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Landsberg

09.11.2019

Mauerfall: Als der erste Trabi an der Saarburgkaserne ankam

Der erste Trabant, der am 9. November 1989 an der Saarburgkaserne in Landsberg ankam, und die Fahrzeuge der DDR-Bürger in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Saarburgkaserne.
Bild: Ernst Adolf/BRK (Archiv)

Plus Als die Mauer vor 30 Jahren fiel, wurden 225 DDR-Flüchtlinge in einer der früheren Landsberger Kasernen untergebracht. Der Abend ihrer Ankunft war dramatisch.

In Berlin feiert heute eine ganze Stadt. Mit einer Festwoche erinnert man sich an den Mauerfall vor 30 Jahren. Und auch in Landsberg kamen vor 30 Jahren die ersten Ausreisenden an. Das LT blickt zurück auf die Geschichte, als der erste „Trabi“ vor der Schranke der Landsberger Saarburgkaserne vorfuhr.

Die DDR-Bürger, die am Abend des 9. November 1989 in Landsberg ankamen, fühlten sich jedoch noch als Flüchtlinge, die sie seit der berühmten Pressekonferenz mit Günter Schabowski eigentlich nicht mehr waren. 225 Kinder, Frauen und Männer wurden in den folgenden Wochen im Aufnahmelager in der Saarburgkaserne von Mitarbeitern des Roten Kreuzes und Soldaten des Flugkörpergeschwaders 1 betreut. Für die meisten war das Gebäude 37 gegenüber des Offizierskasinos jedoch nur eine Durchgangsstation.

Es war die letzte Ausreisewelle, die in der Nacht von Donnerstag auf Freitag DDR-Bürger aus Prag nach Landsberg brachte. Kurz vor 21 Uhr waren die Ersten da. In den Tagen und Stunden zuvor hatten sich die Kasernenräume in ein Notaufnahmelager verwandelt. Anton Huber, damals der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes Landsberg, sagte in einem Interview mit dem LT: Zwei Tage zuvor hatte er mitgeteilt bekommen, dass die Flüchtlinge am 9. November an den Lech kommen. Es galt, innerhalb von 48 Stunden die Voraussetzungen für deren Unterbringung zu schaffen.

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Der erste Trabant, der am 9. November 1989 an der Saarburgkaserne in Landsberg ankam, und die Fahrzeuge der DDR-Bürger in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Saarburgkaserne.

Vom 9. auf den 10. November hatte die Küche der Kaserne die ganze Nacht geöffnet. Nach und nach kamen die Flüchtlinge an, die letzten am Freitagnachmittag. Mitarbeiter des Roten Kreuzes registrierten am Freitag die einzelnen Personen. Die ausgefüllten Karteikarten lagern immer noch im Archiv. In den folgenden Tagen quartierten sich Mitarbeiter des Einwohnermeldeamtes und des Arbeitsamtes im Gebäude ein.

Jeder durfte kostenlos telefonieren

In der ersten Nacht spielten sich teilweise dramatische Szenen ab. Viele der Ankömmlinge trauten den Nachrichten aus Berlin nicht. Sie hatten die Ausreise in die Tschechoslowakei hinter sich und tagelang in Prag ausgeharrt. Dass nun jeder DDR-Bürger ohne Probleme über die Grenze in den Westen gelangen konnte, wollten sie nicht glauben. „Viele hatten Angst, dass die Grenzen wieder geschlossen werden“, sagte Anton Huber in einem LT-Interview.

Für die Übersiedler war im Gebäude 37 ein Telefon eingerichtet worden. Es konnte kostenlos telefoniert werden. Die Finanzierung sei von der Bundesregierung zugesichert worden, hieß es damals. Vor dem Telefon bildeten sich lange Schlangen. Die Männer und Frauen berichteten ihren Angehörigen teilweise unter Tränen, wie es ihnen ergangen war. Einige hatten offenbar Angst davor, von der Staatssicherheit abgehört zu werden. „Deshalb haben einige versucht, in einer Art Geheimsprache zu sprechen“, sagte Anton Huber.

Als Erstes ging es in den Supermarkt

Die ersten Tage in Landsberg fühlten sich die DDR-Bürger wie in einer anderen Welt. Nachdem die Neuankömmlinge ihr Begrüßungsgeld ausgezahlt bekommen hatten, gingen viele zum Einkaufen in einen benachbarten Supermarkt.

Schon am Samstag erreichten die ersten frei reisenden Besucher aus der DDR Landsberg. Erst jetzt glaubten viele der in der Saarburgkaserne wartenden Übersiedler, dass die Grenze tatsächlich offen ist. Für viele war Landsberg nur eine Station auf dem Weg in ein neues Leben.

Schon nach wenigen Tagen bewarben sich Männer und Frauen um eine Arbeitsstelle. Kontakte mit Verwandten und Bekannten wurden genutzt. Dennoch mussten sich jene, die etwas länger in der Kaserne blieben, organisieren. Eine Frau mit „Berliner Schnauze“ wurde zur „Bürgermeisterin“ gewählt.

Für viele DDR-Familien fanden sich Paten

Schon wenige Tage nach dem 9. November waren nur noch knapp über 100 Personen im Notaufnahmelager. Kurz vor Weihnachten siedelten 60 DDR-Bürger in ein Gebäude vor dem Kasernenzaun um. Einige Familien hatten zu diesem Zeitpunkt auch schon Wohnungen in Aussicht. Mittlerweile hatte auch die Mehrzahl der Arbeitsuchenden eine Stelle in der Umgebung gefunden.

Über zwei Drittel der Kinder besuchte eine Schule in Landsberg. Für jede Familie hatten sich Paten zur Verfügung gestellt. Damit sollte den neuen Bürgern die Integration vereinfacht werden. Es wurden Stadtführungen und Behördengänge in Begleitung organisiert.

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