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Landsberg

11.08.2020

In Landsberg gibt es immer mehr Obdachlose 

Die Obdachlosenunterkunft in der Landsberger Jahnstraße: Dort werden immer öfter Menschen untergebracht, die ihre Wohnung aus verschiedenen Gründen verlieren.
Bild: Christian Rudnik

Plus In Landsberg fehlen Sozialwohnungen, und das bekommen die Menschen verstärkt zu spüren. Immer öfter landen die Betroffenen in der Obdachlosenunterkunft in der Jahnstraße. Wer besonders gefährdet ist.

Dass es in Landsberg zu wenige Sozialwohnungen gibt, ist schon länger bekannt. Was das für einzelne Personen und Familien bedeutet, eher nicht. Denn immer häufiger führt der Weg in die Obdachlosigkeit. Das zu verhindern, ist die Aufgabe der Mitarbeiter der Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit. 48 Fälle haben sie im vergangenen Jahr betreut. Und weil es in der Stadt an Sozialwohnungen fehlt, mussten einige Betroffene zwischenzeitlich in der Obdachlosenunterkunft in der Jahnstraße leben.

Die „Herzogsägmühle – Diakonie in Oberbayern“ übernimmt seit einigen Jahren Aufgaben der Sozialarbeit im Bereich der Obdachlosenhilfe. Katarina Sandmeyer ist eine von drei Mitarbeitern und berichtete jetzt im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss des Landsberger Stadtrats über ihre Tätigkeit im vergangenen Jahr. Von den 48 Fällen, die sie und ihre Kollegen betreut haben, waren 27 Einzelpersonen (81 Prozent Männer), zwölf Alleinerziehende, fünf Familien und vier Paare. Die Mehrzahl der betreuten Personen sei zwischen 18 und 39 Jahre alt.

Schulden sind ein großes Problem

Warum suchen die Betroffenen Hilfe? In 29 Fällen lagen Schulden in beträchtlicher Höhe vor, sagte Katarina Sandmeyer. Die Miete könne dann nicht mehr gezahlt werden. Oft seien Wohnungen auch einfach überbelegt, weswegen der Vermieter eine Kündigung ausspricht. Vor allem Familien mit Migrationshintergrund seien davon betroffen. „Die kommen dann oft um fünf vor zwölf zu uns“, sagte Sandmeyer. Häufig sei auch das Wohnverhalten der Betroffenen ein Problem. Sie und ihre Kollegen hätten daher Flyer mit Verhaltensregeln wie richtiges Lüften oder Putzen angefertigt. In der Corona-Krise hätten die Mitarbeiter der Herzogsägmühle zudem immer wieder bezüglich der Hygieneregeln beraten müssen.

In Landsberg gibt es sechs Standorte mit Notunterkünften

Ist der Auszug aus der Wohnung beschlossene Sache und kein neues Zuhause in Sicht, führt der Weg in städtische Wohnungen, die als Notunterkünfte dienen. Sechs Standorte gibt es in Landsberg und Erpfting. Ist dort keine Wohnung frei, werden Betroffene in der Obdachlosenunterkunft in der Jahnstraße untergebracht. Familien sollen, wenn möglich, in den anderen Standorten Platz finden, wie Herbert Frey von der Stadtverwaltung in der Sitzung sagte. Nur in Ausnahmefällen und in Rücksprache mit dem Jugendamt würden Familien in die Obdachlosenunterkunft gebracht. „Wir hatten bislang keinen konkreten Fall“, sagte Katarina Sandmeyer. Dennoch sei die Lage ernst. Es fehlten Sozialwohnungen für verschuldete Personen oder Großfamilien. Auf dem freien Wohnungsmarkt hätten diese Menschen keine Chance. „Eine siebenköpfige Familie mit Migrationshintergrund findet in Landsberg keine Wohnung.“

Stefan Meiser (ÖDP) interessierte sich für die Situation in der Obdachlosenunterkunft in der Jahnstraße und die Verweildauer der dort lebenden Personen. Denn den Anwohnern habe man vonseiten der Stadt versichert, dass diese im Schnitt ein Dreivierteljahr betrage. Das sei aktuell nicht haltbar, meinte Sandmeyer. Im vergangenen Jahr habe es in den 26 Wohnungen 17 Dauerbewohner gegeben. Rechne man die in der Statistik nicht mit, dann ergebe sich eine Verweildauer von 4,5 Monaten.

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