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Interview

19.01.2019

„Mut ist eine zentrale Säule meines Daseins“

Konstantin Wecker kommt mit seinem aktuellen Programm „Solo zu zweit“ zu den Kreiskulturtagen im Mai.
Bild: Marcus Merk

Konstantin Wecker gibt bei den Kreiskulturtagen im Mai ein Konzert in Hurlach. Als politischer Poet will er die größte Errungenschaft des Menschen bewahren

Konstantin Wecker mag mittlerweile 71 Lenze zählen. Doch dermaßen energiegeladen, wütend und emotional wie 2018 wirkte er selten zuvor. Das wird der Öffentlichkeit schon durch den Titel des aktuellen Albums des „bayerischen Berserkers“ (Kieler Nachrichten) signalisiert: „Sage Nein!“, mit dickem Ausrufezeichen dahinter. LT-Mitarbeiter Michael Fuchs-Gamböck sprach mit dem Musiker. Wecker wird bei den Kreiskulturtagen im Landkreis auftreten.

Wann stand fest, dass Sie diese CD machen werden?

Der Entschluss ist vor einiger Zeit gefällt worden. Ich bin mit meinem musikalischen Langzeit-Kompagnon, dem Pianisten, Keyboarder und Percussionisten Jo Barnikel, das Live-Programm für die nächsten Shows durchgegangen. Wir haben beschlossen, kurzfristig etwas daran ändern zu wollen, es musste aufgrund einiger aktueller Tagesereignisse politischer ausfallen. Ich beobachte seit einiger Zeit mit Schrecken, wie brandgefährlich der Neo-Faschismus ist, der in Deutschland gerade wieder aufflackert. Das gab den Ausschlag für die Scheibe.

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Wie kam es zur Auswahl der Lieder?

Sie sollten ins Zeitbild passen. Das so Interessante wie eigentlich Schreckliche ist, dass nur sieben der Stücke neuen Datums sind, die anderen neun sind bis zu 40 Jahre alt. Und haben von ihrer Brisanz und ihren Realitäten leider nichts verloren.

Warum haben Sie den gehassliebten „Willy“ neu aufleben lassen?

In den 80ern wollte ich dieses Lied nicht mehr spielen, weil ich zu sehr damit identifiziert worden bin. Aber heute ist dieser Querkopf aktueller denn je. Er war und ist ein sehr politisch denkender und handelnder Mensch. Dabei wollte ich eigentlich in meinen Anfangstagen ein Poet sein. Doch das lassen die gesellschaftlichen Umstände nicht zu. Heutzutage bin ich ein „politischer Poet“.

Warum ist Ihr neues Werk sehr eindeutig mit „Sage Nein!“ betitelt?

Weil es ein unmissverständliches Bekenntnis zum Anti-Faschismus ist. Ich beziehe ganz konkret Stellung. Stellung gegen die alte wie die neue braune Brut.

Das klingt wütend – obwohl zumindest ich persönlich das Gefühl habe, die meisten Kompositionen sollen Mut verbreiten …

Das sollen sie unbedingt! Trotzdem müssen auch die zornigen Songs stattfinden. So etwas wie im Dritten Reich darf nie mehr vorkommen. Die AfD tut allerdings etwas für dessen Renaissance. Die schürt Verunsicherung. Das ist der Nährboden für den zukünftigen Faschismus. Dem muss ich als Künstler mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenwirken. In meiner Arbeit steht Naivität gegen Vernunft. Ich bin wohl radikaler als je zuvor beim Schreiben, lasse mir von niemandem mehr irgendetwas vorschreiben.

Inwieweit vereinen sich die alten mit den neuen Liedern auf „Sage Nein!“? Die Grundidee dahinter ist dieselbe: Es geht um Menschlichkeit. Für mich die höchste Errungenschaft des Homo sapiens ist Empathie. Dem entgegen steht widerwärtiger, anti-humaner Populismus. Und dem wiederum entgegen stehe ich.

Wie kam es zur Kooperation mit A.I.D.A.?

Mein älterer Sohn, er ist mittlerweile 19 und politisch äußerst interessiert, meinte eines Tages zu mir: „Mach was mit denen, die sind sehr engagiert in anti-rassistischer Arbeit.“ Und in der Tat ist es ein wichtiges Zentrum, das nichtstaatlich seit 1990 Aktivitäten der extremen Rechten in Deutschland sammelt. Es setzt sich unter anderem auch für journalistische Meinungsfreiheit ein. Solche Leute unterstütze ich gerne.

Sie sind in den nächsten Monaten wieder eine kleine Ewigkeit live unterwegs. Was ist zu erwarten?

Los geht es mit der 2018-Version vom „Willy“. Die ist ein Bekenntnis zur „unbedingten Willkommenskultur“. Darauf folgt das Stück „Den Parolen keine Chance“. Im Anschluss verspreche ich dem Publikum einen unvergesslichen und langen Abend. Während dem ich versuchen werde, Poesie und Widerstand so gut als möglich zusammenzubringen.

Am 18. Mai werden Sie im Rahmen der „Landsberger Kreiskulturtage“ in der „Sport- und Kulturhalle Hurlach“ zusammen mit Jo Barnikel ein „Solo zu zweit“-Konzert absolvieren. Was verbindet Sie mit dieser Veranstaltungsreihe?

Ich finde es prinzipiell großartig, dass in einem relativ überschaubaren Ort regelmäßig „Kulturtage“ stattfinden. Damit die Menschen geballt an Kunst verschiedener Couleur herangeführt werden. So eine Institution unterstütze ich liebend gerne.

Das Motto der „Kreiskulturtage“ 2019 lautet schlicht „Mut“. Wie definieren Sie persönlich diesen Begriff?

Mut ist eine der zentralen Säulen meines Daseins. Auch wenn die Zeiten immer noch unwirtlicher, unüberschaubarer und unfreundlicher werden – der Mutige verweigert sich dieser Entwicklung konsequent, bleibt empathisch, friedvoll. Er geht seinen ureigenen Weg. Und den zum Wohle des Humanismus.

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