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Landsberg

15.05.2020

Landsberg: Was sich Festwirte und Fieranten einfallen lassen

Vanessa Manz und ihre Mutter Renate Paul in ihrem Stand mit Schokofrüchten.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Wer sein Geld auf Märkten und Festen verdient, ist bis Ende August vom Shutdown betroffen. Was sich ein Festwirt und eine Fierantin als Alternativen einfallen lassen.

Kein Fest, kein Jahrmarkt, kein Jubiläum, keine Firmenfeier: Wessen Geschäft darauf basiert, auf Traditionsmärkten seine Waren zu verkaufen oder Festzelte aufzustellen, der ist trotz der Lockerungen durch die Corona-Beschränkungen mindestens bis Ende August ausgebremst. Solange sind derartige Festivitäten nicht möglich. Wie es danach weitergeht, ist offen. Die Betroffenen suchen nach Lösungen für die Zwischenzeit und sind mitunter recht einfallsreich.

Für Jochen Mörz heißt das „Jahrmarkt to go“. Der Festwirt aus Amberg bei Buchloe hat aktuell kein Festzelt in Mammendorf aufgestellt, sondern einen Nostalgiewagen, aus dem heraus Hendl, Haxn, Currywurst, Ente und Steckerlfisch verkauft werden – „Jahrmarkt to go“ eben. „Hinter dem Wagen haben wir noch ein Küchenzelt mit 90 Quadratmetern aufgestellt.“ Man könne auch telefonisch vorbestellen und das Essen abholen oder spontan kommen, so Mörz. Das Essen darf nicht vor Ort verzehrt werden, aber ab 18. Mai, wenn dies erlaubt ist, will er zu seinem Wagen Tische für eine Außenbewirtung aufstellen. Auch wenn die Leute sich freuen, Essen wie im Bierzelt kaufen zu können, von einer derartigen Festivität unterscheidet sich der Jahrmarkt to go in essenziellen Punkten: Es gibt kein Dach, keine Musik, und es gilt Abstand zu halten vom Nachbarn, wie Mörz sagt. Das Geschäft sei nicht vergleichbar mit einem Festzeltbetrieb: „ Es sind sechs Prozent vom Umsatz im Festzelt“, erzählt der 63-Jährige.

Die Firma Mörz hat das "Volksfest to go" ins Leben gerufen.
Bild: Thomas Birk

Die Mörz GmbH betreibt nicht nur Festzelte, wie jenes in Kaufering, sondern vermietet normalerweise auch Zelte für Feiern. Doch auch hier findet im Augenblick kein Geschäft statt. Jochen Mörz hat zwar Soforthilfe bekommen, doch die sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. 60 bis 90 Mitarbeiter beschäftigt die Mörz GmbH im Monat. Jetzt sind die Mitarbeiter in Kurzarbeit. Man müsse versuchen, aus der Situation das Beste zu machen, sagt Jochen Mörz. „Wir hoffen, dass im September und Oktober noch ein paar Feste nachgeholt werden.“ Die Gemeinde Kaufering feiert regulär in der ersten Woche im September. Aber ob dann Feste schon erlaubt sind, das sei noch offen.

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310 Euro, das ist die Summe, die Heinrich Mack in den vergangenen Wochen eingenommen hat. Die Mack Lederwaren GmbH war über fast zwei Jahrzehnte mit einem Geschäft in Landsberg vertreten und es gab noch weitere Läden, wie Heinrich Mack erzählt. Er handelt mit Lederware, Gürtel werden auch selbst gefertigt. Er habe immer aber auch auf Messen und den Traditionsmärkten der Region Lederware verkauft. „Ich bin der Mann mit dem Koffer, meine Frau war die Frau im Laden.“ Vor eineinhalb Jahren gaben die Macks den Laden im Vorderanger auf und konzentrierten sich auf die Märkte, auf denen laut Heinrich Mack nun 98 Prozent des Umsatzes gemacht werde. Und der ist jetzt weggebrochen. Daneben gibt es einen Onlineshop.

Jochen Mack muss derzeit mit seinem Hänger zu Hause bleiben.
Bild: Thorsten Jordan

Auch wenn keine große eigene Produktion im Hintergrund steht, es gibt Festkosten wie beispielsweise für das Fahrzeug, wie Heinrich Mack erzählt. Der einzige Vorteil in der Situation: Heinrich Mack lebt im eigenen Haus und muss keine Miete zahlen. „Was mich aber am meisten nervös macht, ist, dass die Situation nicht absehbar ist.“ Der 70-Jährige hofft, dass er nach Ende der Frist 31. August, wieder mit seiner Ware auf Märkte fahren kann.

„Wir haben seit dem Weihnachtsmarkt in Landsberg keine Einnahmen mehr“, erzählt Vanessa Manz. Die 27-Jährige aus Weil hat im vergangenen Jahr das „Schokofrüchte Paradies“ von ihrer Mutter Renate Paul übernommen, die seit 1987 schokolierte Früchte produziert und verkauft. „Die Saison hätte für uns am 15. März mit einem Markt in Peiting begonnen“, sagt Vanessa Manz, doch der Markt sei bereits abgesagt worden. Eigentlich seien sie jetzt jedes Wochenende unterwegs, aber alles sei abgesagt, unter anderem auch das Streetfood Festival in Landsberg, das im Mai hätte stattfinden sollen.

Auf den Wochenmarkt darf sie nicht

Vanessa Manz hat auch schon bei der Stadt angefragt, ob sie auf dem Wochenmarkt verkaufen dürfe, doch dem steht entgegen, dass es sich bei den schokolierten Früchten nicht um ein Grundnahrungsmittel handelt, wie sie erzählt. Die Landsberger müssen freilich nicht auf Schokofrüchte verzichten: Vanessa Manz ist oft zu Gast im Nonnenbräu in Landsberg und so kam die Idee, dass sie ihren Wagen auf dem Parkplatz des Lokals in der Epfenhauser Straße aufstellt. Dort ist jetzt seit Anfang Mai Schokofrüchte-Verkauf. Und der wird auch angenommen, wie die junge Frau erzählt. Die meisten kämen mit dem Auto, hielten kurz an, um einzukaufen und würden dann wieder wegfahren. Vanessa Manz will dort auf jeden Fall bis nach Pfingsten sein. Wenn es dann zu heiß werde im Juni, würden die Leute sicherlich lieber in der Stadt unten zum Eis essen fahren.

Festkosten hat auch Vanessa Manz, sie muss Leasing- und Versicherung für Fahrzeuge zahlen und die Halle, wo diese unterstehen. Soforthilfe hat sie schon Ende März per Post beantragt. Auf Nachfrage erhielt sie die Antwort, dass postalische Anfragen derzeit nicht mehr beantwortet werden könnten, sie solle es online probieren. Doch auch der Online-Antrag blieb bisher unbeantwortet.

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