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Schondorf

01.01.2019

Mit viel Pulverdampf ins neue Jahr

Mit Böllern und Kanonen wurde in Schondorf lautstark das Jahr 2019 begrüßt. Die örtliche Reservistenkameradschaft veranstaltete das Schießen bereits zum 13. Mal.
Bild: Thorsten Jordan

In Schondorf geht es nicht nur in der Neujahrsnacht laut zu, sondern auch am Neujahrsnachmittag. Dabei kracht es so sehr, dass sich die Zuschauer in der Seeanlage lieber die Ohren zuhalten.

Es ist mittlerweile Tradition geworden: das Neujahrsschießen in den Schondorfer Seeanlagen. Seit 13 Jahren veranstaltet die Krieger-, Soldaten- und Reservistenkameradschaft (KSR) schon das Schießen am 1. Januar. Auch heuer waren wieder Böllerschützen und Kanoniere aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus dabei, darunter Abordnungen aus Dießen, Eching, Mammendorf und Deisenhofen.

Einen optischen und akustischen Eindruck liefert unser Video:

Neujahrsanschießen in den Schondorfer Seeanlagen
Video: Thorsten Jordan

In einem Krieg wurde keines der Geschütze eingesetzt

In ihren prächtigen Uniformen und Trachten bringen die Schützen und Ladeschützen, erstere sind für das Abfeuern zuständig, die anderen für das Laden, ihre großen und kleinen Kanonen am Ufer des Ammersees in Stellung. Auch wenn die unterschiedlichen Modelle, darunter auch Eigenbau, teilweise über 100 Jahre auf dem Buckel haben, sehen sie dank penibler Pflege aus wie neu. Und das wäre auch durchaus möglich: Auch heutzutage werden noch Kanonen gebaut, erzählt der Vorsitzende der KSR Schondorf, Bernhard Bienek. Keines der Geschütze sei jedoch im Krieg eingesetzt worden. Geladen werden die Kanonenrohre mit Kork – so sind sie ein reines „Lärmgerät“, erklärt Bienek. Auch dabei heuer: ein Standböller mit einem Rohrdurchmesser von acht Zentimetern und 380 Gramm Schießpulver. Die anderen Kanonen haben einen Durchmesser von bis zu sechs Zentimeter. Je größer der Durchmesser, desto mehr Pulver kann geladen werden. Beim Standböller sind deshalb auch 15 Meter Sicherheitsabstand nötig.

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Thomas Betz gibt das Kommando

Vor dem Schießen „vergattert“, also belehrt Schussmeister Thomas Betz die Schützen und Kanoniere und fragt nach ihrem Böllerschein. Zudem müssen die Schützen Nachweise darüber mitführen, dass ihre Kanonen vor nicht länger als fünf Jahren vom Beschussamt überprüft wurden – Sicherheit wird beim Neujahresschießen großgeschrieben. Außerdem achtet Betz auf weitere Vorschriften, wie zum Beispiel auf den Abstand zwischen den Rohren: Mindestens zehn Meter sind vorgeschrieben.

Und dann geht es los: Auf Betz’ Kommando beginnen die Kanoniere mit den Schussreihen. Zuerst in der langsamen, dann in der schnellen Reihe schießen die Kanonen mit einem Knall, der lauter als ein Donner zu sein scheint, Feuer und Rauch auf den See hinaus. Der Rückstoß schiebt die Kanonen ein paar Meter zurück. Die gut 200 Zuschauer in der Seeanlage staunen nicht schlecht und halten sich die Ohren zu. Dann übernehmen die Schützen der Hand- und Schaftböller, die akkurat nebeneinander stehen. Auf Betz’ Kommando laden sie, legen an und feuern in den Himmel über Schondorf.

Nach einer guten Dreiviertelstunde ist das Spektakel auch schon wieder vorbei. Der Rauch verzieht sich langsam über den Ammersee und nun dürften die Geister des alten Jahres wohl endgültig vertrieben sein.

Neujahrsanschießen in den Schondorfer Seeanlagen
Video: Thorsten Jordan
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