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Landsberg

07.12.2018

Kulturhalle: Eine flachgequetschte Bausünde?

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Um den geplanten Konzertsaal, der im neuen Stadtviertel am Papierbach, entstehen soll, ging es in einer Diskussionsrunde. Am Mikrofon: Wolfgang Hauck (“Die Stelzer“).
Bild: Thorsten Jordan

Kulturschaffende, Vertreter der Stadt und der Investor diskutieren über die in Landsberg geplante Kulturhalle. Wer würde die Mehrkosten bezahlen und ein Konzept für die Nutzung liefern?

Ist die geplante Kulturhalle im neuen Stadtviertel „Urbanes Leben am Papierbach“ ein „akustisch kastrierter, jämmerlicher Saal“, gar eine „flachgequetschte Bausünde“? So formulierte es jedenfalls der Geigenbaumeister Martin Schleske. Für ihn ist die aktuelle Planung ein „architektonischer, atmosphärischer und klanglicher Gau“. Er fordert eine Raumhöhe von mindestens zehn Metern. Auch wenn es die anderen Teilnehmer einer Diskussionsrunde in der Aula der Landsberger Mittelschule am Donnerstagabend nicht ganz so drastisch ausdrückten – wirklich zufrieden ist im Moment mit dem mit 4,5 Metern Höhe konzipierten Saal keiner. Nicht einmal mehr die anwesenden Stadträte.

Mehr zur Vorgeschichte erfahren Sie hier: Gibt es bald eine Philharmonie in Landsberg?

Sie kritisierten, wie beispielsweise Hans-Jürgen Schulmeister (Landsberger Mitte), dass man bei den Abstimmungen davon ausgegangen war, dass diese Raumhöhe ausreiche. „Ich frage mich, wer diese Zahl in die Auslobung geschrieben hat, wenn es Kritik daran gab. Wir wussten davon nichts.“ In der Aula der Mittelschule wurde mit vielen Stadträten, Kulturschaffenden und interessierten Bürgern, dem Projektleiter und Investor Michael Ehret und Claudia Flörke vom Kulturbüro sehr intensiv über das Thema diskutiert.

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Ist der Bedarf in Landsberg für einen solchen Konzertsaal da? Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Konzertsäle: Deutliche Worte

Bereits im Vorfeld hatten Wolfgang Hauck und Martin Schleske ihre Forderungen konkretisiert: Stadtsaal: Wird eine Riesenchance vergeigt?

Der Investor will ein Belegungskonzept

Das Baugebiet am Papierbach wird vieles in Landsberg verändern. Es gibt mehr Wohnraum und dort sollte auch ein kleines Zentrum für Kultur entstehen. Wie groß dieses Zentrum beziehungsweise die Stadt- oder Kulturhalle werden soll, darüber herrscht derzeit Uneinigkeit zwischen der Stadt und vielen Kulturschaffenden (LT berichtete). Und auch die Versammlung brachte zwar viele interessante Wortmeldungen, aber keine Einigung. Die Stadt möchte – so formulierte es Dritter Bürgermeister Axel Flörke (Landsberger Mitte) – egal, welche Höhe nun gebaut wird, vom Projektplaner ehret+klein eine Garantie, dass kein Defizit auf sie zukommt. Michael Ehret gab diese Frage gleich weiter an die Kulturschaffenden. „Können Sie mir einen Belegungsplan liefern und sagen, wie oft im Jahr Sie diese Halle nutzen wollen?“

Am Freitag gab es dann eine überraschende Nachricht: Kulturhalle: Michael Ehret macht der Stadt einen Vorschlag

Wolfgang Hauck (Künstlergruppe „Die Stelzer“), Initiator des Infoabends, gab wiederum diese Aufgabenstellung ans Kulturbüro weiter. „Da müsste man eine beratende Firma hinzuziehen, die diese Aufgabe übernimmt.“ Fazit: Jeder möchte vom anderen eine Garantie. Eine Lösung für dieses Dilemma gab es in der Versammlung nicht.

Jetzt soll sich der Stadtrat erneut mit dem Thema beschäftigen

Einige Stadträte und auch Zweite Bürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) sagten aber, dass sie die Diskussion erneut in den Stadtrat bringen werden. „Vielleicht gibt es einen Kompromiss mit einer Höhe von 7,5 Metern.“ Zehn Meter, so Baumgartl, diese Höhe sei nicht durchsetzbar. „Dann müssen wir den Bebauungsplan ändern.“ Denn der Investor will bei einer Höhe von zehn Metern eine Ausgleichsfläche für den wegfallenden Wohnraum. Das heißt: Es muss höher gebaut werden.

Der Stadttheater-Architekt Wolf-Eckart Lüps und sein Kollege Roger Mandl (beide Wessobrunner Kreis) bezeichneten die bisherige mit 4,5 Metern eingeplante Halle sogar als eine „bessere Unterführung“ und keinen Saal. „Es wurde schon bei der Auslobung für diesen Raum beim Architektenwettbewerb ein Fehler begangen.“ Lüps erinnerte die Anwesenden an die Konflikte beim Umbau des Landsberger Stadttheaters. „Auch hier gab es zwischendrin Skeptiker und massive Kritik an der Finanzierung. Doch wir alle sind doch inzwischen froh, die große Lösung gewählt zu haben. Das Stadttheater ist ein großer Gewinn für Landsberg.“ Deshalb solle man optimistisch in die Zukunft blicken. Eine Halle müsse zukunftsweisend errichtet werden.

Der Filmforumschef sieht hinter den aktuellen Plänen „kleinkariertes Denken“

Auch der Filmforumschef Kurt Tykwer hatte dies in der Diskussion gefordert. „Ich bin ein emotionaler Mensch und will nicht, dass man so kleinkariert nachdenkt.“ Man müsse doch mit Visionen in die Zukunft blicken und hier biete sich eine Chance, die man nutzen müsse.

Planer Ehret fand die Halle dagegen als Veranstaltungsraum bestens geeignet. „Es war unsere Aufgabenstellung, einen multifunktionalen Raum zu gestalten. Das haben wir gemacht. Die Halle entsteht direkt am neuen Europaplatz im Wohngebiet mit offenen Toren zum Platz.“ Es seien Räume für Vorträge, Workshops und ein Restaurant mit eingebunden. „Wir können das auch noch anders bauen und alles akustisch extrem optimieren. Aber wir brauchen jemanden, der uns diese Kosten absichert. Ohne Nutzungskonzept planen wir nicht um.“

Stadträtin Petra Ruffing (CSU) stellte die Frage, warum Wolfgang Hauck immer sage, er spreche für die Kulturschaffenden. „Wer hat Ihnen den Auftrag gegeben?“ Für ihre Kunstausstellung brauche sie keinen so hohen Raum. Sie stellte auch die Frage nach der Infrastruktur. „Wo sollen all die Menschen dort parken? Und finden es die Menschen, die dort wohnen, toll, wenn so viele dort Konzerte besuchen?“ Tykwer wünschte Ruffing für die Bildende Kunst andere, bessere Ausstellungsmöglichkeiten. „Sie müssen doch aus ihrer Gemüsehalle in der Zederpassage raus.“

Der Investor ist nach wie vor gesprächsbereit

Edmund Epple (Konzertveranstalter) verwies darauf, dass Hauck für die Kulturschaffenden in der Lenkungsgruppe saß und man ihm nicht vorwerfen könne, dass er diesen Job jetzt auch ernst nehme. „Ich denke, wir brauchen einen Saal, der mehr Kapazität hat wie das Stadttheater und etwas mehr Charme als das Sportzentrum.“

Stadtrat Felix Bredschneijder (SPD) betonte, dass Landsberg mit der Bebauung bereits eine Jahrhundertchance ergriffen habe und er die Entscheidung, höher zu bauen, für krass halte. Er habe dagegen massive Bedenken und glaube, auch wenn er es sich wünschen würde, dass der Zug für eine andere Raumhöhe bereits abgefahren ist.“

Projektplaner Michael Ehret zeigte sich auch zum Schluss der Veranstaltung für alle Gespräche bereit. „Wir hatten eine tolle Diskussion und haben die bisherigen Vorgaben der Stadt erfüllt. Wir warten auf ihre neue Bestellung.“

Lesen Sie auch den Kommentar: Kulturhalle: Endlich ein Vorstoß

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