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Kulturtage

27.03.2019

Mut: Einfach an der Tür klingeln

Bildhauerin Cornelia Rapp und ihr Projekt. Sie befragt in ihrem Wohnort Denklingen Menschen zum Motto der Kreiskulturtage „Mut“. Die Ergebnisse wird sie in Audio- und Video-Installationen in einem ehemaligen Kuhstall präsentieren.
Bild: Martell

Künstlerin Cornelia Rapp befragt Menschen in Denklingen. Eine Herausforderung, wie sie bei ihrer Arbeit bald feststellte. Was die Kulturtage bieten

Das hätte sie sich eigentlich leichter vorgestellt. Seit Jahresbeginn konfrontiert Cornelia Rapp in ihrem Wohnort Denklingen Menschen mit der Frage: „Was ist für dich/Sie Mut?“ Fast 90 Interviews hat sie schon geführt, meist an Samstagen. 150 sollen es noch werden. Ursprünglich hatte sie etwa 300 angepeilt. Die Aussagen nimmt sie tontechnisch auf. Als Raum- und Videoinstallation will sie sie zu den diesjährigen Kreiskulturtagen im Landkreis Landsberg im Mai in einem ehemaligen Kuhstall anonym präsentieren.

Ihre Arbeit, die das Motto der Kreiskulturtage aufgreift, versteht Rapp als soziales Kunstprojekt, das eine Verbindung zwischen den Menschen schafft. „Ich hätte nicht gedacht, dass dies so aufwendig wird. Mut bedeutet für mich, an der Tür der Menschen zu klingeln, mich zu erklären und dann hineinzubegeben“, erläutert Rapp. Oft führe sie vorab lange Gespräche. Doch wenn es dann zum Thema Mut komme, würden viele sehr einsilbig sein. „Deutlich mehr gesagt bekomme ich, wenn es mir gelingt, eine Vertrauensbasis aufzubauen.“ Das habe meist am besten funktioniert, wenn sie in die Häuser oder Wohnungen hineingebeten wurde. Auch auf der Straße habe sie Befragungen gestartet. Dort war es allerdings viel schwieriger. Dennoch hatte sie bei den Interviews überwiegend sehr schöne und positive Erlebnisse.

Besonderen Herausforderungen hat sich Cornelia Rapp als Künstlerin schon immer gestellt. Derzeit arbeitet sie an der Neugestaltung des Kriegerdenkmals im schwäbischen Gundelfingen. Zusammen mit terra nova, dem Müncher Büro für Landschaftsarchitektur und Stadtplanung hatte sie 2017 den Wettbewerb gewonnen. Die Anlage von 1938 liegt auf der Bleiche-Insel, inmitten der Brenz, und soll zu einem Friedensmal umgestaltet werden. An die Rückseite grenzt ein großer Park. Rapp geht es nun darum, das alte Gebäude zum Park hin aufzubrechen und eine gewisse Transparenz herzustellen. Sakrale und profane Raumgestaltung gehört schon seit Jahren zu den Arbeitsschwerpunkten von Cornelia Rapp, die sich in Denklingen ein Atelier mit ihrem Mann, dem Bildhauer Josef Lang, teilt. „Ich merke, dass es zunehmend mein Anliegen ist, Orte mit zweifelhafter Vergangenheit in gewisser Hinsicht zu befrieden.“

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Mit ihrer Arbeit will sie neue Impulse setzen, über das Erinnern noch einmal nachzudenken. 2005 hatte Rapp sich erstmals in größerem Umfang mit so einem sperrigen Thema befasst. Aus Anlass des 60. Jahrestages der Befreiung der elf Außenstellen des KZ Dachau in Landsberg-Kaufering realisierte sie in der Halle einer ehemaligen Munitionsfabrik im Frauenwald ihr Kunstprojekt „Transmitting light“ mit Licht und Rosen. Durch die gekrümmte Halle zog sich damals auf 26 Metern Länge ein Teppich aus 30000 Rosenblüten. Sie erinnerten an die 30000 in den Kauferinger Lagern inhaftierten Häftlinge. Schon früh war Cornelia Rapp klar, dass sie einen künstlerischen Beruf ergreifen und auf diese Weise ihrem inneren Kern Ausdruck verleihen wollte. Ihre Kindheit erlebte die gebürtige Berlinerin auf einem Einödhof im Allgäu. Dort waren ihr die Natur und ihre Fantasie die wichtigsten Kraftquellen.

Auf die Schnitzschule in Garmisch folgte ein Bildhauerstudium an der Münchener Akademie der Bildenden Künste mit Schwerpunkt Kunst am Bau und Platzgestaltung. Im Studium arbeitete sie mit Stein, Holz und Metall, später als Bildhauerin konzentrierte sie sich auf das Material Holz, das sie auch mit der Kettensäge bearbeitete. Am Anfang schuf sie noch Figuren, doch sehr schnell ging es in die Abstraktion. Mit ihren Werken präsentierte sich Rapp auf zahlreichen Ausstellungen und gewann viele Wettbewerbe, vor allem im süddeutschen Raum. (lt)

Cornelia Rapp: Mut“-Interviews in Denklingen, Vernissage 16. Mai, 19 Uhr. 18. 19. 25. und 26. Mai; jeweils 15 bis 19 Uhr. Altes Stallgebäude, Buchweg 3.

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