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Denklingen

27.02.2019

Hirschvogel stoppt  den Bau seines Verwaltungsgebäudes

Der Keller des geplanten Verwaltungsgebäudes der Firma Hirschvogel wird noch fertiggestellt, dann wird der Bau aber erst einmal gestoppt.
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Der Keller des geplanten Verwaltungsgebäudes der Firma Hirschvogel wird noch fertiggestellt, dann wird der Bau aber erst einmal gestoppt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Wegen vieler Unsicherheiten auf dem Automobilmarkt wird das Projekt zurückgestellt. Wie sich das Unternehmen für die Zukunft wappnen will.

Die Firma Hirschvogel ist in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen. Dieser Trend soll sich auch heuer fortsetzen, allerdings sind die Rahmenbedingungen laut Geschäftsleitung deutlich schwieriger geworden, was zu einer überraschenden Maßnahme führt: Der Weiterbau des neuen Verwaltungsgebäudes in Denklingen wird auf Eis gelegt. Der Keller entsteht derzeit, die drei Geschosse darüber fehlen aber noch. „Wir setzen Prioritäten und konzentrieren uns auf die Bereiche in denen Wertschöpfung stattfindet“, sagte Vertriebschef Thomas Brücher bei der Jahrespressekonferenz der Denklinger Firma. Das neue Gebäude kostet insgesamt eine zweistellige Millionen-Euro-Summe.

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Die Verantwortlichen bei Hirschvogel nennen unter anderem den ungewissen Ausgang des Brexits, den von den USA angezettelten Handelsstreit mit Europa und Asien und Dieselfahrverbote als Gründe, warum der Zulieferer aktuell „auf Sicht“ fährt, wie es Brücher formulierte. „Wir hoffen, dass bei den Themen möglichst schnell Klarheit herrscht und sich die Lage wieder beruhigt“, so Brücher. Hinzu kam im September vergangenen Jahres die Einführung eines neuen, strengeren Abgasprüfstandards, der sich auf die Absatzzahlen auswirkte. Heuer soll ab September eine noch schärfere Regelung in Kraft treten. Dann müssen Neufahrzeuge die Abgasnorm Euro 6d-Temp erfüllen.

Die Auswirkungen seien im zweiten Halbjahr 2018 bereits zu spüren gewesen vor allem bei Komponenten für Dieselfahrzeuge, berichtet Brücher. Ende 2018 seien deswegen mehr Leiharbeiter entlassen worden als in früheren Jahren. Auch strich Hirschvogel wegen der gesunkenen Nachfrage einige Schichten am Wochenende. Unterm Strich stand 2018 aber ein Zuwachs von fünf Prozent beim Personal, auch weil das neue Werk in Mexiko seinen Betrieb aufgenommen hat. In Denklingen stieg die Mitarbeiterzahl leicht auf nun fast 2200, in Schongau sind es rund 950 und weltweit 6000.

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Brücher betonte aber auch, dass sich die Nachfrage nach wie vor auf „auf hohem Niveau“ bewege. „Wir reden hier nicht von einem drastischen Einbruch.“ Das bestätigt auch der Blick auf die Umsatzzahlen, die Alfons Hätscher, Geschäftsführer Finanzen, präsentierte. Im Jahr 2017 knackte das Unternehmen erstmals die eine Milliarde-Euro-Grenze. vergangenes Jahr waren es 1,25 Milliarden Euro und dieses Jahr wird ein Umsatz von 1,37 Milliarden Euro angestrebt. Der Zuwachs beim Umsatz sei allerdings mit einem Plus von 7,5 Prozent deutlich unter dem Ergebnis der Vorjahre geblieben. „Getragen wird das Ergebnis vor allem von unseren Standorten im Ausland. An den deutschen Standorten waren es fünf Prozent“, informiert Hätscher. Welchen Gewinn das Unternehmen erzielte, dazu macht Hirschvogel keine Angaben.

Frank M. Anisits, Geschäftsführer Produktion, betonte, dass es an den deutschen Standorten darum gehen müsse noch produktiver zu werden. „Nur so können wir unsere gute Position auf dem Markt behaupten. Das ist uns in den vergangenen Jahren immer gut gelungen.“ Vor allem die Lohn- und Energiekosten hierzulande seien ein großer Wettbewerbsnachteil, sind sich die drei Mitglieder der Geschäftsleitung einig. Hirschvogel sei, anders als andere große Unternehmen, nicht von der EEG-Umlage befreit. Mit der Umlage wird der Ausbau der Erneuerbaren Energien finanziert.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, stellt sich Hirschvogel bei den Geschäftsfeldern breiter auf. „Wir versuchen, uns so weit wie möglich unabhängig von Marktentwicklungen zu machen. Das gilt für den Fall, dass Elektromobilität ein voller Erfolg wird und eben auch für den Fall das es floppt“, sagte Frank M. Anisits, Konkret bedeute das, dass der Automobilzulieferer bestrebt ist, möglichst viele Komponenten herzustellen, die im E-Auto wie auch im klassischen Verbrenner verbaut werden können. Die Neuausrichtung hat laut Brücher bereits begonnen und sei im Karosseriebau so weit fortgeschritten, dass hier bereits in beiden Antriebsarten benötigte Teile in Serie produziert werden. Zum Portfolio werden auch künftig Elemente gehören, die nur beim E-Auto oder beim Verbrenner verbaut werden können.

Um für die Zukunft gewappnet und unabhängiger vom Verbrennungsmotor zu sein, hat Hirschvogel jetzt zudem mit der Firma Gerg Group aus dem Landkreis Ebersberg ein Innovationszentrum gegründet. Gerg hat 230 Mitarbeiter. Ziel der Zusammenarbeit ist es, neue Produktideen zu generieren und bis zur Serienreife zu entwickeln, sodass diese von Hirschvogel industriell gefertigt werden können. Gerg erhält Bauaufträge für Prototypen und kann auf das Wissen der Ingenieure zurückgreifen, die bei dem Denklinger Unternehmen arbeiten. Der Sitz der neuen Gesellschaft wird im Landkreis Ebersberg sein.

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