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Landsberg

27.05.2015

Mann soll 19-Jährige vergewaltigt haben - doch es gibt Zweifel

Ein 22-Jähriger soll eine 19-Jährige vergewaltigt haben. Doch das angebliche Opfer und Zeugen hatten vor Gericht Erinnerungslücken.
Bild: Symbolbild, Anne Wall

Ein 22-Jähriger soll eine 19-jährige Frau vergewaltigt haben. Doch vor Gericht erinnern sich das angebliche Opfer und Zeugen nicht mehr richtig.

Vergewaltigung und vorsätzliche Körperverletzung lastete die Anklageschrift einem 22-Jährigen an. Diese Vorwürfe hielt das Schöffengericht nach der Beweisaufnahme nicht aufrecht. Es hatte zwar erhebliche Zweifel an der Unschuld des jungen Mannes, musste ihn aber nach dem Grundsatz „In dubio pro reo“ (Im Zweifel für den Angeklagten) freisprechen.

Bei der Aufklärung der Straftat setzten Gericht und Staatsanwaltschaft auf die Aussagen der 19-jährigen Geschädigten. Doch sie wurden enttäuscht: „Die Hauptbelastungszeugin hat in der Hauptverhandlung keine einzige in sich schlüssige Aussage zum Kerngeschehen gemacht“, stellte Staatsanwältin Claudia Scherle fest. Bei der Vernehmung durch die Polizei soll dies anders gewesen sein, wunderte sich Schöffenrichter Alexander Kessler.

Die 19-Jährige trat vor Gericht in Doppelfunktion als Nebenklägerin und Zeugin auf. Nach ihrer Version, der vom Angeklagten großteils widersprochen wurde, soll er im Mai 2014 spätnachts in ihre Wohnung gekommen sein. Dies war kurzfristig telefonisch vereinbart worden. Angeblich wollte er sich über Tattoos und vergangene Zeiten unterhalten. Auch Sex wäre in dieser Nacht in seinem Sinn gewesen, räumte der Mann vor Gericht ein.

Tatverdächtiger soll die 19-Jährige in das Schlafzimmer gedrängt haben

Zunächst saßen er und sie auf der Couch und redeten. Zwischen ihnen lag das Baby der Frau. Der 22-Jährige soll immer näher herangerückt sein und versucht haben, die Frau zu küssen. Sie will den Kopf zur Seite gedreht und ihm gesagt haben, dass sie das nicht wolle. Er habe daraufhin von ihr abgelassen und wollte mit seinem Pkw heimfahren, kam aber postwendend zurück. Er soll sie, so die 19-Jährige, in das Schlafzimmer gedrängt und sich auf sie gesetzt haben.

Dem Vernehmen nach soll wieder heftig geküsst worden sein. So heftig, dass die Frau einen blutenden Biss an der Unterlippe erlitt. Der Mann soll dann die Frau gegen ihren Willen am ganzen Körper betatscht und befingert haben, auch im Schambereich.

Während er sie mit einer Hand am Kopf festhielt, soll er mit der anderen Hand eine Geldbörse aus der Hosentasche gezogen und daraus ein Kondom entnommen haben. Diese Gelegenheit will die Frau genutzt haben, um den 22-Jährigen wegzuschubsen und ihn zur Tür hinauszudrängen. So soll die „Geschädigte“ den Sachverhalt bei der Polizei geschildert haben.

Zeugin erinnert sich nicht mehr

Vor Gericht wollte sie sich an das „Kerngeschehen“ nicht mehr erinnern. Auch eine Reihe von Zeugen brachte das Gericht bei der Wahrheitsfindung nicht weiter. Lediglich die Polizeibeamtin, die in der Sache ermittelte, wurde konkret: „Es hat kein Geschlechtsverkehr stattgefunden“, sagte sie. Und die Geschädigte habe ihr kein Wort gesagt, dass der 22-Jährige die Wohnung verlassen und dorthin zurückgekehrt sei. Alle Beteiligten fragten sich, warum ihn die Frau nicht ausgesperrt habe. Eine Antwort bekamen sie nicht.

Ihr damaliger Freund, den sie ein paar Tage nach dem Vorfall heiratete, gab in der Tatnacht im Mai 2014 seinen Junggesellenabschied mit einigen Freunden. Nach dem „Vorglühen“ zu Hause amüsierten sie sich in Augsburg. Zu dieser Gruppe gehörte der 22-Jährige, der noch in der Nacht einen Abstecher zu der 19-Jährigen machte. Für ihn beantragte die Staatsanwältin Freispruch, „da Aussage gegen Aussage“ stehe.

„Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte“, so Rechtsanwalt Felix Bredschneijder, Vertreter der Nebenklage. Er plädierte für ein „angemessenes Strafmaß“. „So richtig Sinn machen die Aussagen der Frau nicht“, stellte Rechtsanwältin Dr. Silke Ackermann fest. Für ihren Mandanten forderte sie Freispruch.

„Für das Schöffengericht bleiben erhebliche Zweifel an den Aussagen der Frau“, stellte Richter Kessler fest und verkündete Freispruch.

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