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Landsberg

15.04.2019

Können Landkreis und Gemeinden mehr Bio?

Privatleute können sich regional am Wochenmarkt in Landsberg eindecken, wie hier am Stand des Magnusheims Holzhausen bei Jessica Weser. Kommunen tun sich schwerer, dies für ihre Einrichtungen zu organisieren.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Johann Drexl vom Bauernverband fordert vom Landkreis Landsberg und der Gemeinde Kaufering mehr Nachfrage nach bäuerlichen Produkten. Warum das gar nicht so leicht ist.

Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat die Bauern aufgewühlt. Sie fühlten sich an den Pranger gestellt. Der Kreisobmann des Bauernverbandes, Johann Drexl, will sich aber nicht nur beklagen, sondern die Bauern konstruktiv in die öffentliche Diskussion miteinbringen. Und „Wege miteinander finden“: Er hat an die Marktgemeinde Kaufering, in der er Gemeinderat ist, und an den Landkreis zwei Anträge gestellt, um vor allem regionale Produkte zu fördern.

Gemeinde beziehungsweise Landkreis sollen nach Drexls Vorstellung Vorgaben machen, wonach die Lebensmittel von Gemeinschaftsverpflegungen oder bei Dorffesten, bei denen die Kommune ein direktes oder indirektes Mitspracherecht hat, mindestens zu 30 Prozent aus der Region und weitere 30 Prozent aus regionaler ökologischer Produktion stammen sollten.

Die Nachfrage nach Bioprodukten steigern

Drexl argumentiert, dass wenn wie im Volksbegehren gewünscht, der Anteil ökologisch wirtschaftender Betriebe auf 30 Prozent ansteigen soll, auch die Nachfrage gefördert werden muss. Außerdem machten die Vorgaben aus dem Volksbegehren die Produktion regionaler Lebensmittel teurer. In Sachen Volksbegehren haben sich die Wogen mittlerweile geglättet, Landwirte und Naturschützer haben sich an einem Runden Tisch zusammengefunden. Das Volksbegehren soll Gesetz werden, aber durch Ausführungsbestimmungen ergänzt werden.

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Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier: "Rettet die Bienen": Wie aus Gegnern jetzt Partner werden

Wie lassen sich aber Forderungen nach mehr regionaler oder Bio-Ware in den kommunalen Einrichtungen verwirklichen? Drexl könnte sich vorstellen, dass beispielsweise Seniorenheime mehr regionale und ökologische Produkte nachfragen oder auch an den Mensen in den Schulen so gehandelt wird. Er setzt darauf, dass gemeinsam mit der Verwaltung Regeln entwickelt werden, wie seine Forderungen erfüllt werden können. Das Landsberger Tagblatt hat sich beim Landkreis und einem seiner Partner für die Schulspeisungen an den beiden Landsberger Gymnasien erkundigt, wie sich Drexls Forderungen umsetzen ließen, sollten sie politisch gewollt sein.

Hier lesen Sie den Kommentar von Stephanie Millonig: Essen: Es muss es uns wert sein!

Wer soll das kontrollieren?

„Wer soll das kontrollieren“, ist die erste Frage, die sich Pressesprecher Wolfgang Müller stellt. Und es müsse definiert werden, was unter regional beziehungsweise regional ökologischer Landwirtschaft zu verstehen ist. Direkten Einfluss auf die Essenszusammenstellung hat der Kreis bei seinen Seniorenheimen, da dort eigene Küchen betrieben werden. Im Rahmen der Pflegesatzvereinbarung sind laut Müller auch die Essenskosten reglementiert.

Bei den Schulmensen sei man froh, sehr gute Pächter gefunden zu haben. In den Verträgen mit diesen werde auch der Wunsch geäußert, dass möglichst regional und auch bio eingekauft wird. Aber auch hier müsse der Preis stimmen, denn die Pächter befänden sich in Konkurrenz mit Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten neben der Schule. Den Pächtern von Windachseealm, dem Seerestaurant St. Alban und dem Strandhaus Eching werden laut Müller keine Vorgaben gemacht. „Das unterliegt der freien unternehmerischen Entscheidung.“

Ulrich Hauser ist Geschäftsführer beim Inklusionsbetrieb S+I der Regens-Wagner-Stiftung, und die Firma betreibt die Schulspeisungen an den beiden Landsberger Gymnasien. „Wir beziehen das Essen von Regens-Wagner Holzhausen“, berichtet er. Dort würden beispielsweise Kartoffeln von Bauern aus der Region gekauft. Früher seien auch noch Tiere aus der eigenen Produktion geschlachtet worden.

Aber auch bei der Einrichtung für Behinderte, Regens-Wagner, ist man laut Hauser bei den Essenskosten an die Pflegesatzvereinbarung gebunden. Und das Schulessen sei auf vier Euro gedeckelt. „Wir verlangen 3,90 Euro.“ Es sind jedoch nicht nur die höheren Rohstoffpreise, die sich in dem Bereich auswirken, wie Hauser erläutert. Beispiel Schulmilch: Die Tetrapacks müssen nämlich gekühlt werden, und der Hersteller habe gewissermaßen ein Monopol auf die Kühlautomaten.

Fair-Trade-Artikel gehen gut

Eine wichtige Rolle spielen laut Hauser in der ganzen Diskussion auch die Personalkosten. Denn es geht schneller, vorgefertigte Produkte fertig zu machen, als ein Gericht aus frischen, regionalen Produkten zu bereiten. Und es ist außerdem wichtig, den Geschmack der Jugendlichen zu treffen: „Wir überlegen, was wir frisch vor Ort herstellen können, Salat geht beim Pausenverkauf gut, Dipps mit frischem Gemüse, das hat nicht funktioniert“, erzählt Hauser. Angeboten würden auch Fair-Trade-Artikel, die auch gut angenommen würden. „Ich glaube, wir bewältigen die Gratwanderung ganz gut.“

Das Klinikum Landsberg ist ein eigenständiges Kommunalunternehmen, das selbst entscheiden kann. Vorstand Marco Woedl sagte gegenüber dem Landsberger Tagblatt, dass man seit 2018 vermehrt regionale Produkte einkaufe, vor allem im Bereich Gemüse. „Und wir haben auch Produkte mit viel Plastik rausgeschmissen und so zehn Tonnen an Müll eingespart.“ Regionale Produkte seien meist auch weniger verpackt. Im Klinikum werde überdurchschnittlich Geld für Verpflegung ausgegeben, so Woedl. Er hält dies auch für die Genesung für wichtig. „Ich esse selber fast jeden Tag im Klinikum.“

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