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Vernissage

06.07.2019

Lauscher und Lärmmacher

Zwei Werke von Josef Lang (rechts), die in St. Ottilien zu sehen sind: Erster Preis, eine frühe Arbeit aus dem Jahr 1983 (links) und die Ahnenfigur.

Die Galerie St. Ottilien würdigt das Werk Josef Langs mit einer Ausstellung. Gezeigt werden auch frühe Arbeiten

Am Eingang zum Gelände des Klosters St. Ottilien steht „Grünmann“. Man sieht ihn schon von Weitem – kein Wunder, bei seiner Größe. Er könnte mit seinen fast dreieinhalb Metern den Bewohnern des ersten Stocks im Haus hinter sich gerade in die Fenster schauen. Doch er beachtet nicht einmal das Geschehen direkt um ihn herum.

Die eine Hand in der Hosentasche, die andere hinter den Rücken gelegt ruht er mit tonnenschwerem Eichengewicht auf seinen klobigen Beinen; beide Füße fest auf den Boden gestellt, scheint er wie ein einfaches, starkes Gehölz daraus hervorzuwachsen – als, so beschrieb es Eresings Bürgermeister Josef Loy bei der Vernissage, „Baum, der gefällt und vom Künstler wieder aufgestellt wurde“. Den Kopf leicht gesenkt, nach unten gerichtet auch der Blick, ist Grünmann ganz in sich gekehrt.

Dass er die Besucher der Werkschau des Bildhauers Josef Lang – nicht nur in der Galerie, sondern auch den Außenanlagen des Klosters Sankt Ottilien – „empfängt“, wäre wohl zu viel gesagt. Er ist nur einfach da, dient sich niemandem an, ebenso wenig wie die nur eine Wegbiegung entfernt stehende Großskulptur „Black“ mit ihrem weit in die Ferne gerichteten Blick, oder ein paar Schritte weiter „Helmut“, der, die Hände stützend hinter den zurückgeneigten Kopf gelegt, ganz in seine Himmelsbetrachtung versunken ist. Auf dem Platz vor dem Exerzitienhaus nehmen Herzträger, Ahnenfigur, die üppige Rosa sowie das vier Meter hoch aufragende Schulterträgerpaar Schorsch und Sepp den Betrachter in ihre Mitte.

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Bei allen sonstigen Unterschieden, ihre fast bescheidene Art, sich „hinzuzugesellen“, absichtslos und im grundsätzlichen Einvernehmen mit der Welt, eint als besonderes Wesensmerkmal die Figuren Josef Langs; der zu seinen „Horchern“„Guckern“ und „Lauschern“ lapidar bemerkt: „Meistens sind die ja eh nur ich.“ Ihre Haltung könnte man mit „unverstellte Einfachheit“ beschreiben, und dies durchaus als Kompliment meinen; gerade in unserer komplexen Welt, in der kaum noch irgendetwas unverstellt ist, schon gar nicht unser Blick darauf.

Josef Langs „Menschen“ nehmen ihr Herz in die Hand, halten als Ahnen künftige Generationen bergend in ihren Armen und ruhen gefestigt – auch als „Träumer“ und „Sternenpflücker“ – in sich selbst. Dies macht die Begegnung mit ihnen angenehm. Sie lauschen lieber, als selbst Lärm zu machen; sind vielleicht auch deshalb in ihrer Erscheinung „ungestalt“, weil Welt-offen und im Wesen gestaltbar.

Gezeigt werden in der als Werkschau konzipierten Ausstellung auf dem Gelände des Klosters auch frühe bildhauerische Arbeiten des Künstlers mit teils gesellschaftskritischem und teils sakralem Bezug sowie kleine, oft aus Abfallstücken gefertigte, schwarz gefasste Objekte und monochrom schwarze und weiße Papierarbeiten.

„Josef Lang, Werkschau“ in der Galerie St. Ottilien und auf dem Klostergelände, ist geöffnet bis Samstag, 21. September. Öffnungszeiten Klostergalerie: Montag bis Freitag, 10 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr, Samstag bis 16 Uhr, Sonn- und Feiertage, 10.30 bis 12 und 13.30 bis 16 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Werkverzeichnis erschienen.

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