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St. Ottilien

21.06.2020

Notker Wolf, ein Missionar, der Gott und die Welt kennt

Der emeritierte Erzabt und Abtprimas Dr. Notker Wolf feiert am Sonntag in St. Ottilien seinen 80. Geburtstag.
Bild: Cassian Jakobs

Plus Notker Wolf, der frühere Erzabt von St. Ottilien und Abtprimas der Benediktiner, wird am heutigen Sonntag 80. Der gebürtige Grönenbacher verbindet klösterliche Lebensweise mit unternehmerischem Geist. Auch als Musiker wurde er bekannt.

Notker Wolf, der frühere Erzabt der Missionsbenediktiner von St. Ottilien und Abtprimas des Ordens, wird am heutigen Sonntag 80 Jahre alt. Der Journalist Alfons Kifmann gibt Einblicke in und Rückblicke aus dem Leben eines Mönchs, den er als Musiker und Manager, vor allem aber Menschenfreund und Seelsorger beschreibt.

Rückblende ins Jahr 2017: Die Abendsonne scheint in eine Laube des Klosters Big Sur in Kalifornien, während sein Blick über den silbern glänzenden Pazifik geht. Für Notker Wolf ist dies ein rechter Ort, sein Leben zu reflektieren. Er ist jetzt 77 Jahre und fragt sich: Wo bin ich angelangt, wie will ich mein Leben noch gestalten?

Seit 2016 ist er wieder zurück in St. Ottilien

Seit einem Jahr ist er, nach seiner Rückkehr aus Rom, von wo aus er 16 Jahre als Abtprimas des weltweiten Benediktinerordens gearbeitet hat, wieder nach St. Ottilien zurückgekehrt, seinem Heimatkloster, wo er heute als einfacher Mönch lebt. Zum Abschied vom Amt als Abtprimas haben ihm die mehr als 200 Äbte des Ordens eine vierwöchige Weltreise geschenkt und er ist gerade auf seiner Abschieds- und Wiedersehenstour zu alten Freunden rund um den Globus. Es ist zugleich sein erster halbwegs richtiger Urlaub in 16 Jahren.

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Manche raten ihm, er solle sich endlich mal zur Ruhe setzen, den Ruhestand genießen. Er prüft sich und stellt fest: „Ich war immer ein Unternehmertyp und werde es bleiben, auch im Kloster.“ Nach seinem Urlaub stehen auch schon wieder neue Termine an, wie ein Dialog mit schiitischen Muslimen in Kenia.

Musik ist seine Leidenschaft und Muße

So war und ist sein Leben. Stets unterwegs, immer im Dialog. Und zwischendurch, zur Entspannung, immer wieder der Griff zur Querflöte, die immer dabei ist. Er möchte endlich die h-moll-Suite von J. S. Bach im richtigen Tempo spielen können. Musik ist seine Leidenschaft und seine Muße. Zu Hause, im Kloster, gehört auch die Rockgitarre dazu, mit Rock’n’Roll-Klängen von Deep Purple, Jethro Tull und den Rolling Stones.

Impressionen aus dem vielschichtigen Leben eines Missionars. Genau das war der Berufswunsch des 15-jährigen Allgäuer Buben aus einer Handwerkerfamilie in Bad Grönenbach, als er, inspiriert durch die Lektüre der Lebensgeschichte des französischen Missionars Pierre Chanel, auf eigenen Wunsch in das Rhabanus-Maurus-Gymnasium der Missionsbenediktiner in St. Ottilien eintrat. Nach dem Abitur trat er in das Kloster ein, nahm den Ordensnamen Notker an. Er wurde damals jedoch von seinen Oberen als körperlich nicht robust genug eingeschätzt, um, wie angestrebt, in die Mission nach Afrika zu gehen.

Nach Rom statt nach Afrika

Stattdessen wurde er an die Benediktiner-Hochschule Sant‘Anselmo nach Rom entsandt, wo er sich dem Studium der Philosophie, besonders der Lehre der griechischen Stoa, zuwandte.

