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Dettenschwang

19.07.2020

Kirche Dettenschwang: Die farbigen historischen Fenster kehren zurück

Hanna Pohle und Sebastian Weiss bereiten gerade das Einsetzen der historischen Kirchenfenster am Chor der Dettenschwanger Pfarrkirche vor.
Bild: Gerald Modlinger

Plus Die farbigen Chorfenster kehren nach St. Nikolaus zurück. Rund 50 Jahre lagerten sie in einer Garage. Jetzt werden sie restauriert - und auch ein klein wenig verändert.

Noch kann man die bunten Fenster für den Chorraum der Dettenschwanger Pfarrkirche nur auf dem Papier in der Sakristei sehen, aber die ersten Arbeiten für deren Wiedereinsetzung in St. Nikolaus sind im Gang: Bis zur nächsten Woche wird die äußere Schutzverglasung gesetzt sein, vor der dann die aus der Zeit um 1900 stammenden farbigen Fenster eingebaut werden sollen. Dann wird sich die Dettenschwanger Kirche wieder etwas mehr so zeigen, wie sie sich nach ihrem Wiederaufbau Ende des 19. Jahrhunderts darstellte.

Auch die sakrale Kunst unterliegt Modeerscheinungen. Als die Dettenschwanger nach dem Dorfbrand 1875 ihre fast vollständig zerstörte Kirche wieder aufbauten, bekamen sie aus Hechenwang die damals altmodischen barocken Altäre überlassen. Um 1900 kamen dann die besagten Buntglasfenster hinzu, die eigentlich dem übrigen barocken Stil nicht so ganz entsprachen, wenngleich ihre Gestaltung durchaus auch barocke Züge aufweist. Vor gut 50 Jahren wurden die Fenster ausgebaut, nicht nur, weil möglicherweise das Geld fehlte, sie zu restaurieren. Eine Rolle gespielt haben dürfte auch die Überlegung, die Kirche zu „purifizieren“ und stilistische Widersprüche zu beseitigen. Seither lagerten die Fensterteile in einer Garage, wo sie Kirchenpfleger Jürgen Zirch vor einiger Zeit entdeckte. Und er nahm sich vor, sie an ihren Platz zurückzubringen und das Ambiente der Erbauungszeit der Kirche wieder entstehen zu lassen. Die Glasmalereien fassen die neutestamentarische Heilsgeschichte in zwei Motiven zusammen: Zum einen die Geburt Jesu und zum anderen das Abendmahl.

Künstlerisch sehr hochwertig

Das war auch ganz im Sinne der Denkmalpfleger: Der Augsburger Diözesankonservator Dr. Michael Schmid sprach von „künstlerisch sehr hochwertigen Beispielen jener Zeit“. Sie werden künftig wieder das bauzeitliche Erscheinungsbild der Dettenschwanger Pfarrkirche vervollständigen.

Allerdings zeigte sich, dass dies einiges kosten würde: Bei über 60.000 Euro lag die Schätzung. Doch die Kirchenstiftung brachte das Geld zusammen – durch viele größere und kleinere Spenden, vor allem aber durch einen 50.000-Euro-Betrag, den die Edith-Haberland-Stiftung beisteuerte. Die ist nicht jedem bekannt, Freunden des Münchener Biers dürfte sie aber ein Begriff sein. Ihr gehören nämlich 51 Prozent der Augustiner-Brauerei. Und mit dieser ist Jürgen Zirch seit bald 30 Jahren eng verbunden, unter anderem als Schankkellner im Augustiner-Zelt auf dem Oktoberfest.

Bild: Jürgen Zirch


Unter anderem mit dieser Zuwendung konnte jetzt die Firma Gustav van Treeck zu arbeiten beginnen. Laut Restauratorin Hanna Pohle seien die bunten Scheiben noch in einem ganz guten Zustand. Überwiegend gehe es darum, sie zu reinigen, und die weiche Bleieinfassung der 36 Glasfelder mit Messingprofilen zu verstärken. Ein paar Stellen der Fensterfläche müssen jedoch neu gemacht werden, unter anderem der Teil, auf dem das Wappen des Stifters der bunten Fenster, Theodor von Cramer-Klett (1874-1938) aufgemalt war. Cramer-Klett war ein Industrieller und Mäzen, der sich auch für die Neugründung mehrerer Klöster finanziell engagierte, unter anderem in Wessobrunn.

Ein neues Wappen, das durchaus in eine Kirche passt

Das fehlende Element bietet nun die Gelegenheit, dezent die Erkennungszeichen der Geldgeber der jetzigen Instandsetzung anzubringen. Neben einer Inschrift der Kirchenstiftung wird damit auch das Markenzeichen der Edith-Haberland-Stiftung und ihrer Brauerei zu sehen sein. Letzteres ist bekanntlich ein an das ehemalige Augustinerkloster erinnernder Prälatenstab und somit etwas, was ja durchaus zu einem kirchlichen Raum passt.

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