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Denklingen

25.02.2019

Jahrestag: Als ein Bomber bei Denklingen abstürzte

Soldaten bei der Vorbereitung des Angriffs auf der Luftwaffenbasis Waddington in der Grafschaft Lincolnshire.
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Soldaten bei der Vorbereitung des Angriffs auf der Luftwaffenbasis Waddington in der Grafschaft Lincolnshire.
Bild: Waddington Heritage Centre

Heute vor 75 Jahren starteten die Alliierten einen großen Luftangriff auf die Region Augsburg. Augenzeugen erinnern sich an die schreckliche Nacht und die Ereignisse danach.

Heute vor 75 Jahren startete um 18.48 Uhr der australische Flugoffizier Herbert R. H. Stuchbury mit seinen Kameraden in der englischen Grafschaft Lincoln–shire zum Luftangriff auf die Region Augsburg. Wenige Stunden später wurde ihr Flugzeug von einem deutschen Nachtjäger auf Malfinger Flur abgeschossen und stürzte in das Waldstück des Landwirts Andreas Schmid. Zur Besatzung des abgeschossenen Bombers, einer Lancaster I, gehörten neben fünf australischen Soldaten auch zwei Engländer. Sie hatten ein Durchschnittsalter von 22 Jahren. Von der siebenköpfigen Besatzung waren alle sofort tot.

Sirenen waren zu hören

Helmut Drohmann (Jahrgang 1934), dessen Eltern damals den Gasthof mit Landwirtschaft „Zum Gut“, heute Gaststätte „Truck Stop“, an der B17, in der Nähe der Absturzstelle betrieben, kann sich noch gut an das Ereignis erinnern. „Wir wollten uns gerade hinlegen, als von den Sirenen der umliegenden Orte Fliegeralarm gegeben wurde. Ich ging meinem Vater nach, der sich draußen noch ein Bild von der Lage machen wollte.“ Von Südwesten seien die ersten feindlichen Bomberstaffeln angeflogen. So sei es bei der Bombardierung Münchens immer gewesen, erinnert er sich. Im Radio sei aber die Rede davon gewesen, dass Augsburg das Ziel sei.

Welche Folgen der Bombenangriff in Bayern hatte: Als vor 75 Jahren Bomben auf Bayern fielen

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„Kurz darauf war ein einzelnes Flugzeug zu sehen, das im schnellen Sinkflug immer näher kam. Ich meine, wahrgenommen zu haben, dass der rechte Tragflügel brannte. Wir sind dann schnellstens in den als Luftschutzraum dienenden Keller gegangen, wo die anderen Familienmitglieder bereits waren“, sagt Drohmann. Kurz danach, gegen 22.45 Uhr, habe es eine laute Detonation mit einem weithin sichtbaren Feuerball gegeben, dem eine gewaltige Druckwelle gefolgt sei. „Mit einem Schlag wurden die geschlossenen Fensterläden und Scheunentore aufgerissen und alle Fensterscheiben zerbarsten. Vom Ofen wurden die Kaminrohre weggeschleudert, was für eine Verqualmung im ganzen Haus sorgte. Ich hatte in dem Moment das Gefühl, als ob jemand am ganzen Haus rütteln würde und alles aus den Angeln hebt.“

Die Wucht der Druckwelle

Dass das Elternhaus nicht noch mehr Schaden nahm, rechnet er dem Umstand zu, dass die etwa 500 Meter südöstlich gelegene Absturzstelle tiefer liegt. Das Waldgebiet und der Hügelrücken der ersten Lechterrasse hätten die Wucht der Druckwelle gemindert, vermutet er. Immerhin hatte der Bomber noch seine tonnenschwere Bombenlast geladen, die aus einer Luftmine und vielen Brandbomben bestand. Zudem hatte er noch etwa 5000 Liter Treibstoff im Tank, was eine gewaltige Sprengkraft ergab.

Den Einsatzkräften, die nach dem Überflug der feindlichen Bomberstaffeln an den Unglücksort kamen, bot sich beim Eintreffen ein schreckliches Szenario. Ein großer Trichter kennzeichnete die Aufschlagstelle. Durch die Wucht der Explosion wurde das Flugzeug in Tausende Stücke zerrissen. Selbst am zwei Kilometer entfernten Ortsrandbereich gingen durch die Druckwelle noch viele Fensterscheiben zu Bruch, wie Denklingens Ortschronik berichtet. Der Absturzbereich wurde zum militärischen Sperrbezirk erklärt.

In einem Sammelgrab bestattet

Die Opfer wurden am nächsten Tag auf Weisung des leitenden Offiziers geborgen, jeweils in einen Papiersack gelegt und ohne Zeremoniell, wie es in solchen Fällen damals vorgegeben war, in einem Sammelgrab auf einem freien Platz des Friedhofes, der sich östlich des Leichenhauses anbot, begraben. Über Nacht wurde noch ein schlichtes Holzkreuz mit dem später angebrachten Zusatz, dass hier sieben englische Flieger begraben sind, aufgestellt. Im Jahre 1947 wurden die sieben Opfer von einer britischen Militärkommission der Vermissten-Nachforschungs- und Untersuchungsstelle der Royal Air Force exhumiert und zum alliierten Soldatenfriedhof in Dürnbach am Tegernsee überführt, wo sie heute noch ruhen.

Leni Waldhör, eine Enkelin des Waldstückbesitzers erinnert sich, dass ihr Vater später bei Feldarbeiten die Brieftasche eines Crew-Mitgliedes fand, die dessen Heimatanschrift enthielt. Der Vater habe die Brieftasche an die Adresse gesandt. Mitte der 1950er Jahre besuchten Familienangehörige des Opfers die Unglücksstelle und ihre Familie.

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