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Landsberg

18.05.2020

Landsberg und die Krise der Film- und Konzertbranche

Schauspielerin Ulrike Folkerts als Lena Odenthal im Gespräch mit Tom Bohn. Der Regisseur aus Landsberg musste die Dreharbeiten zum neuesten „Tatort“ mit dem Titel „Hetzjagd“ wegen der Corona-Pandemie abbrechen.
Bild: SWR/Alexander Kluge (Archivfoto)

Plus Kinos, Konzertsäle und Theater haben geschlossen. Wie ein Regisseur, ein Medienanwalt und ein Veranstalter aus Landsberg die aktuelle Situation erleben.

Kinos und Theater haben geschlossen. Kultur gibt es in der Corona-Krise nur im Fernsehen oder im Internet. Aktuelle Produktionen? Fehlanzeige. Die Kulturschaffenden sind größtenteils arbeitslos. Wie gehen sie damit um und welche Lösungsansätze haben sie? Das Landsberger Tagblatt hat mit Filmregisseur Tom Bohn, dem Medienanwalt Steffen Schmidt-Hug und dem Veranstalter Bastian Georgi über die Situation gesprochen.

Es sind nicht die Restriktionen für das öffentliche Leben, die Tom Bohn, Gründer des Landsberger Snowdance-Festivals, in Zeiten von Corona kritisiert. Es ist vor allen Dingen die mangelnde Planbarkeit, um die es ihm geht. Veranstalter von Festivals, Regisseure, Drehbuchautoren, aber auch Schauspieler, Musiker und Schriftsteller, die meisten von denen, so Bohn, stellen nicht unbedingt die finanziellen Aspekte in den Vordergrund, wenn es um die Pandemie geht. Viele seiner Kollegen kennen keinen kontinuierlichen Geldfluss wie normale Angestellte, die am Ende eines Monats ihr Gehalt auf dem Konto haben. Sie hangeln sich von Projekt zu Projekt, von Auftrag zu Auftrag, und sind bestens vertraut mit wirtschaftlichen Durststrecken, sagt der Regisseur. „Die halten sich dann oft mit Jobs in der Gastronomie oder sogar in der Reisebranche über Wasser. Aber das können die im Moment auch vergessen“. Unterbrechungen seien daher fast so etwas wie Normalität.

Es geht darum, wie es nun weitergeht. Nach Corona. Wann Veranstaltungen wieder stattfinden können, wann seine Kollegen wieder auf einer Bühne stehen und wann Konzerte wieder gegeben werden dürfen. Tom Bohn selbst hat den Dreh an seinem neuesten Tatort mit dem Titel „Hetzjagd“ abbrechen müssen. Der produzierende Sender, der Südwestrundfunk, bezahlt die Gagen trotzdem weiter. Das findet er großartig. „Das Team hätte gearbeitet, jedoch waren die Drehorte dicht. Da ging gar nichts mehr“. Die Kreativen, sagt Bohn, seien die Menschen, die uns über die Quarantäne helfen. „Was würden wir denn machen, wenn wir keine Romanzen, keine Krimis, keine Unterhaltungsfilme hätten, keine Romane und Biografien geschrieben werden, keine Hits komponiert werden, wenn wir zu Hause nahezu eingesperrt sind? Über diese existenzielle Bedeutung kultureller Arbeit hat sich kaum jemand Gedanken gemacht.“

Landsberg und die Krise der Film- und Konzertbranche

Hunderte E-Mails an einem Tag

Der Landsberger Rechtsanwalt Steffen Schmidt-Hug klagt nicht, er ist einfach überlastet. Der Spezialist für Filmrecht arbeitet seit Wochen durch, wie er verrät. Die rechtliche Seite von Corona sind für ihn Hunderte E-Mails am Tag. Digitale Hilferufe aus der Branche. Wovon mancher Anwalt nur träumen kann, das belastet ihn. Viele von Kündigungen Betroffene kennt er persönlich. Darunter sind Cutter, Tonassistenten, Kameraleute, Requisiteure, Masken- und Kostümbildner. Steffen Schmidt-Hug ist deutschlandweit der einzige Fachanwalt für Arbeitsrecht und für Urheber- und Medienrecht. Der „Filmanwalt“ nach längeren Verhandlungen eine Lösung für die Mitarbeiter einer Babelsberger Produktionsfirma gefunden. 600 Kündigungen wurden zurückgenommen und die Gekündigten in Kurzarbeit überführt. Wegen der Pandemie seien viele Filmproduktionen eingestellt und den Mitarbeitern kurzerhand die Verträge gekündigt worden. Oft ist er zu Verhandlungen nach Berlin gefahren.

Mit Filmschaffenden hat Schmidt-Hug einen Brandbrief an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geschickt, worin er argumentiert, dass die „Wunderwaffe“ Kurzarbeitergeld in der Filmbranche kaum funktioniere. Auch bekommen viele, die „beim Film“ arbeiten, kein Arbeitslosengeld, weil sie die erforderlichen Arbeitstage nicht nachweisen könnten. Sie seien häufig nur „ultrakurz beschäftigt“.

Bastian Georgi organisiert unter anderem Konzerte aus der Sonderbar in Landsberg, die live gestreamt werden können.
Bild: Thorsten Jordan

In einem Schreiben an Ministerpräsident Markus Söder appellierten Kulturschaffende und Veranstalter aus Bayern, umgehend einen langfristigen Rettungsschirm für Kulturschaffende zu schaffen, bis wieder Publikum Veranstaltungen besuchen kann. Mittlerweile hat Söder angekündigt, den Rettungsschirm von 90 auf 200 Millionen Euro aufzustocken. Einer der Unterzeichner ist Bastian Georgi von Rebelz Sound in Landsberg. In der Veranstaltungsbranche in Deutschland würden mit externen Dienstleistern bis zu drei Millionen Menschen arbeiten, die aktuell alle vor dem Ruin stünden. Sein Veranstaltungsunternehmen müsse sich permanent etwas Neues einfallen lassen.

„Aus vollen Auftragsbüchern ist eine verwaiste Zentrale geworden, wir haben bis zum Ende des Jahres 100 Prozent Ausfall und wir gehen aktuell nicht davon aus, dass wir vor April 2021 wieder einen regulären Betrieb haben werden“, sagt Georgi. Die gesamte Kreativ- und Kulturszene im Landkreis sei davon betroffen. „Wir versuchen mit unserem Stream, die Kultur den Leuten nach Hause zu bringen. Allerdings machen wir das auf eigene Kosten und bekommen keinerlei Hilfe oder Unterstützung“, sagt Georgi.

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