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Gedenktag

03.05.2019

Mit Blick auf die zweite Generation

Michael Shubitz berichtete im Landratsamt, wie er seine Familiengeschichte erforschte.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die Redner appellieren, die Erinnerung an den Holocaust weiterzutragen

Die jährliche Gedenkwoche des Vereins Gedenken in Kaufering rund um den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau und seiner Außenlager, mit Gästen aus Israel, Gesprächsrunden, Ausflügen und viel Erinnerungsarbeit ist längst etabliert und Tradition. Heuer solle, wie Vereinsvorsitzender Tyll-Patrick Albrecht im Vorfeld erklärt hatte, der Blick auf die zweite Generation, die ersten Nachfahren der weniger werdenden Zeitzeugen gerichtet werden. Als sehr wichtig werde auch die Einbindung der Jugend, der Austausch mit Nachkommen von Holocaust-Überlebenden angesehen. Das wurde beim Eröffnungsabend mit Ansprachen, Büfett und vielen Gesprächen im Sitzungssaal des Landratsamts deutlich, an dem viele Jugendliche aus beiden Ländern teilnahmen.

Nach der Begrüßung durch Tyll-Patrick Albrecht und seinem Dank an die Unterstützer der Gedenkwoche lobte die stellvertretende Landrätin Ulla Kurz die Erinnerungsarbeit des Vereins. Der Landkreis unterstütze diese gern, weil sie gerade hier, in der Stadt der Festungshaft Hitlers, mit Aufmärschen der Hitlerjugend am Hauptplatz und später den vielen Arbeitslagern des KZ Dachau von besonderer Bedeutung sei. Wichtig sei jetzt der Austausch mit der dritten und vierten Generation und die Pflege der jüdisch-deutschen Freundschaft, die vielen Menschen zu verdanken sei.

Die Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel stellte den Aufruf „Nie wieder!“ in den Mittelpunkt ihrer Ansprache und ging dabei zurück bis zur Entstehung der heute selbstverständlichen Erinnerungskultur. Noch in den 1970er-Jahren sei bei Fragen nach den Jahren der NS-Herrschaft abgewiegelt und verschwiegen worden, so Triebel. Selbst nach der amerikanischen Fernsehserie „Holocaust“ im Jahr 1979 mit der Veröffentlichung von Bildern der Gräuel habe sie noch ewig Gestrige erlebt, die die Shoa leugneten, für die „alles, inklusive Auschwitz, nur Fake“ war. Und auch heute seien die Zeiten nicht einfach. Die Gesellschaft rücke nach rechts, von Teilen der Bevölkerung werde sogar das „Nie wieder!“ aufgekündigt. Umso wichtiger sei es, die Erinnerung wachzuhalten und wachsam zu sein. Es reiche eben nicht, wie bereits gefordert wird, im Gegenteil. Triebel forderte auch einen kritischen Blick auf die Schulbildung zu diesem Thema. „Schließlich sind wir, sind unsere Nachkommen verantwortlich dafür, dass es nicht wieder passiert.“

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Als Vertreter der zweiten Generation berichtete Michael Shubitz, Kameramann für den BR in Tel Aviv, davon wie er begann, die Geschichte seiner Eltern und Großeltern zu erforschen. Er sei in Israel geboren, seine Eltern seien früh verstorben. Die Familie stammte aus einem Dorf in Litauen, der Vater sei in Kaunas berufstätig gewesen. Dort sei die Familie im Getto untergebracht worden. Der Großvater sei ins Dorf zurück und dort ermordet worden. Großmutter und Mutter haben dank der Hilfe guter Menschen im Wald überlebt. „Je mehr ich über meine Geschichte lerne“, so Shubitz, „desto weniger verstehe ich: Wie konnten wir so aufwachsen? Die Eltern haben uns mit der Geschichte verschont. Das ist einerseits verständlich, andererseits war ich empört.“ Das Wissen über die Vergangenheit sei wichtig. „Wir müssen warnen vor aufkommendem Antisemitismus, vor Fremdenhass und Nationalismus. Wir müssen mahnen nicht nachzulassen in Toleranz und Liebe.“

Nach einem Bericht von Stephan Albrecht über den ersten Jugendaustausch mit „wunderbaren Begegnungen und Erlebnissen in Israel“ wurde der Film „Weiter erzählen“ gezeigt. Der Berliner Kameramann Johannes Wißmann hatte ihn im Auftrag der Stiftung „Erinnerung Verantwortung Zukunft“ gedreht und dafür die Erinnerungsarbeit im ehemaligen KZ Neuengamme bei Hamburg und in Kaufering dokumentiert.

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