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  3. Landkreis Landsberg: Zahnschmerzen kennen keine Corona-Krise

Landkreis Landsberg
22.04.2020

Zahnschmerzen kennen keine Corona-Krise

Kieferorthopädin Dr. Cornelia Stahl und Zahnarzt Dr. Gunther Stahl betreiben in Dießen eine Praxis. Die Corona-Krise beeinflusst auch ihren derzeitigen Arbeitsalltag.
Foto: Thorsten Jordan

Die Zahnärzte im Landkreis Landsberg schränken die Behandlung ihrer Patienten kaum ein. Hohe Sicherheitsvorkehrungen gab es schon vor der Corona-Pandemie. Trotzdem hat sich einiges geändert.

Wer in diesen Tagen der Corona-Pandemie zum Zahnarzt will, hat kein Problem. Die Praxen sind geöffnet. „Wir machen weiter wie bisher“, sagt beispielsweise der Landsberger Zahnarzt Dr. Jens Kantelhardt. In Dießen haben sich die Zahnärzte darauf verständigt, sich gegenseitig zu vertreten, sollte eine Praxis für eine gewisse Zeit mal ausfallen. Und doch hat sich ein bisschen was in den Praxen geändert.

Der Spender mit Desinfektionsmittel ist gleich am Eingang gut sichtbar platziert: „Er wird auch sehr gut angenommen“, sagt Dr. Jens Kantelhardt. Zusammen mit Dr. Roger Scholl betreibt er eine Praxisgemeinschaft in Landsberg. Durch die Corona-Pandemie habe sich nicht viel geändert. „Eigentlich behandeln wir schon seit Jahren jeden Patienten so, als ob er ein potenzieller Infektträger wäre.“

Vorkehrungen wurden getroffen

Was Masken und Desinfektionsmittel betrifft, gebe es inzwischen keinen Lieferengpass mehr. Bislang, sagt er, gebe es auch noch keinen Fall, dass sich ein Patient in einer Zahnarztpraxis mit Corona angesteckt hätte. „Jedenfalls ist mir keiner bekannt.“

Trotzdem haben die beiden Ärzte in ihrer Praxis die nötigen Vorkehrungen getroffen. Plexiglasscheiben am Empfang schützen die Mitarbeiterinnen und in den beiden Wartezimmern ist genug Platz, um den Sicherheitsabstand wahren zu können. „Wir haben den Vorteil, dass wir eine Bestellpraxis sind, also die Patienten so einbestellen können, dass es im Wartezimmer nicht voll wird.“

Gleichzeitig werden alle Patienten schon am Telefon gefragt, ob sie irgendwelche Symptome hätten, und, falls möglich, werde dann ein Termin auch verschoben. „Doch ansonsten werden alle Behandlungen unter Beachtung der verschärften Hygienemaßnahmen durchgeführt“, sagt Kantelhardt.

Am Telefon wird nach Symptomen gefragt

Auf die hohen Sicherheitsstandards, die eigentlich immer gelten, verweist auch Dr. Matthias Möllmann, Obmann der Zahnärzte im Landkreis. Kurzzeitig habe es bei der Lieferung von Masken einen Engpass gegeben. „Aber die Kollegialität wächst in diesen Zeiten. Wenn einem Arzt etwas fehlte, hat ein anderer ausgeholfen.“ Inzwischen seien auch alle Praxen wieder gut versorgt. In seiner Praxis ist es inzwischen Usus, die Patienten ein, zwei Tage vor dem Termin anzurufen und nachzufragen, ob sie irgendwelche Symptome hätten. Sollte das der Fall sein und die Behandlung sei nicht zwingend, würde sie verschoben.

Eigene Corona-Praxen

Aber auch Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind oder auf ihr Testergebnis warten, und Zahnschmerzen bekommen, wird geholfen. „Wir haben in Bayern etwa 20 Corona-Schwerpunkt-Praxen“, sagt Möllmann. Diese hätten die entsprechende Schutzausrüstung. „Der Bedarf ist aber sehr gering, wir sind auf 0,1 Patienten pro Tag gekommen“, so der Mediziner. Für den Landkreis seien diese Praxen unter anderem in Weilheim, München oder Augsburg.

Auswirkungen hat Corona auch auf Zahnarzt Dr. Gunther Stahl, der mit seiner Frau Dr. Cornelia Stahl, Fachzahnärztin für Kieferorthopädie, eine Praxisgemeinschaft in Dießen betreibt. „Wir schauen, was medizinisch notwendig ist. Vorsorgeuntersuchungen sowie professionelle Zahnreinigungen machen wir im Moment nicht. Auch die Helferinnen, die diese Arbeiten bei uns durchführen, sind zurzeit nicht in unserer Praxis“, erklärt Stahl.

Aber selbstverständlich werde Schmerzpatienten geholfen und dringende und notwendige Behandlungen durchgeführt. Laufende kieferorthopädische Behandlungen werden ebenfalls fortgesetzt. Es gebe viele Fälle, die individuell beurteilt werden müssten. „Wir stellen die Notwendigkeit der Behandlung dem potenziellen Risiko bei einer Erkrankung mit Covid-19 für den Patienten – etwa Alter und Vorerkrankungen – gegenüber und diskutieren das gemeinsam.“

Wenig Patienten im Wartezimmer

Die beiden Ärzte Stahl wie auch alle anderen arbeiten mit Mund- und Nasenschutz, Handschuhen, Schutzbrille und, wenn notwendig, einen Gesichtsspritzschutz. Wenn möglich, wird Kofferdam benutzt, um weniger potenziell infizierendes Virus-Aerosol zu produzieren. Das heißt, dass der Mundraum bis auf die Stelle, an der beispielsweise gebohrt wird, komplett abgedeckt ist.

Im Empfangsbereich werde darauf geachtet, dass sich jeweils nur ein Patient im Wartezimmer befindet oder die Patienten sofort auf die Behandlungszimmer verteilt werden.

Dr. Juliane Becker, die ebenfalls eine Praxis in Dießen betreibt, bemerkt, dass es auf der Webseite der KZV Bayern eine Liste von Praxen gibt, die Notdienste haben. Die Zahnärztin ruft Malerbetriebe und Baubetriebe auf, eventuell vorhandene FFP2- und FFP3-Masken den Ärzten und Zahnärzten zu spenden. Wie ihre Kollegen hat sie am Empfang einen sogenannten Spuckschutz, eine Plexiglasscheibe gegen Tröpfcheninfektion, installieren lassen.

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