1965 setzte Notker an der Ludwig-Maximilians-Universität in München seine Studien mit Theologie, Philosophie sowie Zoologie, Anorganische Chemie und Astronomiegeschichte fort. Mit der Arbeit „Das zyklische Weltmodell der Stoa“ promovierte er 1974 zum Doktor der Philosophie. Inzwischen wurde er 1968 zum Priester geweiht. So viel zur offiziellen Vita.

Das öffentliche Leben von Notker Wolf beginnt 1977 mit seiner überraschenden Wahl zum Erzabt von St. Ottilien als Nachfolger seines erst vor Kurzem gewählten Vorgängers Viktor Dammertz, der als Abtprimas nach Rom berufen wurde. Mit 37 Jahren war er damals einer der jüngsten Äbte des Ordens, damit auch eine Option auf die Zukunft. Sein Wahlspruch „Jubilate Deo“ war auch ein Aufruf. Die Missionsbenediktiner wollten sich wieder mehr der inneren Mission zuwenden.

Schließlich durften auch Nichtkatholiken in die Schule nach St. Ottilien

Es wartete nichts weniger als eine innere Reform auf ihn. Das Klostergymnasium öffnete sich auch für Mädchen, und sogar Nichtkatholiken. Erzabt Notker öffnete das Kloster und den Orden der Öffentlichkeitsarbeit, den Medien, „ließ Luft herein“, wie er sagte. Das machte den Weg frei für manche Neueintritte. Vom „Klosterdorf mit weltweiter Strahlkraft“ wurde gesprochen, was angesichts der globalen Verbreitung des Ordens auch zutrifft. Notker erweckte sogar frühere Verbindungen des Ordens nach China und Nordkorea zu neuem Leben, indem er dort Krankenhäuser gründete. Es war ein diplomatisches Meisterstück, indem er den lokalen Funktionären ein Bettenkontingent überließ.

Als Notker Wolf im September 2000 zum neunten Abtprimas der weltweiten Benediktiner-Kongregation mit 8500 Mönchen und 15.000 Nonnen gewählt wurde, war er als Reformer längst bekannt. Seine Nachfolger im Amt, Jeremias Schröder und Wolfgang Öxler, setzten dieses Werk fort. Notker Wolf übte dieses Amt 16 Jahre lang aus und erwarb sich dabei den Titel: „Fliegender Missionar“.

Jedes Jahr gibt es ein neues Buch

Das ist es, was er immer war: Ein unermüdlich reisender Bote von Gottes Liebe, ein freier Geist, ein Querdenker, ein Humanist, der die Liebe Gottes verkündet. Seine inzwischen umfangreiche Buchproduktion wächst jährlich um einen Titel, und nach wie vor ist er ein gefragter Vortragsredner. Die Erlöse aus beidem fließen in eine karitative Stiftung.

Als Vortragsredner ist Notker Wolf nach wie vor viel unterwegs.
Bild: Maximilian Briegel

Notker Wolf, der heimgekehrte Missionar. In Corona-Zeiten, die auch ihn in seiner Mobilität behindern, geht er hinaus, ums Kloster, hört den Gänsen beim Schnattern zu und singt den Kälbern den Chor der Gefangenen aus Nabucco vor, wofür er ein vielstimmiges „Muh“ als Applaus erhält. Und auch das ist für ihn die Freiheit in Gott, die er als unser Lebensziel predigt. Wie am heutigen Sonntag zu seinem 80. Geburtstag.

Mitfeiern auf dem Youtube-Kanal

Diesen Geburtstag feiert Notker Wolf unter anderem mit einem Gottesdienst am heutigen Sonntag um 9.15 Uhr. Coronabedingt ist er nichtöffentlich, man kann aber über den Youtube-Kanal von St. Ottilien dabei sein. Das zweite Programm des Bayerischen Rundfunks sendet am Sonntag um 8.05 Uhr einen 25-minütigen Beitrag über den Jubilar.

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