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Landsberg

10.04.2019

Klinikum Landsberg: Was passiert, wenn die Ärzte heute streiken

In der Notaufnahme wird am Streiktag mit erhöhtem Andrang gerechnet. Am Dienstag war Roland Kauf aus Peiting kurzzeitig allein im Wartebereich.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Auch am Landsberger Klinikum wird sich am Mittwoch nicht viel tun. Fast alle Operationen und Sprechstundentermine sind abgesagt. Worum es den Medizinern geht.

Was passiert in einem Krankenhaus, wenn die Ärzte streiken? Für Mittwoch hat der Marburger Bund auch die Mediziner am Landsberger Klinikum zum Streik aufgerufen. Und so wie es aussieht, dürfte die Beteiligung groß sein. Nur einen Notdienst werde es geben, kündigt der Ärztliche Direktor Dr. Hubert Meyrl an. In der Notaufnahme werde gearbeitet, hatte das Klinikum bereits am Freitag informiert. Das könne man sich in etwa so wie einen Wochenend- oder Feiertagsbetrieb vorstellen, erklärt Meyerl. Patienten, die sich einer geplanten Operation unterziehen wollten, sei bereits vor Tagen avisiert worden, dass am Mittwoch gestreikt wird, ebenso Personen, die einen Sprechstundentermin vereinbart hätten. Meyrl schätzt, dass es um etwa 20 Eingriffe gehen könnte, die verschoben werden. Von dem Streik betroffen sind nur die Kliniken von Städten und Landkreisen.

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Das ist bundesweit geplant: Streiks am Mittwoch in den Kliniken

Der Marburger Bund vertritt die Interessen der angestellten und verbeamteten Ärzte. Davon gibt es in Deutschland rund 160000, rund drei Viertel davon sind laut Marburger Bund Mitglied der „Ärztegewerkschaft“.

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Es geht auch um mehr Geld

Auf knapp 80 Vollzeitstellen beziffert Meyrl die am Klinikum angestellte Ärzteschaft. Wie hoch der Anteil der Streikenden sein wird, kann er nicht beziffern, aber: „Pi mal Daumen gehe ich davon aus, 80 Prozent der Routinetätigkeiten entfallen.“ Und was wollen die Klinikärzte mit ihrem Streik erreichen? Zum einen geht es um mehr Geld – zumindest so viel, dass die Inflation ausgeglichen werde, wie Meyrl sagt. Der entscheidendere Punkt seien jedoch die Arbeitsbedingungen. Gerade an Krankenhäusern, die der Grundversorgung dienen – dazu zählt auch das Klinikum in Landsberg – sei das ein Thema. Für Häuser mit einem breiten medizinischen Angebot und vielen Not- und Akutfällen „ist es relativ schwierig, ein wirtschaftlich unproblematisches Ergebnis zu erzielen“ – sprich keinen Verlust zu machen. Denn die Auslastung der „Betriebsmittel“ wie beispielsweise Betten sei hier kleiner als in Kliniken, die sich auf bestimmte medizinische Bereiche spezialisieren und fast nur geplante Behandlungen durchführen. Diese könnten die Betten besser auslasten „und wir haben das Problem einer Unterlastung, wenn wir weniger Notfälle haben und eine Überlastung, wenn eine Grippewelle herrscht“.

Weil das Personal 70 Prozent der Kosten verursache, sei die „stille Personalreserve“ kleiner und die Arbeitsbelastung größer geworden. Das mache es auch schwerer, „Stellen mit hoch qualifizierten Personal“ zu besetzen. Gerade junge Kollegen legten Wert auf eine „Work-Life-Balance“. So fordere der Marburger Bund bei den Tarifverhandlungen auch, dass Bereitschaftsdienste langfristiger geplant werden. Auch sollte es pro Monat nicht mehr als zwei Wochenenden geben, an denen ein Arzt Bereitschaftsdienst leistet, sagt Meyrl.

Was ist ein freies Wochenende?

Und dabei gehe es schon damit los, dass die andere Seite am Verhandlungstisch, der „Verband Kommunaler Arbeitgeber“ (VKA), unter einem freien Wochenende eine dienstfreie Zeit von Samstag 10 bis Sonntag 24 Uhr verstehe – und nicht von Freitagabend bis Montagmorgen. „Diese Definition eines freien Wochenendes ist schon eine Frechheit“, sagt Meyrl. Ärzte haben eine tarifvertraglich vereinbarte Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche, rund zehn Stunden kämen dann noch durch Bereitschaftsdienste nachts und an Wochenenden und Feiertagen dazu.

Ähnlich sieht das auch Dr. Philipp Hartmann, Oberarzt in der Anästhesie, der am heutigen Mittwoch als Mitglied des Marburger Bunds streikt. Zum Thema Wochenende sagt er: „Wer am Samstag um 10 Uhr vom Dienst kommt, muss sich erst einmal hinlegen.“ Da bleibe dann vom Wochenende nicht mehr viel übrig. In der Anästhesie sei insbesondere auch die nächtliche Arbeitsbelastung hoch, vor allem wenn der Unfall- und Bauchchirurgie sowie in der Geburtshilfe Notfälle behandelt werden müssen, berichtet er. Er wolle eigentlich durch einen Streik weder dem Haus noch den Patienten schaden, meint Hartmann. Allerdings, so gibt er zu bedenken, gehe es der Ärzteorganisation mit dem Warnstreik auch darum, den Arztberuf durch einen entsprechenden Tarifvertrag attraktiv zu halten.

Zuletzt vor 13 Jahren gestreikt

Außerdem wollen die Klinikärzte erreichen, dass der Marburger Bund vom VKA verbindlich als Tarifpartei anerkannt wird, erklärt Meyrl. Da gebe es vom VKA durchaus widersprüchliche Aussagen. Die Ärzte wollten einen Tarifvertrag haben. Dass Ärzte streiken, kommt eher selten vor, insbesondere auch am Klinikum. Seiner Erinnerung nach liege der bislang letzte Ausstand 13 Jahre zurück, sagt Meyrl. Auch damals sei es um die Anerkennung des Marburger Bunds als Verhandlungspartner gegangen. Ob dem Streik am Mittwoch weitere Arbeitsniederlegungen folgen, vermag Meyrl nicht zu sagen: „Ich hoffe nicht, dass weiter gestreikt wird. Die Positionen sind nicht so weit auseinander, als dass man sich unter vernünftigen Leuten nicht einigen könnte.“ Der Ärztevertretung, das betont Meyrl auch abschließend, gehe es weniger ums Geld, als vielmehr um die Rahmenbedingungen für ihre Arbeit.

Wie LT-Redakteur Gerald Modlinger den Streik beurteilt: Streik im Klinikum: Der Spagat bei der Gesundheit

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