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Künstlerkolonie in Eching

22.05.2014

Norwegerhaus, zum Vierten

Muss das Norwegerhaus in Eching abgerissen werden? Darüber hat am Mittwoch zum vierten Mal ein Gericht verhandelt. Die Entscheidung ist noch offen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Verwaltungsgerichtshof hat auf Geheiß des Bundesverwaltungsgerichts erneut darüber zu befinden, ob Beseitigungsanordnung des Landratsamts rechtens ist

Zum zweiten Mal innerhalb von knapp drei Jahren hat sich am Mittwoch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) mit dem sogenannten Norwegerhaus am Kaaganger in Eching beschäftigt. Erneut ging es darum, ob das zwischen 1900 und 1913 von dem Schweizer Maler Hans Beat Wieland (1867-1945) erbaute Anwesen bzw. das, was von ihm noch vorhanden ist, abgerissen werden muss. Der VGH hatte eine Beseitigungsanordnung des Landratsamtes im Herbst 2011 bestätigt. Der Eigentümer der Sehenswürdigkeit auf einem rund 7000 Quadratmeter großen Seeufergrundstück rief jedoch das Bundesverwaltungsgericht (BVG) an. Und die Leipziger Richter gaben den Fall an die obersten bayerischen Verwaltungsrichter zurück. Das BVG bemängelte, so berichtete der Vorsitzende des Ersten Senats des VGH, Andreas Dhom, die damalige Entscheidung habe sich alleine auf denkmalschutzrechtliche Belange gestützt. Dieses Mal ging es denn auch vor allem um baurechtliche Fragen. Fast fünf Stunden – zuerst bei einem Ortstermin und dann in der Verhandlung im Rathaus – wurden sie erörtert. Eine Entscheidung will der Senat am Montag mitteilen.

Zunächst schauten sich die Richter das Norwegerhaus und seine Umgebung an. Dabei wurde erneut deutlich, dass weitgehende bauliche Veränderungen vorgenommen worden waren. Die Raumhöhen im Keller und im Parterre wurden vergrößert, die früheren Holzriegelwände durch Ziegelmauern ersetzt, die Aussparungen in den Außenmauern so weit vergrößert, dass großflächigere Fenster eingesetzt werden könnten. Das Landratsamt unterband bereits 2007 weitere Bauarbeiten, zugleich wurde das Objekt aus der Denkmalliste gestrichen. Außer der Hülle (dem Dach und die ochsenblutrote Holzverkleidung) sei vom ursprünglichen Bauwerk und der bauzeitlichen Ausstattung praktisch nichts mehr übrig, hieß es. Bei einer Baukontrolle sei „eindeutig zu erkennen gewesen“, fasste Landeskonservator Dr. Bernd Vollmar in der Verhandlung zusammen, „dass die erste Zielplanung, die einen Neubau beinhaltete, umgesetzt wurde und die Außenhaut des Gebäudes ein Sichtschutz war für die Baumaßnahmen im Innern“.

Damit hatte der aus München stammende Bauherr ein massives Problem: Einen Neubau erachtet das Landratsamt im dortigen Außenbereich als nicht genehmigungsfähig und als weitere Konsequenz ordnete die Behörde den Abriss des Norwegerhauses an.

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Nun ist es freilich so, dass im Außenbereich ausnahmsweise durchaus gebaut werden kann. Neben „privilegierten“ Vorhaben wie landwirtschaftlichen Betrieben können nach Paragraf 35 des Baugesetzbuchs auch „sonstige“ Vorhaben zugelassen werden – sofern „öffentliche Belange“ nicht entgegenstehen. Ein solcher Belang ist der Flächennutzungsplan – und der sieht am Südende des Kaagangers Grünflächen vor und keine Bebauung. Daneben darf laut Gesetz auch die „natürliche Eigenart der Landschaft“ nicht beeinträchtigt werden. Im Falle des Norwegerhauses hielt es freilich auch Richter Dhom für fraglich, ob die teilweise gärtnerisch genutzten Grundstücke am Kaaganger „noch etwas mit ungestörter Natur zu tun haben“.

Am Ende biss sich der juristische Diskurs an der Frage fest, ob das Bauvorhaben abgelehnt werden müsse, weil es „die Entstehung, Verfestigung oder Erweiterung einer Splittersiedlung befürchten“ lasse. Herbert Kaltenegger, einer der drei Rechtsanwälte des Bauherrn, hob dabei vor allem auf den äußeren optischen Eindruck ab. Der habe sich trotz der Baumaßnahmen nicht verändert, mit dem „transformierten“ Norwegerhaus werde die Splittersiedlung also nicht erweitert, sondern allenfalls verfestigt, „und ich weiß nicht, was daran negativ sein soll“, fügte er mit Verweis auf die nicht veränderte Größe des Gebäudes an.

Anwalt spricht von „übertriebenem Jagdtrieb“

Dem hielt Dhom entgegen, dass selbst eine Umnutzung eines bestehenden Gebäudes schon eine Splittersiedlung verfestigen könne, „und was für eine Umnutzung gilt, gilt auch für einen Umbau“. Zudem stelle sich die Frage, was als Nächstes am Kaaganger kommen könnte, sollte das Bauvorhaben genehmigt werden: Der nördliche Teil des Klägergrundstücks böte einen „chicen Bauplatz“, dasselbe könne auch für die Nachbarschaft gelten. Werde das um- bzw. neugebaute Norwegerhaus geduldet, „schwindet die Kraft Argumente“ gegen etwaige weitere Bauwünsche.

Nach dieser Feststellung wurde über Ermessensfragen diskutiert. Anwalt Kaltenegger warf dem Leiter der Bauabteilung im Landratsamt, Viktor Klaus, einen „übertriebenen Jagdtrieb“ gegen den Bauherrn vor. Klaus verteidigte das Vorgehen seines Amtes damit, dass ein „gravierender Verstoß gegen das Baurecht“ vorliege: „Wenn wir so etwas nicht ahnden und nicht mehr nachgehen, können wir unsere Arbeit einstellen.“ Andere Bauwillige könnten sich auf den Fall des Norwegerhauses beziehen, warnte Sachgebietsleiter Hartmut Neupert, der anfügte: „Mit übertriebenem Jagdeifer hat das gar nichts zu tun.“

Nach diesem verbalen Scharmützel wurde noch thematisiert, ob das weitgehend erneute ehemalige Baudenkmal nicht zumindest als Teil der Kulturlandschaft und Element der einstigen Künstlerkolonie in Eching erhalten bleiben könne – auch wenn es nur eine Art Replik wäre. Auch dafür bekundeten die Amtsvertreter wenig Neigung. Das ehemalige Baudenkmal habe „nicht die Wertigkeit, dass man einen solchen Eingriff vornehmen könnte“, meinte Oberlandesanwältin Elisabeth Steiner, „es ist kein Gebäude, das die Kulturlandschaft prägt.“

Über diese Einschätzung wunderte sich am Ende die Frau des Bauherrn dann schon etwas. Schließlich sei das Haus doch vor mehr als 30 Jahren gleichsam „prophylaktisch“ unter Denkmalschutz gestellt worden ohne genauer betrachtet worden zu sein. Als Begründung habe genügt, es handle sich um das Norwegerhaus des Malers Hans Beat Wieland.

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