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Landsberg

26.11.2020

In Landsberg werden aus Kaffeesäcken Designer-Klamotten

Susanne Doebel (rechts) und Esther Schulte hauchen Kaffeesäcken aus aller Welt in Kombination mit alten Stoffen neues Leben ein. In ihrem Atelier in der Alten Bergstraße in Landsberg entstehen in liebevoller Handarbeit Mäntel, Röcke und Boleros, aber auch Kosmetiktäschchen und – ganz neu – Wertraum-Taschen.
Foto: Julian Leitenstorfer

Plus Susanne Doebel und Esther Schulte aus Landsberg hauchen gebrauchten Stoffen neues Leben ein. Ihr Label „Wertstoff Couture“ steht für „Wiederverwenden statt neu kaufen“. Dabei geht es auch um Völkerverständigung.

Wiederverwenden statt neu kaufen – das sind für Susanne Doebel und Esther Schulte Worte, die zu ihrer Lebens- und Unternehmensphilosophie geworden sind. Unter dem Label „Wertstoff Couture“ entwerfen, nähen und verkaufen die beiden Kleidungsstücke aus gebrauchten Kaffeesäcken und alten Stoffen. Darunter kann durchaus auch mal eine alte Tischdecke aus einer Haushaltsauflösung sein oder ein Vorhang, dessen eigentliche Funktion am Fenster längst ausgedient hat.

Das Besondere an ihrem Label – in erster Linie handelt es sich um Mäntel, Herrenwesten oder Trachten-Kombinationen – ist, dass das doch eher grobe Material von Kaffeesäcken aus aller Welt zu tragbaren Kleidungsstücken verarbeitet wird.

Jeder Kaffeesack hat ein einzigartiges Design

Susanne Doebel (54 Jahre) habe schon immer ein Faible für Kaffeesäcke gehabt, erzählt sie im Gespräch mit dem Landsberger Tagblatt. „Jeder dieser Säcke hat ein so unglaublich interessantes Design, da muss man einfach etwas Besonderes daraus machen“, sei sie schon 2017 überzeugt gewesen. Als sie dann die Chance bekam, an eine größere Anzahl dieses „Wertstoffes“ zu gelangen, sei in ihr schnell die Vorstellung gereift, wie sie den Säcken neues Leben einhauchen könne.

Kaffeesäcke aus aller Welt warten bei der Landsberger Wertstoff Couture auf ihre Weiterverarbeitung zu Designer-Kleidung..
Foto: Julian Leitenstorfer

In der gelernten Schneiderin und guten Freundin Esther Schulte (53 Jahre) fand sie schnell eine Mitstreiterin. „Als wir uns kennengelernt haben, hat es zwischen uns tatsächlich gefunkt“, erinnert sich Schulte, die heute im Hauptberuf in der Kunsttherapie tätig ist. „Wir sind so seelenverwandt, wie man es sich kaum vorstellen kann“, gerät die gebürtige Essenerin ins Schwärmen. Und auch Doebel, die ursprünglich aus Köln kommt und seit 2005 in Landsberg zu Hause ist, sagt: „Ich könnte mir keine bessere Geschäftspartnerin vorstellen.“

Aus einem Gästezimmer der Landsberger Pension "Zweite Heimat" wird das Nähatelier

Schnell waren sich die beiden Frauen einig, eines der Gästezimmer in Susanne Doebels Landsberger Pension „Zweite Heimat“ in der Alten Bergstraße 451 in Landsberg in ein Nähatelier zu verwandeln. „Das Umfeld und das Ambiente in diesem alten Gemäuer könnte gar nicht besser sein für uns“, sind sich beide einig.

Ihr Faible für Kaffeesäcke hat Susanne Doebel auf die Idee gebracht, zusammen mit Schneiderin Esther Schulte Kleidungsstücke zu schneidern.

Regale, gefüllt mit alten Stoffen und natürlich jeder Menge Kaffeesäcken, stehen an der Wand, davor befindet sich ein großer Zuschneidetisch. Auf der anderen Seite warten auf zwei kleineren Tischen Nähmaschinen und eine Stickmaschine auf ihren Einsatz. Auf einem Garderobenständer hängen Mäntel, die Doebel und Schulte bereits entworfen und genäht haben.

Kleidungsstücke des Landsberger Labels Wertstoff Couture sind farbenfroh, edel und flippig

Farbenfroh, edel, flippig und extravagant – mit diesen Attributen lässt sich ganz gut beschreiben, was die beiden Frauen neben ihrem Berufsalltag in der kleinen Nähstube entstehen lassen. Jedes Kleidungsstück, dass das Haus in der Alten Bergstraße 451 verlässt, ist ein Unikat. Die Designerinnen experimentieren mit unterschiedlichen Futterstoffen, Accessoires oder Applikationen, mit denen sie die Kleidungsstücke versehen. Einzig ihr Logo (Nadel und Faden, verschlungen in den Worten „Wert“ und „Stoff“) ist bei allen Modellen gleich.

In der Landsberger Nähstube kommt die Folkore unterschiedlichster Länder und Kulturen zusammen

Mittlerweile haben Esther Schulte und Susanne Doebel ihr Sortiment erweitert. Wertraum-Taschen, passend zu den Kleidungsstücken, sind hinzugekommen und in den Köpfen der Frauen „spuken“ weitere Ideen, wie sich „Wertstoffe“ zu neuen Kreationen zusammenbringen lassen. „Angefangen hat alles mit dem Pionier, einem Mantel aus einem Bio-Kaffeesack mit einem Innenfutter aus kuscheligem Wollstoff“, erinnert sich Susanne Doebel zurück. „Den Mantel werden wir nie verkaufen“, sind sich die Zwei einig. Jedes Mantelmodell aus dem Haus „Wertstoff Couture“ trägt einen Namen. Da gibt es das Modell „Wild Thing“ aus einem Kaffeesack einer Finca in Peru und einem Innenfutter im Animal-Print oder den „Sunsurfer“ mit sonnengelben Farbtupfern oder das „Bergmädchen“. Ein Mantel, der „östliche mit afrikanischer Folklore verbindet“, erläutert Doebel. Dieses Modell zieren auf dem Rücken die guten Berggeister aus einem Anbaugebiet in Guatemala. Afrikanischer Stoff und ein Kaffeesack aus Mexiko gehen eine perfekte Symbiose ein im Mantelmodell „Happy Skull“, das mit seiner Farbexplosion auf jeden Fall die Blicke auf sich zieht.

In der Landsberger Nähstube von Susanne Doebel und Esther Schulte wird exklusive Mode in Handarbeit hergestellt.
Foto: Julian Leitenstorfer

So unterschiedlich die Kleidungsstücke auch sind, eines haben alle gemeinsam: Sie symbolisieren Völkerverständigung und bringen Tradition, Folklore und Eigenheiten unterschiedlichster Länder und Kulturen zusammen.

Das spiegelt sich auch in den Trachtenmodellen wider, die Doebel und Schulte selbst entwerfen und vom Schnittmuster bis zum fertigen Kleidungsstück in Landsberg herstellen. „Unsere folkloristischen Kostüme spielen mit Elementen unterschiedlicher Richtungen und lassen sich sowohl im Alltag als auch in ganz besonderen Lebenssituationen tragen.“

Der beste Beweis dafür sind im Übrigen die beiden selbst: Auch an der Nähmaschine oder am Zuschneidetisch sind Susanne Doebel und Esther Schulte von Wertstoff Couture immer öfter in ihren eigenen Kreationen zu sehen.

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