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Landsberg

05.07.2020

Landsberg: So ist der Alltag mit Schutzmaske

Bei Manuela Lotti aus Landsberg baumelt die Schutzmaske locker am Ohr.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Der Mund-Nasen-Schutz ist in Bayern an vielen Orten immer noch Pflicht. Doch nicht jeder trägt ihn richtig. Das zeigt sich auch in der Landsberger Innenstadt.

Sie ziert Handgelenke oder Oberarme, lenkt dezent den Blick aufs Dekolleté und macht sich auch als Ohrgehänge gut. Schlicht gesagt: Sie mausert sich zum modischen Accessoire. Die Rede ist von der Mund-Nasen-Schutzmaske, die aufgrund der Corona-Pandemie aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Doch erfüllt sie auch noch ihre eigentliche Bestimmung, Menschen vor einer Covid-19-Erkrankung zu schützen? Wird die Maske richtig getragen und halten die Leute nach wie vor Abstand? Oder hat sich eine trügerische Sicherheit eingeschlichen, die alles das vergessen lässt, worauf zu Beginn der Pandemie so intensiv geachtet wurde? Das Landsberger Tagblatt hat sich am Samstagnachmittag in der Landsberger Innenstadt umgeschaut.

Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen auf weit über 20 Grad und die Leute zieht es in Richtung Eisdielen und Straßencafés. Vereinzelt werden auch in der Fußgängerzone Masken im Freien getragen. Meist aber heißt es kurz vor Betreten eines Ladens: Maske vor Mund und Nase und beim Verlassen schnell wieder runter.

Der Mund-Nasen-Schutz am Handgelenk.
Bild: Thorsten Jordan

Marion Sohr aus Kaufbeuren steht vor einer Auslage mit Blumentöpfen und Tischdecken. In der Hand eine dekorative Steinfigur. Trotz der hohen Temperaturen und der gleißenden Sonne trägt sie ihren Mund-Nasen-Schutz auch vor dem Laden. „Ich arbeite in einer Arztpraxis, da weiß ich, um was es geht“, sagt sie. Außerdem wechselt sie gerade immer wieder zwischen Ladeninnerem und Auslage draußen, da mache es wenig Sinn, jedes Mal die Maske abzunehmen.

Ein Stück weiter unterhält sich Eleonore Krämer aus Landsberg mit einem Bekannten. Sie hat ein leichtes Tuch umgebunden, das Mund und Nase bedeckt. „Die Tücher sind mir im Moment die liebsten, die sind schön leicht und ich kann besser atmen“, sagt Krämer. „Außerdem haben die das gewisse Etwas und man kann sie auch sehr leicht selbst machen.“ Und schnell soll es schließlich gehen, wenn das Gesicht verhüllt werden muss.

Werner Reissler aus Donauwörth trägt zum Radfahren ein Tuch.
Bild: Thorsten Jordan

Werner Reissler aus Donauwörth ist mit dem Fahrrad in Landsberg unterwegs. Um den Hals hat er einen Schlauchschal aus dünnem elastischem Gewebe. „Den kann ich mir ganz schnell vor das Gesicht ziehen und beim Radfahren habe ich so auch noch einen Schutz um den Hals“, erklärt er. Außerdem komme er so nicht in die Verlegenheit, die Maske zu Hause zu vergessen.

Alles Wichtige zum Thema Schutzmaske lesen Sie hier:

Wie in der Corona-Krise ein bisschen Stoff zum Politikum wurde

Beobachtet man die Menschenmenge in der Innenstadt eine Weile, wird deutlich, dass die „Handtaschen-Variante“ eindeutig die beliebteste Trageform für die Maske ist, wenn man sich dort aufhält, wo sie nicht Mund und Nase bedecken muss. Auffällig viele Menschen haben das kleine Stück Stoff oder die Einmalmaske in der Hand oder locker am Handgelenk. Und noch etwas fällt auf: Abstand halten scheint immer öfter in Vergessenheit zu geraten. Da herzen und umarmen sich zwei Damen, die sich scheinbar länger nicht gesehen haben. Auf der anderen Straßenseite stehen zwei ältere Herren dicht an dicht vor einem Schaufenster und unterhalten sich angeregt. Wieder ein paar Meter weiter hat sich eine Gruppe Jugendlicher versammelt. Man herzt sich, gibt sich Wangenküsschen und umarmt sich. Maske? Zwei-Meter-Abstand? Fehlanzeige.

Manuela Liotti aus Landsberg hat ihre Maske aufgesetzt, bevor sie sich am Eisstand eine Portion Eis gekauft hat. Der Mund-Nasen-Schutz ist in grün-weiß-rot gehalten. „Ich bin Italienerin, da muss das sein“, sagt sie. Außerdem passen die Farben ja auch perfekt zu Landsberg. Erst als sie sich vom Eisstand ein Stück weit entfernt hat, nimmt sie die Maske ab und zeigt eine weitere Tragevariante: den Ohrhänger. Locker baumelt die Maske am linken Ohr, während sich Liotti ihr Eis schmecken lässt.

Andere spannen den Mund-Nasen-Schutz am Fahrradlenker ein.
Bild: Thorsten Jordan

Und dann fällt noch eine Variante auf, die vermutlich zu den exotischen Formen gehört: Ralf aus Landsberg hat sich seine Einmal-Maske von Klingel zu Bremse über den Lenker seines Fahrrads gespannt. „Je nachdem, wie stark sich die Maske ausbeult, weiß ich, wie schnell ich unterwegs bin“, sagt er. Als Fliegenfänger mag das ja ganz praktisch sein, ob diese Maske aber im Fall des Falles noch mal im Gesicht getragen werden sollte?

Ach ja, die Collier- oder Halsketten-Version muss auch noch erwähnt werden. Manfred Kerler aus München hat sich dafür entschieden. Seine Maske, die Partnerin Regina Kolm selbst genäht hat, hängt an einer Kordel vor der Brust. Mit den beiden zusätzlich angenähten Gummis rechts und links ist das gute Stück schnell vors Gesicht gezogen, wenn es denn sein muss.

Wenn der Mund-Nasen-Schutz tatsächlich eine Wirkung zeigen soll, dann sollte er laut Gesundheitsexperten vor Mund und Nase getragen werden. Auch am Samstagnachmittag war so mancher in der Stadt zu sehen, der, als Service-Kraft, als Verkäufer im Laden oder auch als Gesprächspartner auf der Straße, zwar den Mund bedeckt hatte, die Nase aber nicht.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Die Angst vor dem Coronavirus sinkt

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