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Landsberg

19.01.2020

Luftakrobatik: Lydia Dittlein stellt die Welt auf den Kopf

Die Landsbergerin Lydia Dittlein erteilt in ihrem „Moving Art Studios“ in Kaufering unter anderem Unterricht im Poledance. Was leicht aussieht, ist eine durchaus sportliche Herausforderung.
Foto: Thorsten Jordan

Plus Poledance sieht leicht aus, ist aber eine sportliche Herausforderung. Die Landsbergerin Lydia Dittlein hat daraus einen Beruf gemacht und betreibt in Kaufering ein Studio für Luftakrobatik.

Nur ein leichtes Zittern am makellos gebräunten Bauch verrät den Kraftakt. Und auch nur, wenn man genau hinschaut. Ansonsten hängt Lydia Dittlein scheinbar mühelos kopfunter, mit nur einem Bein um die Stange geschlungen, in zwei Metern Höhe und posiert mit einem entspannten Lächeln für den Fotografen an „der pole“. Die Inhaberin des „Moving Art Studios“ liebt die Luftakrobatik, zu der auch das Vertikaltuch, der „aerial hoop“, also ein Luftring und das „Hammock“, ein unten geschlossenes Tuch, gehören. Mit fünf Kolleginnen unterrichtet die 31-Jährige im Gewerbegebiet am Kauferinger Bahnhof eine tänzerische, ausdrucksstarke Variante dieses Sports, der sich seit Längerem bemüht, olympische Disziplin zu werden.

„Poledance“, so erläutert Dittlein, ist eine sehr alte Kunst, die in vielen Kulturen seit Urzeiten praktiziert wird. In China war das Turnen an der vertikalen Stange beispielsweise sehr lange den Männern vorbehalten. Auch in Russland ist es bis heute ein ausgesprochener Männersport. Es braucht eben sehr viel Kraft, um sich beispielsweise in der Position „human flag“ mit lediglich den Armen an der Stange horizontal in die Luft zu strecken. Das ist die sportlich-tricklastige Variante, für die es eigene Weltmeisterschaften gibt. Eine andere Entwicklung hat, so Dittlein, das „sexy oder exotic pole“ genommen, das in Nachtclubs oder in der Burlesqueszene mit „sinnlichen, aber niemals anzüglichen“ Anspielungen gespickt sei.

Sie hat Erfolg mit ihrem Konzept

Im Moving Art Studio legt man Wert auf das „contemporary pole“, die eher tänzerisch-ästhetische Luftakrobatik. „Lerne mit uns fliegen“ und „die Welt auf den Kopf stellen“, das sind die Werbesprüche mit denen Lydia Dittlein ihr Kursangebot für Kinder und Erwachsene anpreist. Und sie hat Erfolg mit ihrem Konzept: „Die Nachfrage ist unfassbar groß“, fast alle Kurse seien ausgebucht, lediglich am Vormittag gebe es noch Luft.

Als Hostess beim FC Bayern gejobbt

Dabei fand sie selbst die Stange beim ersten Mal „total furchtbar“. Sport sei schon immer ihres gewesen, sie sei „quasi aus der Gebärmutter direkt in den Sport gerutscht“. Mutter Margit unterrichtete als Yoga- und Fitnesstrainerin und ist mit 60 Jahren noch selbst ins Poledance eingestiegen. Tochter Lydia machte mit 14 die Trainerassistenzausbildung, mit 18 den Übungsleiterschein, gab Fitness- und Pilateskurse, war Lehrerin für Jazz- und Moderndance sowie Hip-Hop. Neben ihrer fünfjährigen Erzieherausbildung, dem anschließenden Bachelor und Master in „Management von Sozial- und Gesundheitsbetrieben“ jobbte die Landsbergerin als Hostess im Eventbereich des FC Bayern oder als Komparsin in diversen Filmstudios.

Beim ersten Mal war sie frustriert

Als sie vor sechs Jahren das erste Mal das Turnen an einer Stange probierte, war sie frustriert. „Ich habe mich für fitter als der Durchschnitt gehalten und habe dennoch gemerkt, dass ich in diesem Bereich wieder bei Null anfangen muss.“ Nie wieder, sagte sie sich nach dem ersten Training und kaufte sich dennoch ein paar Tage später ihre erste eigene Stange, weil es sie „so gewurmt hat“. Etliche Fort- und Weiterbildungen folgten, dann begann sie in Weilheim die ersten eigenen Pole-Kurse in einer Tanzschule zu unterrichten. Die Nachfrage sei enorm gewesen, sodass sich Lydia Dittlein schließlich im Januar 2017 entschloss, ein eigenes Studio in ihrer Heimatstadt Landsberg zu eröffnen.

Lydia Dittlein in ihrem Studio am Bahnhof in Kaufering.
Foto: Thorsten Jordan

„Pole Dance ist einfach ein elegantes und kraftvolles Ganzkörper-Workout“. Neben den klassischen Luftakrobatikgeräten kann man bei ihr auch auf Stühlen tanzen („Chairdance“) oder lernen wie man auf High Heels souverän läuft. Das Programm beinhaltet Showdance genauso wie professionelle Fotoshootings, die Dittleins Lebensgefährte Andreas Liedl im eigenen Studio im Untergeschoss realisiert.

Beim „Badehaus Boudoir“ übernimmt sie eine Hauptrolle

Heute arbeitet die 31-Jährige nur noch Teilzeit in ihrem eigentlichen Beruf als Sozialpädagogin im Jugendamt der Stadt Starnberg und hat in ihrem Studio fünf assoziierte Trainerinnen. Auch für private und öffentliche Auftritte wird ihre kleine Truppe gerne gebucht, gleich ob als Gauklertruppe im kaiserlichen Lager beim Ruethenfest oder als Bühnenprofis auf Festivals oder für Unternehmensevents. Lydia Dittlein liebt die Choreografie sowie Tanz- und Showeinlagen, wie sie bei ihren Auftritten mit dem Projekt Randerscheinungen bewiesen hat. Bei deren Theateraufführung „Badehaus Boudoir“ im Jahr 2017 war Dittlein nicht nur für die tänzerische Choreografie zuständig, sondern hatte gleich auch noch eine der Hauptrollen übernommen. Beim Poledance, so Dittlein, „entdecken nicht wenige die Rampensau in sich“.

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