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15.07.2010

Nachwuchspflege

Kristina Barth aus Peiting hat mit Unterstützung der Hebamme Sibylle Kutzner (rechts) und ihrer Praktikantin Verena Maria Geßner (links) ihren Sohn Lukas zur Welt gebracht. Vor 27 Jahren war Verena Maria Geßner das erste Kind, das Sibylle Kutzner nach ihrer Ausbildung zur Hebamme ans Licht der Welt geholt hat. Foto: Wischer
Bild: Wischer

Schongau Verena Maria Geßner will Hebamme werden - allen Diskussionen um Arbeitszeiten und finanzielle Unattraktivität des Berufs zum Trotz. Derzeit macht die junge Frau ein Praktikum bei der Schongauer Hebamme Sibylle Kutzner, die in einer besonderen Beziehung zu Verena Maria Geßner steht: "Sie war die erste Geburt, die ich nach meiner Ausbildung alleine begleitet habe", erinnert sich die erfahrene Hebamme. Sie freut sich sehr darüber, dass sie die Leidenschaft für ihren Beruf gerade an das Kind weitergeben kann, das für sie den Auftakt in ihr Berufsleben bedeutet hat.

Nach knapp drei Jahrzehnten als Hebamme hat Sibylle Kutzner rund 1500 Geburten begleitet, nicht nur im Kreißsaal, sondern auch in Vor- und Nachsorge der Mütter. Sie ist immer noch von ihrem Beruf überzeugt, trotz der in jüngster Zeit öffentlich diskutierten finanziellen Unattraktivität. Sie ist sogar so überzeugt von ihrem Beruf, dass sie gerne Praktikantinnen empfängt und sie während eines für die Ausbildung gewünschten Vorpraktikums anleitet.

Nichts vom Reiz verloren

"Der Beruf hat nichts von seinem Reiz für mich verloren", betont die Hebamme, die als Beleghebamme am Schongauer Krankenhaus wirkt. Die Geburtshilfe habe sich stark gewandelt. "Während meiner Ausbildung sollte die werdende Mutter die Anweisungen von Hebamme und Arzt streng befolgen, jetzt dürfen wir den Müttern mehr Freiraum gewähren."

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Verena Maria Geßner hat inzwischen ihre elfte Geburt begleitet. Das Praktikum hat sie bislang in ihrem Berufswunsch bestätigt. Nach einem Studium und mehreren Berufsjahren in der Werbebranche in Agenturen in Hamburg und Berlin will sie sich neu ausrichten. "Ich bin ein sehr offener, kommunikativer wie auch sozialer Mensch", sagt sie.

In der Werbebranche habe sie sich angesichts des Ellenbogenverhaltens im Konkurrenzdruck zunehmend unwohl gefühlt. In der Geburtshilfe sieht sie sich am richtigen Platz. Während der Schwangerschaft einer Freundin ist der Wunsch gewachsen, den Beruf Hebamme näher kennenzulernen. Da der Kontakt zu "ihrer" Hebamme Sibylle Kutzner über ihre Eltern nach wie vor bestand, nahm sie Kontakt mit der Schongauer Entbindungshelferin auf.

Noch den ganzen Juli begleitet sie Sibylle Kutzner bei Hausbesuchen, wenn nötig auch mitten in der Nacht. Zwar darf sie aus rechtlichen Gründen als Praktikantin nicht tatkräftig mithelfen, aber schon kleine Hilfestellungen erleichtern Sibylle Kutzner ihre Arbeit. "Sie macht sich gut und weiß, dass es nicht ausreicht, wenn man kleine Kinder süß findet", sagt Sibylle Kutzner. Zum Hebammenalltag gehören Vorsorgemaßnahmen, unterstützende Hilfestellungen und Beratungen für die werdende Mutter während der Schwangerschaft wie auch in der Nachsorge, Tipps zum Stillen, zur Pflege des Neugeborenen wie auch das Beantworten von Fragen zu Hygiene und Partnerschaft der jungen Mutter. Auch die Geburtsbegleitung habe wenig mit dem idealisierten Hebammenbild gemein, weiß Verena Maria Geßner: "Da muss man auch unangenehme Situationen ertragen können."

Sie freut sich auf die dreijährige Ausbildung zur Hebamme, auch wenn sie weiß, dass mit dem Berufswechsel finanzielle Einbußen verbunden sein werden. Für sie bleibt die Geburtshilfe in jedem Fall ein sicherer Beruf: "Die Menschheit wird immer Kinder kriegen."

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