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Landsberg

10.12.2020

Landsberg: Anwohner kritisieren Abholzaktion am alten Sägewerk

Die Anwohner (von links) Alena Gericke, Roland Neumeyer, Katja Täumel, Carmen Klimesch und Tanja Schäfer kritisieren die Abholzaktion.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Am alten Sägewerk in Landsberg werden Büsche und Bäume gerodet. Die Anlieger sehen seltene Tiere in Gefahr. Unsere Zeitung hat den Eigentümer befragt.

Das alte Sägewerk am nördlichen Ende der Schwaighofsiedlung in Landsberg ist schon seit einigen Jahren nicht mehr in Betrieb. Es ist baufällig, die Scheiben sind teilweise kaputt, der neue Eigentümer hat einen Zaun um das Gebäude errichtet. Auf dem Areal, zu dem auch zwei Schuppen gehören, wuchsen bis vor wenigen Tagen Bäume und Büsche. Der Eigentümer hat das Gelände roden lassen. Das sorgt für Ärger und Unverständnis bei den Anliegern. Denn auf dem Gelände hätten unter anderem Biber, Igel, Maulwürfe und viele Vogelarten gelebt. Deren Lebensraum sei nun zerstört.

Roland Neumeyer ist einer der Anwohner. Er wohnt mit seiner Familie in der Straße Am alten Sägewerk. „Wir sind entsetzt“, sagt er. Doch nicht nur er sei von der Aktion des Eigentümers überrascht gewesen. „Er hätte uns doch vorab informieren können.“ In einer Zeit, in der viel von Umwelt- und Tierschutz gesprochen werde, sei eine solche Abholzaktion „ungeheuerlich“. Zwischen den Gebäuden hätten auch seltene Tiere eine Heimat gefunden. Eine Nachbarin habe berichtet, dass sie in ihrem Garten regelmäßig einen Habicht gesehen habe. Die Kinder hätten die Tiere in ihr Herz geschlossen.

Rund um das alte Sägewerk (im Hintergrund) wurden Büsche und Bäume gerodet.
Bild: Thorsten Jordan

Eigentümer der Flächen, die vor Kurzem gerodet wurden, ist die wbl bauträger, die zur Wohlfahrt Unternehmensgruppe aus Landsberg gehört. Unsere Zeitung hat mit Geschäftsführer Tobias Wohlfahrt über die Aktion gesprochen. Er sagt, dass sich auf dem Gelände eine große Esche befinde, deren Totholz entfernt werden musste. Dazu habe man mit einer Hebebühne auf das Areal fahren müssen. Deswegen hätten etliche Bäume und Büsche entfernt werden müssen.

Alle zwei Jahre wird künftig zurückgeschnitten

Naturschutzrechtlich sei die Aktion erlaubt. Solche Maßnahmen seien im Winter, wenn keine Vögel nisten, durchzuführen. Zwar sei in nächster Zeit nicht geplant, das Gelände zu bebauen, dennoch habe man sich entschlossen alle zwei Jahre Büsche und Bäume zurückzuschneiden. Möglicherweise, so Tobias Wohlfahrt, werde in nächster Zeit auch der kleine Stadel südlich des ehemaligen Sägewerks abgerissen. „Wir haben schlechte Erfahrungen mit Leuten gemacht, die sich in solchen alten Gebäuden gerne aufhalten.“

Langfristig soll auf dem Areal des alten Sägewerks und einer südlich davon gelegenen Wiese Wohnbebauung entstehen. Wie die Pressestelle der Stadt auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, ist dies in einem ersten Entwurf zur Änderung des Flächennutzungsplans der Stadt so vorgesehen. Im Haushalt des nächsten Jahres seien dafür aber keine Mittel vorgesehen, eine zeitliche Einschätzung, wann dort gebaut werden kann, sei aktuell nicht möglich. Es seien auch noch keine Planungsgedanken angestellt worden, auch nicht, wie das Gelände erschlossen werden könnte.

Auf dem Gelände steht auch noch dieser alte Stadel.
Bild: Thorsten Jordan

Auch Tobias Wohlfahrt kann derzeit keine zeitlichen Angaben machen. Zunächst müsse die Stadt in einem Bebauungsplanverfahren festlegen, was in diesem Bereich gebaut werden darf. In den vergangenen Jahren entstanden auf den früheren landwirtschaftlichen Flächen südlich des Sägewerks vor allem Einfamilien-und Reihenhäuser. Das sei auch auf den noch nicht bebauten Flächen möglich, meint Wohlfahrt. Erste Vorgespräche habe es mit der Stadt gegeben. Die lägen aber einige Jahre zurück. Die wbl bauträger hat laut Tobias Wohlfahrt nicht alle Flächen erworben, die im Flächennutzungsplan als Wohnbebauung ausgewiesen sind. Das Areal des alten Sägewerks gehöre jedoch dazu.

Die beiden auf dem Gelände befindlichen Schuppen sollen abgerissen werden. Was mit dem alten Sägewerk passieren soll, sei offen. Stadtbaumeisterin Birgit Weber habe Tobias Wohlfahrt gegenüber geäußert, das Sägewerk könne durchaus auch erhalten werden. Die Anfrage unserer Zeitung beantwortet die Pressestelle der Stadt wie folgt: „Es gibt noch keine Gedanken betreffend das alte Sägewerk.“ Wie Tobias Wohlfahrt sagt, wurde im alten Sägewerk lange Jahre mit einer Turbine Strom erzeugt. Das Wasser, das die Turbine antreibt, läuft in einem unterirdischen Kanal vom Altöttinger Weiher durch das Sägewerk direkt in den Lech.

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10.12.2020

Da geht's doch wieder mal nicht wirklich um "die seltenen Tiere" die "die Kinder in's Herz geschlossen haben". Die Anwohner haben halt Angst das das Gelände bebaut wird und Sie daraus einen Nachteil haben..... Und wieso sollte ein Eigentümer fremde Personen informieren was er mit seinem Eigentum - legal - macht. Ziemlich unverständlich....

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