1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Lechsteg: OB Neuner warnt vor einem Stopp

Landsberg

11.07.2019

Lechsteg: OB Neuner warnt vor einem Stopp

Die Lechufer sind schon seit dem Winter freigeschnitten: An dieser Stelle soll der neue Lechübergang für Fußgänger und Radfahrer gebaut werden, sofern der Stadtrat die Mehrkosten in Millionenhöhe akzeptiert.
Bild: Thorsten Jordan

Der neue Lechübergang wird viel teurer als geschätzt. Wie der Oberbürgermeister auf Kritiker reagiert und welches andere Millionenprojekt er zunächst nach hinten schieben will.

4,7 Millionen Euro für Jugendzentrum und Tiefgaragenerweiterung in der Lechstraße erst einmal raus, dafür weitere gut drei Millionen Euro für den geplanten Lechsteg rein: Das könnten die Eckpunkte eines Nachtragshaushalts werden, den der Stadtrat in zwei Wochen beschließen soll. Am Mittwoch wurde im Finanzausschuss vorberaten. Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) musste sich viel Kritik anhören – zum Lechsteg, aber auch, weil er zunächst 1,5 Millionen Euro Planungskosten für den sozialen Wohnungsbau am Wiesengrund streichen wollte.

Sagen Sie uns Ihre Meinung:

„Solange wir über einen Lechsteg in dieser finanziellen Größenordnung diskutieren, ist das der Bevölkerung schwer zu vermitteln“, meinte Felix Bredschneijder (SPD). Neuner bot daraufhin an, das Geld im Etat zu lassen. Er deutete aber auch an, dass man es heuer ohnehin nicht mehr schaffen werde, in die Planung für den Sozialwohnungsbau einzusteigen. Ohne Verzug will Neuner jedoch den Lechsteg zwischen dem Urbanen Leben am Papierbach und dem Inselbad errichten – auch wenn dies von etlichen Stadträten wegen der Kosten in Höhe von knapp neun Millionen Euro kritisch gesehen wurde. „Zu glauben, wir schreiben ein drittes Mal aus und dann wird es billiger, ist eine Illusion“, machte Neuner deutlich. Werde die Brücke jetzt nicht gebaut, „dann ist sie gestorben und wir hätten schon jetzt 1,5 Millionen Euro für Gutachten und Planungen im Lech versenkt“.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Vorschlag: Ein anderes Brückenmodell

Eine weitere Ausschreibung hatte zuvor Christoph Jell (UBV) angeregt, der auch klarmachte: „Wir werden garantiert dem Nachtragshaushalt nicht zustimmen, wenn die Tiefgarage rausfällt, damit die Brücke um jeden Preis gebaut werden kann.“ Er forderte ferner, über eine stärkere finanzielle Beteiligung des Papierbach-Investors zu verhandeln, dessen Zuschuss vertraglich auf 1,3 Millionen Euro gedeckelt ist.

Dr. Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte) riet dazu, sich von der bislang vorgesehenen aufwendigen Brückenkonstruktion zu verabschieden und die Kosten für eine einfachere Bauweise zu ermitteln. Eine solche Überlegung könnte auch in die „Verhandlungsmasse“ gegenüber dem Investor einfließen.

Erhöht der Investor seinen Anteil?

Für Verhandlungen unter diesen Vorzeichen sah der Oberbürgermeister wenig Möglichkeiten. Man habe schon im städtebaulichen Vertrag die Leistungen des Investors für den Anteil vergünstigter Wohnungen und Infrastrukturleistungen sehr hoch angesetzt. Auch Christian Hettmer (CSU) blieb skeptisch: „Was würden wir in der Analogie sagen, wenn der Investor wegen der für ihn gestiegenen Baukosten weniger für die Lechbrücke zahlen würde?“ Genauso müsse man sich fragen, „was passieren würde, wenn sich der Investor nicht mehr an die Ergebnisse der Wettbewerbe halten würde“, sagte Hettmer mit Blick auf Weisensees Vorschlag.

Ursprünglich war man von vier Millionen Euro ausgegangen

Zuvor hatte Tiefbau-Chef Hans Huttenloher die Komplexität der ausgeschriebenen Brücke betont: „Das ist ein technisch und konstruktiv sehr aufwendiges Bauwerk und es ist mit Risiken in der Herstellung behaftet. Dafür werden gute Leute und viel Zeit benötigt.“ Das Bauvorhaben war in zwei Losen (Stahlbeton- und Straßenbau sowie Stahlbau) ausgeschrieben worden. Für jedes Los seien zwei Angebote eingegangen. Die beiden günstigeren beliefen sich zusammen auf 7,2, die beiden teureren auf insgesamt 9,8 Millionen Euro. Die Kostenschätzung war bei vier Millionen Euro gelegen. Auch Huttenloher warnte vor einer weiteren Ausschreibung. „Wenn sich rumspricht, dass etwas dreimal ausgeschrieben wird, werden die Firmen vorsichtiger und es besteht die Gefahr, dass wir noch weniger Angebote bekommen.“

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

11.07.2019

Ist ja hübsch wie hier Soziales und Jugend nicht so wichtig sind wie Millionen-brückerl. Ein Projekt dessen Kosten davonrennen mag sterben. Daran Schuld sind aber die, die nicht rechtzeitig die Kontrolle über die Kostenentwicklung gewonnen haben! Wer mag das wohl sein in Landsberg?
Gemeinden mögen nicht bankrott gehen können. Trotzdem ist mit den Geldern verantwortungsvoll umzugehen. Und Fördergelder sind auch Steuergeld und damit kein "vom Himmel gefallenes Geschenk". Erinnert sich noch jeder wie wenig man die Wegeführung auf der Ostseite geplant hat beim Planen des brückerls? Die Kosten sind bei den 8-9 Mio wahrscheinlich noch gar nicht dabei..

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren