Newsticker

Rekord-Neuinfektionen in den USA: Trump tritt mit Mund-Nasen-Schutz auf
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Nach Gipfeldrama: Landsberger Bergführer vor Gericht

Landsberg

29.06.2020

Nach Gipfeldrama: Landsberger Bergführer vor Gericht

Nach einem tödlichen Bergunfall in den Tiroler Alpen musste sich ein Landsberger Bergführer vor Gericht verantworten.
Bild: Sebastian Zerl (Symbol)

Plus Bei einer Tour in den Tiroler Alpen stürzte im September 2019 ein Landsberger Bergsteiger in den Tod. Jetzt musste sich der Tourleiter in Tirol vor Gericht verantworten.

Das 90-jährige Bestehen der Alpenvereinssektion Landsberg im vergangenen September wurde von einem tödlichen Alpindrama überschattet. Wie berichtet, kam ein 50-jähriges Mitglied des Landsberger Alpenvereins beim Bergsteigen in den Stubaier Alpen ums Leben. Jetzt musste sich ein 52-jähriger Hochtourenführer der DAV-Sektion Landsberg vor dem Landesgericht Innsbruck wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Es war der 21. September 2019. Eine fünfköpfige Gruppe der DAV-Sektion Landsberg erklomm damals die Mutterberger Seespitze in Gries bei Längenfeld. Kurz nach dem Abstieg kam es zum Drama: Ein 50-Jähriger Bergsteiger rutschte ab und fiel rund 200 Meter tief über eine schneebedeckte und felsdurchsetzte Steilrinne. Dabei zog sich der Landsberger Alpinist tödliche Verletzungen zu, wie die Tiroler Polizei damals mitteilte. Die anderen vier Teilnehmer der Tour wurden mittels Helikopter gerettet. Das tödliche Drama überschattete die Jubiläumsfeierlichkeiten des Landsberger Alpenvereins auf der Landsberger Hütte in den Tannheimer Bergen.

Seit über 20 Jahren ist der Mann Führer für Hochtouren

Jetzt musste sich der 52-jährige Hochtourenführer vor dem Landesgericht Innsbruck wegen des Vorwurf der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen verantworten. Das berichtet die Tiroler Tageszeitung. Er habe nicht gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen, führte Richter Norbert Hofer als Begründung für seinen Freispruch an.

Nach Gipfeldrama: Landsberger Bergführer vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten vorgeworfen, seine Sorgfaltspflicht als Führer nicht wahrgenommen zu haben. Der Bergführer beteuerte jedoch, die Tour sorgfältig geplant und auch die Teilnehmer nach deren Kenntnissen und Vorerfahrungen am Berg befragt zu haben. Als Abstieg vom Gipfel habe er zudem den Süd-Ost-Grat gewählt, weil das „die leichteste Möglichkeit“ war, so der 52-Jährige. Wie bei der Verhandlung bekannt wurde, hatte er beim DAV 1996 die Ausbildung zum Hochtourenführer gemacht. Seither sei er immer wieder als ehrenamtlicher Führer tätig gewesen, jedoch kein staatlich geprüfter Bergführer.

Der Bergführer kletterte als Erster über die Unfallstelle

Wie der Angeklagte vor Gericht sagte, war er beim Abstieg als Erstes über die spätere Unglücksstelle geklettert. „Ich persönlich schätzte die Unfallstelle nicht als besonders schwierig ein“, sagte der Angeklagte laut Medienbericht. Vor Gericht waren zwei weitere Teilnehmer der Tour als Zeugen geladen. Sie bestätigten diese Einschätzung. Einen an der Stelle eingebohrten Sicherungsanker habe er nicht gesehen, so der Bergführer. Hätte er ihn aber bemerkt, hätte es für ihn nichts geändert. „Es war für mich überhaupt kein Thema, an dieser Stelle zu sichern“, meinte der 52-Jährige. Für ihn wäre es kein Problem gewesen, hätte einer der Teilnehmer eine Sicherung gewollt.

„Der Tod des Tourteilnehmers wäre natürlich vermeidbar gewesen. Die Frage ist aber, ob Sie seinen Tod zu verantworten haben“, meinte Richter Norbert Hofer in Richtung des Angeklagten. Obwohl er eine Ausbildung zum Hochtourenführer gemacht habe, schulde er nicht absolute Sicherheit, sondern nur sorgfältig vorzugehen. Ein gewisses Restrisiko sei im Bergsport einfach nicht vermeidbar. Der Richter begründete seinen Freispruch mit den Worten: „Sie haben nicht gegen Ihre Aufklärungspflicht verstoßen. Das Opfer hatte Pech, dass ihm ein Griff ausgebrochen ist.“

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren