1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Löwenzahnwurzel als Kaffeeersatz

Oberbeuern

30.05.2016

Löwenzahnwurzel als Kaffeeersatz

Kräuterpädagogin Gertrud Möstl erklärte die Wirkungsweise von Kräutern und gab Tipps zum Sammeln. 

Gertrud Möstl gibt bei einer Kräuterwanderung Tipps für die Verwendung heimischer Pflanzen.

Brennnesselsamen im Müsli, blaue Blütenbutter, Fichtenspitzen in Schokolade: Gertrud Möstl offerierte etliches Überraschende bei der Kräuterführung am Hofcafé Möstl in Oberbeuern. Bis es soweit war und die 15 Interessierten die dafür benötigten Wildkräuter an ihren natürlichen Standorten sehen und von derlei Köstlichkeiten naschen durften, gab die Kräuterpädagogin Tipps zum Sammeln. Ein guter Kräuterführer sei erforderlich, so Möstl, schon allein um Verwechslungsgefahren mit giftigen Pflanzen auszuschließen.

Wildkräuter können wunderbar in der Küche verwendet werden“, erklärte die Fachfrau, „am besten sind sie frisch.“ Natürlich können sie auch getrocknet werden, zu einem lockeren Bündel gebunden und an einem trockenen, schattigen Platz aufgehängt. Ideal seien mit einem sauberen Tuch ausgelegte, alte Obstkistchen. Begleitet von dumpfem Donnergrollen aus dunklen Wolken durften die Teilnehmer mit Gertrud Möstl anschließend ein paar Schritte auf einem Wegerl durch hohes, blühendes Gras zu einer Fichtenreihe gehen. Hier leuchtete das helle Grün der frischen Triebe an den Bäumen. Dieser sogenannte „Maiwuchs“ sei reich an Vitamin C, verschiedenen Mineralstoffen und ätherischen Ölen. „Die Spitzen eignen sich nicht nur als Badezusatz, sondern geben, in Honig eingelegt, diesem einen kräftigen Geschmack.“ Sie seien auch als Grundlage für Sirup oder für Naschereien geeignet. Im Saum der Fichtenreihe wuchert „eine der ältesten und besten Kräuterpflanzen“: die Brennnessel. Sie enthalte viel Vitamin C sowie Kieselsäure und Eisen und sollte bei Spinatgerichten immer mit dazugemischt sein. Sie sei Heilmittel bei Rheuma und Arthrose, ein aus der Pflanze hergestellter Aufguss helfe bei Problemen der Kopfhaut. Brennnesseljauche als Dünger? „Bitte nur zwei bis vier Tage ansetzen“, empfahl Möstl, „sonst wird die Jauche zu scharf und verbrennt die Pflanzen.“ Delikat seien die getrockneten Samen des Krauts, gut zu verwenden anstelle von Sesam.

Fast ebenso hoch wie die Brennnesseln wucherte hier der gefleckte Schierling. Gertrud Möstl warnte vor dieser hochgiftigen Pflanze, die mit dem Wiesenkerbel verwechselt werden kann. Darunter und in der Wiese jedoch wuchsen weitere Kräuter, die frischen Geschmack und ungewohnt viel Farbe auf den Teller bringen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wegen ihrer gallensaftfördernden Bitterstoffe gefragt sind Löwenzahn und Gundermann. Beide seien Würzkräuter, und im Salat deshalb sparsam zu verwenden. Die Löwenzahnblüten eignen sich für Gelee, früher sei die getrocknete und gemahlene Wurzel auch als Kaffeeersatz verwendet worden. „Mir als Kaffeetrinkerin schmeckt das aber nicht“, meinte Gertrud Möstl schmunzelnd. Der ingwerähnlich schmeckende Gundermann sei wegen seiner kriechenden Weiterverbreitung oft ein Ärgernis im Garten. Wegen seiner bis zu einem Meter langen Triebe mache er aber in Blumenampeln sehr viel her.

Schnelle Hilfe bei Insektenstichen, wenn nichts anderes zur Hand ist, verspricht der Saft aus Spitzwegerichblättern. „Einfach ein Blatt zwischen den Fingern so lange kneten, bis Saft austritt“, empfiehlt die Fachfrau. Die antiseptische Wirkung des Spitzwegerichs entfalte sich auch in selbst gemischten Hustentees. „Oder Sie geben einem Käsesalat mit seinen Blättern einfach eine neue geschmackliche Note.“

Von der gerade weiß blühenden Knoblauchsrauke, die nur aufgrund ihres feinen Dufts so heiße, botanisch aber ein Senfgewächs ist, könne von der Wurzel (wie Meerrettich) bis zu den Samen (als Würze im Salat) alles verwendet werden.

Natürlich ist Gertrud Möstls Hausgarten – wie Führungsteilnehmer feststellen dürfen – ebenfalls voller Kräuter, die auch für die abschließende Brotzeit mit selbst gebackenem Brot und würzigen Beilagen vielseitige Verwendung fanden.

Die nächsten Kräuterführungen sind am 11. Juni und 2. Juli jeweils ab 13.30 Uhr, Saison haben dann andere gesunde Wildkräuter. Teilnehmer erhalten Pflanzenbeschreibungen und Rezepte in schriftlicher Form.

Anmeldungen sind möglich bis zwei Tage vor dem Termin unter 08807/4664.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren