Vor vier Jahren ging es für Michael Kießling (CSU) vom Denk-linger Rathaus in das Reichstagsgebäude nach Berlin: Bei der Bundestagswahl 2017 holte der heute 48-Jährige das Direktmandat für den damals neuen Wahlkreis Starnberg-Landsberg. Am 26. September, wenn erneut Parlamentswahlen anstehen, möchte Kießling diesen Erfolg wiederholen. Im LT blickt der Politiker auf seine erste Legislaturperiode zurück. Wieso in seinen Augen im kommenden Monat eine „Richtungswahl“ ansteht.
Bereits mit 15 Jahren trat Michael Kießling in die Junge Union ein. Politisch bekannt wurde er erst mehr als 20 Jahre später, als er 2011 zum stellvertretenden CSU-Kreisvorsitzenden gewählt wurde. Inzwischen hat er den Vorsitz inne. Nach dem gescheiterten Versuch, den inzwischen verstorbenen Walter Eichner (CSU) als Landrat zu beerben, wurde Kießling 2014 zum Denklinger Bürgermeister gewählt. Rund drei Jahre später zog es den zweifachen Familienvater schließlich in die Hauptstadt. Gegenüber unserer Redaktion spricht Michael Kießling von einer „interessanten Zeit“, die er seitdem erleben durfte. Während Kießlings erster Legislaturperiode sei es quasi „nie langweilig“ geworden. Gleich nach der Wahl hätten die Koalitionsverhandlungen angestanden, außerdem habe er sein Landsberger Wahlkreisbüro am Hellmairplatz ganz neu aufbauen müssen.
"Landsberg ist für mich die Heimat"
Nach Berlin komme er in den festen Sitzungswochen – im vergangenen Jahr waren es 22 – und für Sondersitzungen und -termine. „Landsberg ist für mich die Heimat, da hat man Freundschaften und Bekanntschaften“, sagt Michael Kießling. „Berlin ist Arbeit. Das Schöne daran ist der Wechsel – beide Orte sind sehr unterschiedlich.“ Kießling ist es wichtig, nah an den Bürgerinnen und Bürgern seines Wahlkreises zu sein und für sie in Berlin etwas zu bewirken. „Unser Wahlkreis ist sehr vielfältig.“ Zuletzt hätten sich auch oft Unternehmen an ihn gewandt – häufig mit Fragen zu den Corona-Hilfen. Außerdem versuche sich Kießling stets dafür einzusetzen, dass die Region von Förderprogrammen profitiert – mit dem Smart-City-Programm sei das beispielsweise gelungen.
Zeit zum Durchschnaufen bleibt Michael Kießling in der jetzigen Phase kaum. Momentan käme alles „gebündelt“, sagt er. Die Situation in Afghanistan, die Flutkatastrophe und die Verlängerung der epidemischen Lage – dass alles wurde in einer Bundestagssondersitzung am Mittwoch behandelt. Gerade jetzt, mitten im Wahlkampf, kommen also viele dringende Themen auf. Doch auch dieser sei wichtig, so Kießling: Die Menschen müssten erfahren, für was die Parteien stehen. Mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl spricht der ehemalige Denklinger Bürgermeister von einer „Richtungswahl“, bei der sich entscheiden werde, ob es eine bürgerliche oder eine linksgerichtete Regierung geben wird.
Wahlprogramme sollten mehr im Fokus stehen
Momentan sei es deshalb eine der zentralen Herausforderungen, den Bürgerinnen und Bürgern die Ideen der Partei zu vermitteln. Kießling würde sich wünschen, dass neben den Persönlichkeiten noch mehr die Wahlprogramme im Fokus stehen. Durch Corona sei es schwieriger, mit den Menschen in Kontakt zu treten. „Früher gab es die Bezirksmusikfeste und Trachtenfeste – jetzt ist man viel digital unterwegs.“
Vom Unionsspitzenkandidaten Armin Laschet (CDU), der als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfale über Regierungserfahrung verfüge, ist Kießling nach eigenen Angaben überzeugt. Er fügt in Anspielung auf Markus Söders letztlich erfolglosen Kanzlerambitionen aber auch an: „Als CSU hätte man sich vielleicht auch etwas anderen vorstellen können.“ In den Umfragen verlor die CSU zuletzt deutlich und liegt dem Meinungsforschungsinstitut Insa zufolge nun bei 23 Prozent und damit gleichauf mit der SPD.
Im Wahlkreis Starnberg-Landsberg werden zwölf Kandidaten zur Bundestagswahl antreten: Michael Kießling (CSU), Carmen Wegge (SPD), Martina Neubauer (Grüne), Britta Hundesrügge (FDP), Simone Ketterl (Die Linke), Rainer Gross (AfD), Rasso Rebay von Ehrenwiesen (Freie Wähler), Joachim Nibbe (Volt), Christoph Raab (Die Partei), Manfred Heinlein (Die Basis), Stella Sadowsky (ÖDP) und Cornelia Fiegel (V-Partei3). Das LT wird die Kandidaten in den kommenden Wochen vorstellen.