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Landsberg

17.07.2019

Nach Angriff mit Samurai-Schwert: Mann muss auf unbestimmte Zeit in Klinik

Im November 2018 hat ein Mann in Landsberger mehrere Menschen mit einem Samurai-Schwert angegriffen und verletzt. Jetzt wurde gegen ihn vor dem Landgericht Augsburg verhandelt.
Bild: Nicolas Armer/dpa (Symbolbild)

Die Attacke erinnert an einen Horrorfilm: In Landsberg greift ein Drogenabhängiger mehrere Menschen mit einem Schwert an. Zu welchem Urteil das Gericht kommt.

Keine Bestrafung, weil er schuldunfähig ist, stattdessen eine zeitlich unbefristete Einweisung in eine Entziehungsanstalt: Dieses Urteil bekam jetzt ein 29-jähriger Mann aus Augsburg vor dem Landgericht verkündet, der im November 2018 unter Drogeneinfluss zwei Menschen in einer Landsberger Wohnung mit einem Samurai-Schwert verletzt hatte.

Die Mahnung von Gerichtspsychiater Dr. Oliver Kistner war deutlich: Sollte der Angeklagte weiter wie bisher Drogen konsumieren, könnten sich Taten wie jene jederzeit wiederholen. Und sollte er infolge erfolglosen Drogenentzugs eine Psychose entwickeln, dann könnte es mit einem Leben in Freiheit für ihn vorbei sein, so Richterin Susanne Scheiwiller. Sie folgte in ihrem Urteil dem Gutachten von Dr. Kistner, der zur Anwendung von „Paragraf 64 Strafgesetzbuch“ zu dieser Form der Unterbringung geraten hatte. Auch Staatsanwalt Konstantin Huber und Verteidigerin Nicole Lehmbruck hatten sich in ihren Plädoyers für diese Maßnahme ausgesprochen.

Der Angeklagte legt ein Geständnis ab

Vorangegangen war ein Geständnis des Angeklagten via Verteidiger-Erklärung. Zwar könne er sich wegen seines vorangegangenen Alkohol- und Drogenkonsums nur mehr lückenhaft erinnern, gleichwohl könne alles so gewesen sein, wie es die Geschädigten und Zeugen geschildert hatten.

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Und das klang auch in der Anklageschrift so: Einige Tage vor der Tat war der Angeklagte – gerade aus dem Gefängnis entlassen – aus der Unterkunft bei der Strafentlassenen-Beratung der Augsburger Diakonie geflogen, weil es Ärger gegeben hatte. Folglich fragte er bei einem langjährigen Freund in Landsberg nach, ob er ein paar Tage bei dessen Familie unterkommen könne, weil diese einen guten Einfluss auf ihn hätte. Ja, sie habe bemerkt, dass der 29-Jährige auch hier Alkohol und Drogen zu sich nahm, so die 27-jährige Hausfrau und Geschädigte. Dann, am 9. November, die verhängnisvolle Nacht: Zusätzlich zum Ehepaar mit dessen siebenjähriger Tochter und dem Angeklagten war ein 27-jähriger Freund der Familie, ein Metallbauer, zu Besuch. Es wurden auch Alkohol und Drogen konsumiert, offenbar nicht nur vom Angeklagten. Dieser habe bereits im Laufe des Abends immer wieder unverständliche Selbstgespräche geführt, Dämonen seien darin aufgetaucht, weiße und schwarze Engel.

Der Mann hat einen Drogen-Cocktail im Blut

„Suspekt“ nannte das der 27-Jährige, der den Angeklagten bis dato nicht kannte. Als Vater und Mutter in der Sorge um die erkrankte Tochter zu streiten begannen, rastete der Angeklagte aus. Zunächst griff er in der Küche den Metallbauer mit einem Staubsaugerrohr an. Dann schnappte er sich aus einem Dielenschrank ein 88 Zentimeter langes Samurai-Schwert, ein Erbstück der Familie. Damit wollte er den Metallbauer im Brust- und Bauchbereich verletzen, was dieser durch Reflexbewegungen verhindern konnte. Dennoch erlitt der 27-Jährige eine schwere Schnittverletzung am linken Daumen und eine Stichverletzung am rechten Unterarm.

Gemeinsam versuchten sich die Familie und der Freund vor dem mit dem Schwert herumfuchtelnden Angreifer in Sicherheit zu bringen. Man verschanzte sich im Wohnzimmer und rief die Polizei. Vermutlich dabei traf das Schwert die 27-jährige Hausfrau, deren Schnittwunde am Oberschenkel im Krankenhaus genäht wurde. Nach geraumer Zeit habe der Angeklagte abgelassen, nicht ohne sich, wie später Spurengutachten verdeutlichten, in der Küche auch selbst noch blutende Wunden zuzufügen. Danach sei er auf die Straße gelaufen, in die Luft gesprungen und habe sich ohne jede Schutzbewegung auf den Kopf fallenlassen. So beschrieb es ein 58-jähriger Nachbar vor Gericht, der durch die Geräusche nebenan wach geworden war und aus dem Fenster geschaut hatte.

Vier Polizisten müssen den Angreifer überwältigen

Dann lief der Angreifer auf die bereits wartenden Polizisten zu. „Ein Anblick wie aus einem Horrorfilm“, erinnerte sich ein 35-jähriger Beamter der Landsberger Inspektion: blutverschmiert, starrer Blick, wirre Dinge schreiend habe der Angeklagte einen Beamten angefallen. Mit vier Mann sei es der Polizei gelungen, den Mann zu überwältigen. Selbst noch eine Stunde später auf dem Weg ins Krankenhaus sei der 29-Jährige nicht zu beruhigen gewesen. Im Blut und im Urin des Angeklagten fand sich ein bunter Cocktail an Rauschmitteln. Nur wenig Alkohol, dafür aber Kokain, Amphetamine, Cannabinoide, Benzos, Toluol.

Bereits nach der Behandlung im Krankenhaus wurde der Angeklagte ins Bezirkskrankenhaus nach Günzburg gebracht, wo er bis heute behandelt wird. Nun kommt zu seiner laufenden Therapie auch noch eine zeitlich unbefristete Entziehungskur. Erstmals in seinem Leben, so Verteidigerin Lehmbruck, sei der Angeklagte aber auch selbst von solch einer Kur überzeugt und willens, seinen Drogenkonsum zu beenden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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