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Ausstellung

26.04.2011

Nachdenken und aufregen

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2 Bilder
Installation von Wolfgang von Elst.
Bild: Fotos: Birgit Kremer

„Kopflos - Köpfe“ in der Landsberger Säulenhalle

Landsberg Man muss zweimal hinsehen, um glauben zu können, dass in der Säulenhalle eine Ausstellung stattfindet. So behutsam, durchdacht und organisch in die Strukturen des alten Mauerwerks der Gewölberäume integriert sind die Exponate des Bildhauers Wolfgang von Elst und des Fotografen Jörg Kranzfelder, dass sie natürlicher Bestandteil des Innenraums zu sein scheinen. Erst mit geschärftem Blick beginnen sich die künstlerischen Arbeiten von der Folie ihrer Umgebung zu lösen und gewinnen an Kontur und Eigenleben. Gerade diese Stimmigkeit zwischen Raum und Kunst zieht den Betrachter mehr und mehr in ihren Bann und verführt ihn, sich auf eine Reise in andere Welten zu begeben.

Dass diese anderen Welten Herausforderungen bergen, liegt in der Absicht der befreundeten Künstler, die mit der gemeinsamen Ausstellung ihrer Arbeiten unter dem Titel „Kopflos - Köpfe“ einen lang gehegten Wunsch Wirklichkeit werden lassen. So versteht Bildhauer Wolfgang von Elst seine Kunstwerke als eine Komprimierung seiner Wahrnehmung, die er als Resultat seiner Sprachlosigkeit künstlerische Gestalt annehmen lässt. Mit seinen Arbeiten möchte er nicht nur den Impuls zum Nachdenken geben, sondern: „Auch zum Aufregen.“ Seinen Werken gibt er keine Titel, um die Unbefangenheit des Betrachters nicht zu zerstören, doch legt er ihnen begleitende Texte bei, die ebenso verstörend wie anrührend sind. So spürt man den unter einem Eisengitter gefangenen Baumstämmen die Müdigkeit und Resignation an, die auch im Text „Und wie es sich wohl anfühlt, liegen zu bleiben“ zum Ausdruck kommt. Leiser Zweifel bleibt, ob nicht Aufbegehren Möglichkeit sein könnte. Auf dem Boden der Säulenhalle angeordnete Äste spielen mit der Vorstellung „Und wie es sich wohl anfühlt, zu vergeben.“ Die scheinbare Leichtigkeit des Arrangements spottet des impliziten Gedankens, denn wahrhaft zu vergeben ist schwer und kostet einiges an inneren Kämpfen. Was, wenn es doch eine Lösung wäre?

Auch die anderen Installationen des Bildhauers „Und wie es sich wohl anfühlt, wenn die Luft ausgeht“ und „Und wie es sich wohl anfühlt, vergessen zu werden“ sind von dieser kompromisslosen Eindrücklichkeit, die den Betrachter nicht nur mit dem Kunstwerk allein, sondern auch mit sich selbst konfrontieren. Von Verlust und Neubeginn erzählen die Fotografien Jörg Kranzfelders. Dies kommt in der Gegenüberstellung von Altem und Neuem, wie zum Beispiel eines Paares alter und neuer Turnschuhe ebenso zum Ausdruck wie in den ästhetischen Fotografien seiner Umgebung oder von unscheinbaren Alltagsgegenständen, die er in ungewöhnlichen Ansichten und Formaten festhält, wodurch sie sich dem Betrachter in ganz neuer Perspektive öffnen. Es ist die Schönheit des Augenblicks, die er dokumentiert und damit dessen Einzigartigkeit und Vergänglichkeit, aber auch die Gewissheit, dass es solche Augenblicke immer wieder geben wird, auch wenn die Augen sie längst nicht mehr wahrnehmen können. Dem unverstellten, intensiven Blick des Fotografen auf seine Motive entspricht die unkonventionelle Hängung seiner Bilder, die den Betrachter vom Suchenden zum Findenden werden lässt. Die Einführung in die Ausstellung durch Ludwig Haller war gleichfalls ein Erlebnis, denn statt eines Vortrags rezitierte er Gedichte von Friedrich Hölderlin, William Shakespeare, Erich Kästner und Frank Wedekind. Und was hätte wohl besser zum Thema Vergebung gepasst, als Kästners „Sachliche Romanze“.

Info Die Arbeiten sind vom 28. bis 30. April jeweils von 15 bis 19 Uhr in der Säulenhalle zu sehen.

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