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Landkreis Landsberg
05.03.2020

Prozess wegen sexuellen Missbrauchs: Pfleger kommt frei

Am Landgericht in Augsburg fand die Berufungsverhandlung gegen den 43-jährigen Pfleger statt.
Foto: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Ein Pfleger soll in einem Pflegeheim im Landkreis Landsberg einen Wachkoma-Patienten sexuell missbraucht haben. Warum seine Haftstrafe jetzt zur Bewährungsstrafe wird.

Im Sommer ist ein 43-jährigen Pfleger vom Augsburger Amtsgericht wegen sexuellen Missbrauchs eines Wachkoma-Patienten in einer ambulanten Wohngemeinschaft im Landkreis Landsberg zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Jetzt hat das Landgericht Augsburg in der Berufungsverhandlung die Strafe in ein Jahr und zehn Monate Haft umgewandelt und zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings hat der Pfleger inzwischen bereits ein Jahr und zwei Monate Monate in Untersuchungshaft verbringen müssen.

Im November 2018 hatte der Pfleger bei einem 36-jährigen Patienten, der nach einem Arbeitsunfall im Wachkoma liegt, eine Dauererektion festzustellen geglaubt. Um dem Mann Erleichterung zu verschaffen, habe er den Penis des Patienten mit seiner durch einen Latexhandschuh geschützten Hand so lange gerieben, bis dieser weicher geworden sei. Wie schon im vorangegangenen Verfahren räumte der Angeklagte dies erneut ein, bestritt aber wiederum, sich selbst dadurch habe erregen zu wollen. Eben dies hatte die Staatsanwaltschaft dem Mann vorgeworfen. Diese Handlung war von einer Kollegin beobachtet und angezeigt worden. Der 43-jährige Vater dreier Kinder hatte im Verfahren im vergangenen Sommer bekannt, auch homosexuell bedingte Empfindungen zu verspüren.

Das erste Urteil hatte überrascht

Während der Verteidiger des Pflegers, Rechtsanwalt Wolfgang Polster , seinerzeit für den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einen Freispruch gefordert hatte, hatte die Staatsanwältin auf eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten plädiert. Zur Überraschung mancher Prozessbeobachter war das Schöffengericht seinerzeit dem Antrag der Staatsanwältin exakt gefolgt und hatte den Angeklagten entsprechend verurteilt.

Für den Pfleger, der seit November 2018 in Untersuchungshaft gesessen hatte, bedeutete das Urteil damals „Zurück ins Gefängnis“. Weil er über seinen Verteidiger in Berufung gegen das Urteil gegangen war, dieses somit keine Rechtskraft erlangte, dauerte die U-Haft bis jetzt, insgesamt 14 Monate, an. In der Untersuchungshaft herrschen im Gefängnis strengere Regeln als im „normalen“ Strafvollzug.

Die Berufung wurde allein auf die Höhe des Strafmaßes beschränkt, deswegen hatte das Gericht unter Vorsitz von Richterin Renate Partin jetzt nur mehr eine verkürzte Beweisaufnahme vorgenommen. Neben den Zeuginnen aus der Wohngemeinschaft waren erneut auch die Gutachter vernommen worden.

Gutachter spricht von einem Helfersyndrom

Dabei, so Polster , habe offensichtlich die Ansicht von Professor Dr. Albrecht Stein gewirkt, der dem Angeklagten „eine Art pathologisches Helfersyndrom“ attestiert hatte. Anders als in der Vorinstanz folgte das Gericht diesmal der Forderung von Rechtsanwalt Polster , der nunmehr auf eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten plädiert hatte – exakt das Strafmaß, das anschließend in das Urteil für den Pfleger einging (plus 120 Stunden Hilfsdienste). Staatsanwalt Gregor Hohenadl hatte mit zwei Jahren und drei Monaten erneut eine nicht mehr bewährungsfähige Gefängnisstrafe gefordert. Resultat für den Pfleger: Unmittelbar nach der Verhandlung wurde er aus der Haft nach Hause entlassen.

Zwar hat der Angeklagte das Urteil bereits angenommen, nicht aber die Staatsanwaltschaft und die nebenklagende Mutter für den geschädigten Koma-Patienten. Noch ist das Urteil somit nicht rechtskräftig, nach Worten von Rechtsanwalt Wolfgang Polster stünden die Chancen jedoch gut, dass sein Mandant wegen der Angelegenheit nicht mehr ins Gefängnis müsse.

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