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Neuwahlen

20.07.2020

Historischer Verein stellt sich personell neu auf

Der Historiker Dr. Stefan Winghart aus Asch ist neuer Vorsitzender des Historischen Vereins Landsberg und Nachfolger von Sigrid Knollmüller, die den Verein 15 Jahre geleitet hat.
Bild: Dagmar Kübler

Sigrid Knollmüller gibt nach 15 Jahren den Vorsitz des Historischen Vereins in Landsberg ab. Ihr Nachfolger an der Spitze der mehr als 700 Mitglieder ist erst seit Kurzem Mitglied

Fast komplett erneuert hat sich der Vorstand des Historischen Vereins Landsberg: Nach 15 Jahren gab Sigrid Knollmüller die Fackel an Professor Dr. Stefan Winghart weiter, der nun die Geschicke des 760 Mitglieder starken Vereins für die nächsten drei Jahre leiten wird. Zum Zweiten Vorsitzenden wurde der Stadtheimatpfleger Dr. Werner Fees-Buchecker gewählt, der bisher als Schriftführer und -leiter fungierte und seit 2006 dem Vorstand angehört. Dessen Amt übernimmt nun Dr. Albert Thurner, Bürgermeister in Vilgertshofen. Schatzmeister wurde Axel Flörke, der damit eine, wie er sagte, große Verantwortung ob der hohen zu verwaltenden Summen übernimmt, jedoch auch die Zeit dafür habe, da er nun in den Ruhestand gehe. Tatsächlich handelt es sich insgesamt um ein beträchtliches Vermögen, das der Historische Verein verwaltet, da er auch die Hans Heinrich Martin Stiftung (HHMS) gesetzlich vertritt. Der Landsberger Martin gründete die Stiftung 2013 mit dem Zweck, dass sein Vermögen für die Kultur in der Stadt Landsberg eingesetzt wird. Martin verstarb 2019 und übertrug sein gesamtes Vermögen der Stiftung. Dabei handelt es sich um ein Wertpapierdepot mit 23 Anlagen im Wert von 243 000 Euro - Kurswert am 14. Juli 2020. Außerdem gehören zur HHMS zwei Konten mit einem Guthaben von aktuell insgesamt 222 000 Euro. 250 000 Euro aus dem Depot sind als Förderung zur Renovierung des Stadtmuseums vorgesehen, wie Schatzmeister Werner Juchem bekannt gab. Das Vermögen des Historischen Vereins beträgt aktuell 58000 Euro. Gefördert werden sollen davon heuer mit insgesamt 5000 Euro Bänke im Park am Mutterturm sowie die Pfarrkirchenstiftung Holzhausen und der Förderverein Pestenacker.

Während 2019 noch 19 neue Mitglieder dem Verein beitraten, waren es 2020 erst drei. Zu diesen dreien zählt jedoch der neue Vorsitzende Dr. Stefan Winghart, der, wie Sigrid Knollmüller gegenüber dem Landsberger Tagblatt sagte, ein echter Glücksfall für den Verein sei: „Besser hätte es nicht kommen können.“ Knollmüller selbst ist inzwischen 78 Jahre und trat aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl an. Winghart ist mit dem Landkreis Landsberg gut vertraut und wohnt, nun im Ruhestand, wieder in Asch. 1952 in München geboren, studierte er Vor- und Frühgeschichte und promovierte 1981. Von 1978 bis 1981 war er Wissenschaftlicher Angestellter beim Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz und wechselte dann an das Landesamt für Denkmalpflege in München, wo er unter anderem Gebietsreferent für archäologische Denkmalpflege im südlichen Oberbayern und auch Hauptkonservator war.

Eine seiner ersten Tätigkeiten führte ihn 1981 in die Ascher Kirche. Bei einem Interview lernte er seine damals beim Landsberger Tagblatt tätige künftige Ehefrau Eva-Maria Baumeister kennen und wohnte mit ihr in Asch, bis es das Paar nach Thüringen und zu weiteren Stationen führte - unter anderem war Winghart auch Honorarprofessor an der Uni Osnabrück. Während seiner Tätigkeiten habe er viele historische Orte im Landkreis Landsberg kennengelernt, wie den Schlossberg, Pestenacker und die Burgruine Haltenberg, und habe sich dem Landkreis immer verbunden gefühlt, so Winghart. Winghart hat sich keine „großen Programme“ vorgenommen, sondern möchte die Arbeit Knollmüllers fortsetzen. Dazu gehört, die heuer ausgefallenen Studienfahrten und Vorträge, so möglich, 2021 nachzuholen.

Ein Höhepunkt des Abends war der Vortrag des ehemaligen Leiters des Neuen Stadtmuseums, Hartfrid Neunzert, über den Scholle-Maler Adolf Höfer, der, so Neunzert, unter den zwölf Scholle-Künstlern der unbekannteste sei. Neunzert hat auf der Suche nach Höfers Bildern 26, zumeist in Privatbesitz, gefunden, und fotografiert. Eine Auswahl von zwölf zeigte er dem rund 60 Personen starken Publikum, darunter Porträts und zahlreiche Frauenakte. Höfer, der als Künstler dem Jugendstil zuzurechnen sei, habe das weibliche Geschlecht verehrt und für die damalige Zeit skandalöse Motive gewählt, so Neunzert. Der Erste Weltkrieg habe für viele Künstler alles verändert, ihre Bilder waren oft nicht mehr gefragt, sie mussten sich anpassen oder sich mit Gefälligkeitsmalereien über Wasser halten. Adolf Höfer wählte stattdessen mit 58 Jahren den Freitod.

Als Beiräte des Historischen Vereins wurden gewählt: Sonia Fischer, Claus Hager, Carmen Jacobs, Prof. Dr. Ferdinand Kramer, Elke Müller, Hartfrid Neunzert, Franz-Xaver Rößle, Gerhard Roletschek, Ruth Sobotta und Guido Treffler.

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