Susanne Hauenstein ist Malerin und betreibt mit ihrem Partner Günter Stiegelmaier das Ladengeschäft "Kunst am Berg" in Andechs. Dort lebt die 62-jährige seit 1983, betreibt eine Malschule und veranstaltet Malevents für Firmen. Sie hat eine therapeutische Ausbildung absolviert und eine einjährige „Grundausbildung Malerei“. Darüber hinaus ist sie – so die eigene Einschätzung – „Künstlerin durch und durch“. Unsere Zeitung hat mit ihr gesprochen.
Mit „Kunst am Berg“ hat sich Hauenstein einen Präsentationsraum für das eigene Werk sowie die Arbeiten befreundeter Künstler.
Was war die Grundidee für „Kunst am Berg“, wann kam sie auf?
Susanne Hauenstein: Es gab keine Grundidee, das Ganze entwickelte sich erst. Ich suchte 2017 ein Lager für meine Bilder. Ein leer stehender Laden in der Nachbarschaft bot sich an, war aber zu teuer für mich allein. Da traf es sich, dass eine Kollegin ein Atelier suchte und wir die Räume gemeinsam anmieten konnten. Nach einem Jahr schied sie jedoch wieder aus und mein Partner und Kollege Günter Stiegelmaier stieg mit ein. Erst nach einigen Monaten gaben wir unseren multifunktionalen Räumlichkeiten unterhalb des Klosters dann den Namen „Kunst am Berg“. Dabei entschieden wir uns ganz bewusst, in Andechs für zeitgenössische Kunst aus der Region zu werben, denn das ist es, was wir gerne sind: vorwiegend regional agierende Künstler.
Sehen Sie „Kunst am Berg“ eher als Galerie oder eher als Ladengeschäft oder als beides in einem?
Hauenstein: Weder noch. „Kunst am Berg“ sind einfach nur Räumlichkeiten, die verschiedenen Zwecken dienen. Hier befindet sich das Lager meiner Bilder und es gibt einen Atelierbereich, der vorwiegend von Günter Stiegelmaier genutzt wird. Da es zwei Schaufenster gibt, nutzen wir die dahinter liegenden Bereiche für Dauerausstellungen unserer eigenen Werke. Neben den wechselnden Präsentationen in diesem Ausstellungsbereich, den man wunderbar von außen betrachten kann, laden wir etwa zweimal jährlich gezielt zu Ausstellungen ein. Es gibt keine regelmäßigen Öffnungszeiten. Geöffnet ist, wenn jemand da ist, oder wenn man sich mit uns dort verabredet. Häufig ist dies auch ganz kurzfristig möglich.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Kunstwerke aus, die gezeigt werden?
Hauenstein: Wie gesagt, zuerst einmal ist der Ausstellungsraum für unsere eigenen Werke reserviert. Obwohl wir sehr unterschiedliche Herangehensweisen haben und künstlerisch auch unterschiedliche Stile pflegen, werden unsere Werke in der Regel als gut zusammenpassend erlebt. Für die Zukunft planen wir je-doch, auf Anfrage und nach Prüfung, „ob es passt“, den Ausstellungsbereich gelegentlich auch anderen Künstlerinnen und Künstlern zur Verfügung zu stellen. Dies wird dann gegen eine Kostenbeteiligung möglich sein. Wie gesagt: wir sind keine Galeristen, sondern einfach nur Künstler mit einem eigenen, verdammt schönen Ausstellungsraum, der – zugegebenermaßen – die Anmutung einer Galerie hat.
Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft Ihrer Galerie von „Kunst am Berg“?
Hauenstein: Gleich zu Beginn der Pandemie war es mir ein Anliegen, Verbundenheit mit anderen hier lebenden Kolleginnen und Kollegen zu signalisieren, auch aus der tiefen Überzeugung heraus, dass wir uns gegenseitig und stärker als bisher unterstützen können. Auf unserer Website entstand deshalb in kurzer Zeit ein solidarisches Online-Netzwerk, dem sich mittlerweile über 100 Kolleginnen und Kollegen der Region angeschlossen haben.
In Andechs wird Kunst aus der Region verkauft
Nach wie vor ist damit ein Aufruf an Kunstliebhaber verbunden, der heißt: „Kaufen Sie Kunst von Künstlerinnen und Künstlern der Region!“, denn wir sind viele – und viele sehr gute! Es gibt noch viel Luft nach oben, was die Möglichkeiten angeht, die in diesem Netzwerk stecken. Sponsoren sind natürlich willkommen, das würde uns finanziell mehr Spielraum für die Realisierung neuer Ideen geben. Ich denke, Kunst und Kultur sind letztendlich da, um beständig daran zu erinnern, dass wir Menschen das Ergebnis eines großen, fantastischen Miteinanders aller Existenzformen auf dieser Erde sind und dass auch unser Fortbestehen nur in einem Miteinander gelingen wird. Als Kulturschaffende möchten wir durch unser Sein und Tun weiterhin genau daran erinnern.
Betrachten Sie sich als eine Art „lebendes Gesamtkunstwerk“?
Hauenstein: Wenn wir die Tatsache, dass es menschliches Leben gibt, als den größten Akt von Kreativität überhaupt verstehen – so wie es die Quantenphysik heutzutage beschreibt – dann betrachten wir uns gerne als Teil dieses lebenden Gesamtkunstwerks.
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