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Landsberg

13.02.2020

Landsberg: Ungewöhnlicher Protest gegen Kassenbonpflicht

Bäckerei Fischer im Hinteranger: Andrea Fischer und ihr Mann sammeln die Kassenbons einer Woche im Schaufenster.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Seit Januar müssen Händler ihren Kunden Kassenbons mitgeben. Das stößt auf Kritik. Die Landsberger Bäckerei Fischer hat zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gegriffen.

Diese Regelung sorgt für Kopfschütteln. Wer eine Semmel oder einen Krapfen kauft, erhält einen Kassenzettel. Der Gesetzgeber will mit der neuen Regelung Steuerbetrug vorbeugen. Doch die Umsetzung stößt auf jede Menge Unverständnis bei Händlern und Kunden. Die Bäckerei Fischer im Landsberger Hinteranger protestiert auf ihre Weise gegen das neue Gesetz.

Neben frischen Krapfen füllen Hunderte Zettel das Schaufenster der Bäckerei Fischer in Landsberg. Kassenzettel einer Woche liegen dort. Die Bäckerei visualisiert so die Pflicht, jedem Kunden – der ihn meist nicht haben will – einen Kassenbon auszudrucken. Seit 1. Januar müssen alle Einzelhändler mit einem elektronischen Kassensystem Bons ausgeben.

Bei den Kunden kommt die Aktion gut an

Diese Regelung hatte für einen Aufschrei gesorgt und die Prognosen der Einzelhändler scheinen sich zu bewahrheiten: Wer eine Breze oder einen Laib Brot kauft, will für diese Beträge keine Kassenzettel. Der Bon bleibt beim Bäcker, der das Thermopapier als Restmüll entsorgt. Die Fischers kamen Ende Januar auf die Idee, eine Woche lang Zettel zu sammeln. Bei den Kunden kommt die Aktion gut an. Brigitte Schießl, die gerade einkauft, findet die Kassenbonpflicht „einen Schmarrn. Wir wollen doch Müll vermeiden“.

Landsberg: Ungewöhnlicher Protest gegen Kassenbonpflicht

Andrea Fischer hat kein Problem mit mehr Kontrolle, weiß aber nicht, ob das mit der Zettelpflicht der richtige Weg ist, angesichts des Müllproblems. Schließlich speichere die Kasse jeden Vorgang elektronisch. Problematisch findet sie auch, dass, wer noch keine elektronische Kasse hat, weiterhin mit einer offenen Ladenkasse arbeiten kann. „Das passt nicht ganz zusammen.“ Eine neue Kasse musste sich die Bäckerei nicht zulegen, aber früher wurden die Zettel nur ausgedruckt, wenn der Kunde sie verlangte.

Auch beim Friseur will kaum einer die Rechnung

Am Obst- und Gemüsestand Sandner beim Landsberger Wochenmarkt machen Verkäuferin Manuela Matiaske und ihre Kollegin auch die Erfahrung, dass kaum jemand einen Bon will. Zu Beginn der Regelung hätten sie jeden Kunden gefragt. Julia Gerber kauft immer am Markt ein und sie findet die neue Gesetzesregelung „den größten Hirnriss seit der Maut“.

„Sehr verärgert“ ist auch Anneliese „Lissy“ Weraneck vom Friseursalon HairContrast in Landsberg. Sie hat schon seit vier Jahren ein Kassensystem, das den neuen gesetzlichen Regelungen entspricht – bis auf die technische Sicherheitseinrichtung, die noch gar nicht auf dem Markt ist. „Wir hatten hier eine Unternehmensberatung, die das empfohlen hat.“ Auch wenn es für einen Friseursalon vielleicht nur ein Dutzend Kassenbons am Tag sind, die im Laden bleiben, Lissy Weraneck ärgert sich über den zusätzlichen Müllberg, der durch die Kassenzettel entsteht.

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14.02.2020

Jeder muss auf diesen Zug aufspringen... grauenhaft so langsam. Alle wussten dass es kommt, es gibt vollelektronische Varianten und seien wir ehrlich: die schwarzen Kassen braucht doch niemand.

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