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St. Ottilien

23.03.2019

Im Kloster St. Ottilien schweigen die Glocken

Mit einem großen Kran wurden zunächst der tonnenschwere Eisenträger auf den Turm gebracht, an denen später das Baugerüst befestigt wurde.
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Mit einem großen Kran wurden zunächst der tonnenschwere Eisenträger auf den Turm gebracht, an denen später das Baugerüst befestigt wurde.
Bild: Thorsten Jordan

Die Kirche des Benediktinerklosters St. Ottilien ist derzeit mit einem hohen Gerüst umgeben. Eine aufwändige Sanierung steht in den nächsten Monaten an. Dabei erhält der Turm einen neuen Glockenstuhl und eine neue Glocke

Die Glocken in St. Ottilien müssen schweigen. Doch nicht die Klage eines Anliegers, der sich durch das Geläut gestört fühlt, ist der Grund dafür. Es sind die Sanierungsarbeiten am Turm der Klosterkirche Herz Jesu, die in dieser Woche begonnen haben. Bis zum September wird dieser eher lautlose Zustand im und rund um das Kloster andauern, dann wird das Geläut umso weicher klingen und auch eine breitere Klangbreite ausfüllen, denn dann werden nicht mehr nur acht, sondern neun Glocken zu hören sein, wie Erzabt Wolfgang Öxler beim Pressetermin berichtete.

Eine längere Fastenzeit

Die stille Zeit bis September sieht er für sich und seine Mitbrüder als „längere Fastenzeit“. Tatsächlich sei es für die Benediktiner eher ungewöhnlich, nicht mehr durch das Glockenläuten durch den Tag geleitet zu werden. „Da tut sich der eine oder andere schon schwer, sich zu orientieren.“ Dafür steht momentan ein riesiger Kran vor der Klosterkirche und hievt tonnenschwere Stahlträger hinauf in luftige Höhen, die dann durch den Turm gesteckt werden. „An den Trägern wird einmal das Gerüst stabilisiert, aber auch einige der Glocken während der Sanierungsarbeiten aufgehängt,“ erklärt der Bauleiter Herbert Bader. Teilweise stellt man sie aber auch dort, wo es der Platz hergibt, auf den Böden ab.

Die Stürme setzten dem Turm zu

Es sind die Jahre und die zunehmende Stärke der Stürme, die dem Turm der Klosterkirche arg zugesetzt haben. Das Kupferblech, das die tonnenschweren Biberschwanzziegel 1926 ersetzte, hat sich nach der Sanierung, die letzte erfolgte 1991, teilweise abgelöst, ausgebeult oder nach innen durchgedrückt. Dadurch ergaben sich Zwischenräume, durch die Schnee, Wind und Regen nahezu ungehindert in den Innenraum des Turmes dringen konnten. Doch auch durch die offene Glockenstube kam die Feuchtigkeit ins Innere und verursachte im Mauerwerk Risse. Zudem übte der Wind durch diese Angriffsflächen große Kraft auf den 75 Meter hohen Turm aus.

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Warum die Fledermäuse die Sanierung verzögerten

Eigentlich sollten die Sanierungsarbeiten bereits im vergangenen Jahr beginnen, erzählt Erzabt Wolfgang Öxler, doch dann machten die im Turm heimischen Fledermäuse den Bauherrn einen Strich durch die Rechnung. Ein Fledermausbeauftragter brachte sogar Einflugschneisen für die Tiere ins Spiel, hatte dann aber ein Einsehen. Wolfgang Öxler: „Es waren letztlich nicht so viele Exemplare.“ Dennoch habe das Gutachten laut Spenglermeister Hubert Leib eine Verzögerung von rund einem Jahr verursacht.

Die Handwerker haben das Sagen

Die Glocken sind also raus, seit dieser Woche haben die Handwerker das Sagen. Mit dabei sind auch die Zimmerer des hauseigenen Klosterbetriebs. Sie werden unter anderem die Schalung für den Turmhelm fertigen, Sparren ausbessern und vor allem auch die neuen Schallfenster an den großen Öffnungen der Glockenstube herstellen und montieren. damit werde künftig verhindert, dass künftig weder Regen und Schnee wie auch Vögel (meist Dohlen) in den innenraum dringen und somit Feuchtigkeit und Vogelkot draußen gehalten werden.

Der Austausch des Glockenstuhls wird spannend

Spannender Teil der Sanierung ist auch der Austausch des stark in Mitleidenschaft gezogenen Stahl-Glockenstuhls gegen einen Ersatz aus Holz. Projektleiter Bruder Odillo Rahm: „Das ergibt künftig einen qualitativ wesentlich besseren Klang der Glocken“ – die im Übrigen auch durch eine neunte kleinere Glocke ergänzt werden. Diese neunte Glocke wird voraussichtlich im Mai gegossen und im Juli dann zum Benediktusfest gesegnet werden. Erzabt Öxler: „Sie ist den benediktinischen Märtyrern gewidmet, die im nord-koreanischen Tokwon ihr Leben ließen.“ Die Widmungen und wappen auf der neuen Glocke hat der Landsberger Kunstprofessor Benedikt Weißhaar geschaffen.

Nach den Osterfeiertagen beginnen die Handwerker mit dem Abbau des alten Kupferblechs, das nicht etwa ins Altmetall wandert. Hubert Leib: „Das Blech mit seiner Patina wird entsprechend an anderen denkmalgeschützten Gebäuden wieder verwendet.“ Zunächst wird man sich an den anblick des kupferrot glänzende Dachs erst gewöhnen müssen, aber Axel Hofstadt von der Detuschen Stiftung Denkmalsschutz weiß: „Das Kupfer wird schnell wieder die gewohnte grüne Patina ansetzen.“ Der Kurator war mit einem Scheck in Höhe von 50000 Euro angereist, mit dem seine Organisation die Sanierung unterstützt. Gleichzeitig ermunterte er den Erzabt, Folgeanträge zu stellen, denen sich die Stiftung sicher nicht verschließen werde. Dennoch bedeutet der Eigenanteil in Höhe von 500000 Euro für das Kloster eine große Belastung, die es unter anderem durch das Einsammeln von Spenden zu Schultern hofft. Das zweite Drittel der 1,5 Millionen Euro für die Sanierung des Turms und diverser anderer Arbeiten am Langhaus der Kirche kommt vom Bistum, der Rest über Zuschüsse.

Im September sollen dann die nun neun Glocken wieder zu hören sein. Und Spenglermeister Leib verspricht: „Wir bauen so, dass es die nächsten 100 Jahre hält.“

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