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27.09.2010

Mit Motorsäge und Flammenwerfer

Mit Motorsäge und Flammenwerfer
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Mit Motorsäge und Flammenwerfer

Landsberg Andreas Kuhnlein ist ein Preisträger, der dem Publikum gefiel. Künstlerisch begeistert er mit seinen außergewöhnlichen Figuren, die einzigartig in ihrer Bearbeitung sind, menschlich durch sein sympathisches und bescheidenes Auftreten. Kuhnlein konnte es kaum fassen, als er den Ellinor Holland Kunstpreis überreicht bekam und rührte mit seiner Rede das Publikum im Theatersaal in Landsberg.

Kuhnlein, dessen Werke gerade im Landsberger Stadtmuseum und im Kloster St. Ottilien zu sehen sind, ist ein freischaffender deutscher Bildhauer.

Geboren und aufgewachsen ist Kuhnlein auf einem Bauernhof in Unterwössen im Chiemgau, wo er heute noch lebt. Er absolvierte eine Schreinerlehre und ging nach den Gesellenjahren zum Bundesgrenzschutz. Hier war er in den 70er Jahren in der Terrorbekämpfung eingesetzt. Auch an der Grenze zur ehemaligen DDR war Kuhnlein auf Streife unterwegs, erfährt man aus seinem Lebenslauf. 1981 schied er aus dem Dienst aus, übernahm die Landwirtschaft seiner Tante und arbeitete im Nebenerwerb in einem Schreinerbetrieb.

Baumstämme erwachen zu neuem Leben

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"In diesem Lebensabschnitt kam ich zur Kunst", sagt er. Kuhnlein begann zu schnitzen und entdeckte sein Gefühl für Proportionen. 1983 machte er sich als Schnitzer selbstständig und ist seit 1990 freischaffender Bildhauer. Bis heute hatte er weit über hundert Einzelausstellungen und mehr als hundert Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland. Kuhnleins Werke sind sehr persönlich, jeder Baum wird durch ihn zu etwas Besonderem, bekommt neues Leben. Werkzeuge wie Motorsäge, Flammenwerfer oder Schweißgerät braucht er für seine Arbeit, mit der er seine außerordentlichen, nicht kopierbaren Figuren schafft. Jedes Werk ist ein Unikat und drückt nicht nur Kuhnleins Inneres aus, sondern ist zudem ein Spiegelbild der Gesellschaft.

So findet der Betrachter in den zerklüfteten Holzskulpturen sich selbst wieder, und zwar ganzheitlich mit allen Schmerzen, Freuden, Hoffnungen, Gebrochenheiten, offenen Fragen und versteckten Botschaften. Die Methode, Holzstämme mit der Motorsäge zu bearbeiten, ist vielseitig einsetzbar. Die Einzigartigkeit von Kuhnleins Skulpturen zeichnet sich im Besonderen durch die zerklüfteten Oberflächen aus. Kuhnlein liebt das Gespräch mit den Besuchern seiner Ausstellungen. Vor allem Kinder seien ein wunderbares Publikum, sagt er im Gespräch mit dem LT und erzählt von der Begegnung mit einem kleinen Jungen. Er sei um die vier Jahre alt gewesen sein und kam mit seinem Großvater. Kuhnlein hörte, wie er zum Großvater sagte: "Sag mal Opa, woher weiß der Mann denn, welche Figur in diesem Baum gesteckt hat?" Das sei ein wichtiges Erlebnis für ihn gewesen sein, denn so auf den Punkt könne das nur ein Kind bringen. "Seitdem gehe ich ganz anders in den Wald, denn was das Kind gesagt hat, stimmt hundertprozentig."

Kuhnlein bekam 2009 den Oberbayerischen Kulturpreis. Zahlreiche Skulpturen von ihm befinden sich im öffentlichen Raum, zum Beispiel im Bayerischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Berliner Stadtmuseum, der Dresdner Kathedrale, am Flughafen München. Er hatte 2005 eine Professur an der Kunstakademie in Luoyang in China.

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