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Landkreis Landsberg

17.12.2019

Nach dem Großbrand: Der „Hanomag-Bauer“ vermisst seine Traktoren

Karl Fernsemer aus Rott mit seinen Söhnen Andreas und Thomas (rechts). Der Landwirt aus Rott ist leidenschaftlicher Sammler von alten Traktoren. Einige hat er bei einem Großbrand verloren.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Karl Fernsemer aus Rott sammelt alte Traktoren. In der Nacht auf Samstag sind etliche beim Brand seiner Scheune zerstört worden. Mittlerweile weiß die Polizei mehr über die Brandserie.

Karl Fernsemer wird in Rott auch „Hanomag-Bauer“ genannt. Kein Wunder, schließlich besitzt der 57-jährige Landwirt 40 Traktoren der Marke. Seit Samstagnacht sind es allerdings 13 Bulldogs weniger. Die Oldtimer der Jahrgänge 1960 bis 1971 wurden ein Raub der Flammen. Sie waren in einem Feldstadel zwischen Rott und Pessenhausen untergestellt, der komplett niederbrannte (LT berichtete). Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung, wie in drei anderen Fällen auch. Mittlerweile wissen die Ermittler mehr zu der Brandserie im Landkreis Landsberg.

Der Fahrer des Milchlasters machte den Landwirt auf den Brand aufmerksam

Der erste Traktor auf der Hofstelle in der Landsberger Straße in Rott war ein Hanomag – gekauft von Karl Fernsemers Großvater. Und die Familie blieb der Marke treu. Der älteste Traktor stammt aus dem Jahr 1951. Bis zu dem schrecklichen Brand hatte Karl Fernsemer 40 Bulldogs auf dem Hof und in Feldstadeln verteilt stehen. Neun waren angemeldet, 25 weitere nur von der Batterie getrennt und sofort fahrbereit. Die Leidenschaft des Vaters teilen auch die Söhne Thomas (19) und Andreas (15). Schon früh seien sie auf Traktoren gesessen. Thomas macht eine Ausbildung zum Mechaniker und hilft seinem Vater dabei, die Bulldogs in Schuss zu halten.

So sah es in der Nacht auf Samstag aus, als die Scheune von Karl Fernsemer abbrannte.
Bild: Polizei Landsberg

Dass 13 Oldtimer verbrannt sind, trifft die ganze Familie hart. „Bei uns hat jeder Bulldog einen Namen“, sagt Karl Fernsemer über die besondere Beziehung zu den Fahrzeugen. Er nennt den „Kreisler-Bulldog“ oder den „Odel-Bulldog“ als Beispiel. Und zu jedem Traktor gebe es eine eigene Geschichte. Samstagnacht kam eine neue dazu.

Karl Fernsemer erinnert sich noch ganz genau an die Worte des Milchfahrers, der am Samstag gegen 3.50 Uhr bei ihm geklingelt hatte. „Dein Stadel brennt lichterloh“, habe er gesagt. Der Milchfahrer aus Pflugdorf holt schon seit Jahren bei den Fernsemers die Milch ab. Dass in dem Stadel wertvolle Oldtimer stehen, wusste er. Karl Fernsemer und seine Frau konnten nur noch zusehen, wie der Stadel ein Raub der Flammen wurde. Die Polizei geht von einem Schaden in Höhe von rund 200.000 Euro aus. Auf dem Dach des Stadels war eine Fotovoltaikanlage angebracht. Den Wert der zerstörten Traktoren schätzt Karl Fernsemer auf rund 80.000 Euro. Hoffnung, dass er Oldtimer in einem ähnlich guten Zustand wieder erwerben kann, hat der 57-Jährige aber nicht. Der Frust sei groß. Und so wisse er derzeit auch noch nicht, ob ein am Vatertag auf seinem Hof geplantes Bulldog-Treffen stattfinden soll. Zusammen mit dem Landsberger Landwirt Max Krumm wollte er das Treffen organisieren. „Ganz ehrlich, momentan habe ich keine Lust dazu“, sagt Fernsemer.

Der Stadel liegt einige Hundert Meter außerhalb des Ortes

Noch stehen die verbrannten Traktoren in dem Feldstadel, der rund 500 Meter außerhalb von Rott liegt. In den vergangenen Tagen waren nicht nur die Brandfahnder der Kriminalpolizei vor Ort, sondern auch einige Dorfbewohner, die sich den Tatort ansehen wollten. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Der Brand bei Rott ist einer von vier Fällen. Wie bereits berichtet, hatte es seit Donnerstagabend vergangener Woche sieben Mal im südlichen Landkreis Landsberg gebrannt. Dreimal waren frei stehende Stadel außerhalb geschlossener Ortschaften in Flammen aufgegangen.

Auch mehrere Tage nach dem Großbrand bei Rott raucht es noch aus den Trümmern.
Bild: Thorsten Jordan

Mittlerweile geht die Polizei nur noch in vier Fällen von Brandstiftung aus. Neben dem Feldstadel von Karl Fernsemer brannten in Leeder mehrere Mülltonnen und ein Fahrradunterstand einer Schule, bei Issing ein als Zielscheibe für Bogensport genutzter Heuballen und bei Leeder ein mehrere Hundert Meter vom Ort entfernter Stadel. „Wir können noch keinen Zusammenhang bestätigen“, sagt Michael Graf, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern Nord. Von einer Brandserie will die Polizei allerdings nicht sprechen. Der Sachschaden geht in die Hunderttausende.

Bei einem anderen Brand gibt es einen Tatverdächtigen

Keine direkte Brandstiftung war das Feuer am Donnerstagabend in einem Feldstadel westlich von Dießen. In dem aus Holz bestehenden Gebäude befanden sich nach ersten Erkenntnissen hauptsächlich Stroh sowie ältere landwirtschaftliche Geräte, die durch den Brand völlig zerstört wurden. Schaden: rund 5000 Euro. Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass illegal entzündete Silvesterböller der Auslöser waren. Es gebe auch einen Tatverdächtigen. Die Ursache für den Brand einer Gartenhütte am Sonntagmittag in Utting ist laut Michael Graf mittlerweile auch bekannt. Ein technischer Defekt habe das Feuer ausgelöst.

Lesen Sie auch unseren Kommentar: Die unheimliche Brandserie im Landkreis muss aufhören

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