten für die nächste Saison extrem hoch – trotz der unsicheren Lage bezüglich der Pandemie und des Schutz- und Hygienekonzepts, das momentan nur sechs Gäste innerhalb des Künstlerhauses und zwölf weitere Personen vor dem Gebäude zulässt. Allerdings konnten nicht so viele Trauungstermine wie sonst vereinbart werden. Grund dafür ist laut Standesbeamtin Claudia Breier, dass 2021 verschobene Eheschließungen aus diesem Jahr nachgeholt werden. Abgesagt haben aber die wenigsten Paare, wie Claudia Breier sagt, nur umgeplant: Entweder auf September, oder es fanden Hochzeiten, die im Künstlerhaus geplant waren, im Rathaus statt.

Wie viele Hochzeiten melden die Standesämter?

Aus dem Dießener Standesamt heißt es, dass nur wenige Trauungen in den Herbst oder auf 2021 verschoben wurden. Momentan erwartet Standesamtsleiterin Birgit Thaller, dass bis Ende 2020 rund 50 Trauungen stattgefunden haben werden, eine ähnliche Anzahl wie in den Vorjahren. Geheiratet haben dort auch Josefina und Christian Wallach. Verschieben wollten sie die Hochzeit nie, erzählen sie, nur die Anzahl der Hochzeitsgäste sei immer wieder an die Regeln angepasst worden. Am Ende konnte ein Großteil der Hochzeitsgesellschaft mit zum Standesamt. Die Masken durften im Rathaus erst abgenommen werden, als alle auf ihren Plätzen saßen. Ansonsten bedauern die Eheleute nur, dass die Hochzeitsreise nach Katalonien ausfallen musste.

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