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Landkreis Landsberg

09.01.2021

Landsberg: Wo bleiben in diesem Winter die Vögel?

Bernd Korndörfer aus Kaltenberg  hat in diesem Winter bislang so gut wie keine Vögel an seinem Vogelhäuschen gesehen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Rund um die Futterhäuschen im Landkreis Landsberg ist offenbar nicht allzu viel los. Welche Erklärungen Vogelbeobachter dafür haben.

Um den Jahreswechsel ist die Zeit, Inventur zu machen: So passt auch die alljährliche „Stunde der Wintervögel“ in die ersten Tage eines neuen Jahres, die der Landesbund für Vogelschutz (LBV) auch dieses Jahr ausgerufen hat. Seit Freitag und noch bis Sonntag, 10. Januar, sind Gartenbesitzer eingeladen, eine Stunde zu zählen, welche Vögel sich dort gerade aufhalten. Das dürften heuer möglicherweise eher wenig sein, so die derzeitigen Beobachtungen aus einigen Gärten, die dem LT bereits mitgeteilt wurden.

Wer im Winter ein Futterhäuschen aufhängt, wird oft durch zahlreichen Besuch belohnt und holt sich auch an kalten Tagen viel munteres Leben auf sein Grundstück. Allerdings: In diesem Winter gibt es auch Enttäuschungen. „Unser Vogelhäuschen ist dieses Jahr unberührt und sehen tun wir auch keinerlei Kleinvögel. Sogar Amseln sind selten. Das Gleiche beobachten unsere Nachbarn. Das ist ein richtiges Trauerspiel“, berichtet Bernd Korndörfer aus Kaltenberg aus seinem großen baumbestandenen Garten – und in der ganzen Straße sei es nicht anders. „Wir haben die Futterhäuschen im November rausgehängt, aber seither herrscht völlige Ruhe“, sagt Korndörfer weiter, „ich verstehe das nicht. Vor Weihnachten habe ich mal ein Meisenpärchen gesehen, aber das war gleich wieder weiter.“ Ähnlich schildert eine Nachbarin die Situation. Seit Jahrzehnten fütterten sie und ihr Mann, aber heuer hätten sie nicht mehr als eine Amsel und eine Meise beobachten können.

Weil Insekten und Hecken fehlen

Auch Klaus Janke aus Finning berichtet, in seinem Garten bislang praktisch keine Vögel gesehen zu haben. An den drei Futterstellen, die er draußen an Waldrändern aufgestellt hat, seien auch nicht viele Tiere zu sehen: „Sonst habe ich da jeden zweiten Tag aufgefüllt, jetzt hängen die gefüllten Häuschen schon seit drei Wochen.“

Auch an den Futterstellen für Vögel von Klaus Janke in Finning ist bislang in diesem Winter nicht viel los gewesen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Bedeutet das, dass es tatsächlich weniger Kleinvögel gibt, oder suchen sie nur die von den Menschen eingerichteten Futterstellen nicht auf? Janke sagt zwar, dass die Futtersituation für viele Vögel heuer aufgrund eines guten Bucheckern- oder Ebereschenjahres ganz gut sei. Aber er habe auch schon im Sommer etwa bei Meisen festgestellt, dass der Bruterfolg nicht besonders gut gewesen sei. Auch wenn der Rückgang selbst in Bereichen, wo die Umweltbedingungen für die Vögel eigentlich ganz gut wären, zu beobachten sei, sieht Janke doch einen Zusammenhang zwischen der Umwelt und dem Vogelbestand. Das Hauptproblem seien der Mangel an Insekten und Veränderungen in der Landschaft: Wenn etwa Hecken fehlen, schmälere das nicht nur das Futterangebot, Meisen könnten sich zudem etwa vor Sperbern nicht mehr in Sicherheit bringen.

Mehrere Faktoren spielen eine Rolle

Ein langjähriger Vogelbeobachter ist auch Erwin Keller aus Issing. Er lebt auf einem Einzelgehöft – und sieht die Situation anders als Janke und Korndörfer. „Jetzt, wo Schnee gefallen ist, ist mehr los“, berichtet er. Diese Wahrnehmung deckt sich auch mit einer These des Hobby-Ornithologen Pater Theophil Gaus aus St. Ottilien. Ein Teil der Wintervögel bei uns seien auch Gäste aus dem Norden. Die Klimaerwärmung führe dazu, dass diese in kleinerer Zahl zu uns kämen, sagt Pater Theophil. Außerdem verbesserten schneearme Winter die Nahrungsverfügbarkeit in der Landschaft, sodass die Vögel Gärten weniger aufsuchten. Dazu komme eine im Winter geringere Nahrungskonkurrenz, weil die Brutvogelbestände zurückgegangen seien, was wiederum wesentlich durch den Verlust an Insekten verursacht sei.

Erwin Keller aus Issing berichtet, er habe in den vergangenen Tagen Amseln, Goldammern, Sperlinge, einzelne Rotkehlchen, Spechte und Eichelhäher sowie Buchfinken gesehen, die sich gern in den Büschen aufhalten. Meisen habe er nur wenige bemerkt, vor allem die Kohlmeisen fehlten. Vergangenes Jahr seien dagegen fast nur Sperlinge zugange gewesen. Ein paar Äpfel für die Amseln und ein Becher Körner sei derzeit der tägliche Futterbedarf.

So funktioniert die Mitmachaktion des Landesbunds für Vogelschutz

Bei der „Stunde der Wintervögel“ will der Landesbund für Vogelschutz aus den Meldungen aus vielen einzelnen Gärten ein möglichst umfassendes Gesamtbild über die Situation der Kleinvögel gewinnen. Wer mitmachen will, kann noch bis zum Sonntag eine Stunde von einem Platz aus das Geschehen im Garten im Blick haben, aufnotieren und anschließend an den LBV melden, wie viele Exemplare er von welcher Vogelart gesehen hat.

Viele Blaumeisen fielen im Frühjahr einem Bakterium zum Opfer. Die Stunde der Wintervögel könnte nun Aufschluss darüber geben, ob sich die Bestände erholt haben.
Bild: Thomas Gretler/Archiv

Wie das genau geht, wird auf der Internetseite des LBV erklärt. Im vergangenen Jahr beteiligten sich 143.000 Personen an der „größten wissenschaftlichen Mitmachaktion“ in Deutschland, wie der Verband betont. Besondere Aufmerksamkeit soll heuer der Blaumeise gelten: Denn im Frühjahr fielen viele Blaumeisen einer bakteriellen Infektion zum Opfer.

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