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OB und Stadtrat: Viel geleistet, wenig Selbstbewusstsein

OB und Stadtrat: Viel geleistet, wenig Selbstbewusstsein
Kommentar Von Alexandra Lutzenberger
07.03.2020

Plus Warum wird in der Stadt Landsberg so viel vor der Wahl genörgelt? LT-Redaktionsleiterin Alexandra Lutzenberger glaubt, dass die Stadt Landsberg in den letzten acht Jahren sehr viele gute Projekte verwirklicht hat.

Der Landsberger ist unzufrieden, hieß es nach der Podiumsdiskussion der Gruppierung Landsberger Mitte im Landsberger Stadttheater. Ist er das? Klar, wer zufrieden ist, hat sich auch nicht zu Wort gemeldet. Woher kommen nun diese Unzufriedenheit und das viele Gejammere? Nicht mal die eigenen Stadträte sind, wenn man genau hinhört, mit ihren meist einstimmigen oder mit großer Mehrheit getroffenen Entscheidungen zufrieden. Allerdings nicht so sehr in den vergangenen acht Jahren, sondern ziemlich deutlich, seitdem wieder Wahlkampf ist.

Eine straffere Sitzungsführung

Klar, es gibt immer Fehler bei den großen Projekten, die in Landsberg in den vergangenen acht Jahren angelaufen sind. Und diese Fehler werden und wurden (zum Teil) zu Recht kritisiert. Auch durchaus in unserer Zeitung. Vor allem eine straffere Sitzungsführung vermisst man als Zuhörer im Stadtrat sehr. Denn die Sitzungsdisziplin ist nicht sehr groß, hier könnte man nachbessern.

Aber sonst, wenn man mal lange darüber nachdenkt, ist es schon meist Jammern auf hohem Niveau. Der Landsberger meckert erst mal. Das war beim Hauptplatz-Umbau so und das erleben wir jetzt wieder beim neuen Lechsteg – dem derzeit unbeliebtesten Projekt der Landsberger, zumindest wenn man den sozialen Medien glauben darf.

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Ist die Brücke wirklich so falsch?

Der Hauptplatzumbau – natürlich hätte sich der Stadtrat auch für ein schöneres Pflaster entscheiden können. Aber seitdem der Platz umgebaut wurde, hat er eine wesentlich höhere Aufenthaltsqualität. Es ist Betrieb auf dem Hauptplatz, und er sieht schön aus. Motorradparkplätze haben deshalb dort auch nichts verloren, man kann sie – deutlich ausgewiesen – woanders schaffen. Und hat das bereits schon getan. Soll dieser Platz wieder ein Parkplatz werden? Das will doch wirklich keiner mehr.

Eine wichtige Investition und kein Fehlgriff

Der umstrittene Lechsteg, der lange geplant und jetzt gebaut wird, ist jetzt bei vielen das Hassobjekt. Unnötig sei er, zu teuer, und was nicht sonst noch alles. Ich finde, man sieht jetzt schon, dass er mal eine der Hauptattraktionen in Landsberg sein wird und ich glaube, dass man das bald – nach dem Wahlkampf – auch erkennen wird. Mathias Neuner und der Stadtrat haben hier eine Investition in Landsbergs Zukunft gemacht. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass durch die Brücke ein völlig neues Stadtviertel entstehen wird. Die neue Brücke ist schön, eine Touristenattraktion, und für alle, die die Karolinenbrücke als Radfahrer meiden, eine echte Erleichterung. Eine Investition, die zum jetzigen Zeitpunkt völlig richtig ist und kein Fehlgriff.

Die Innenstadt ist attraktiv, viele ziehen dort hin

Hauptplatzumbau, Lechsteg, Urbanes Leben am Papierbach, Kindergärten, Obdachlosenunterkunft und vieles mehr, auch eine neue Kunsthalle und viele Sanierungen: Stadtrat und Oberbürgermeister haben seit 2012 einiges geschaffen in Landsberg. Das sieht man schon daran, dass auch in der Altstadt immer mehr Häuser mit viel Aufwand saniert werden, weil viele genau hier leben wollen und dies genießen.

Doch weil nicht jeder Landsberger alles toll findet, es immer wieder Kritik gibt, weil jeder halt sein eigenes Projekt favorisiert, deshalb überdenken viele Stadträte ihre Entscheidungen und wollen allen gerecht werden. Ein Ding der Unmöglichkeit. Trotzdem werden plötzlich einstimmig beschlossene Projekte hinterfragt und kritisch gesehen. Neuner hat sich nie gescheut, kritische Themen anzufassen und es geschafft, endlich in Sachen Pflugfabrik weiterzukommen. Das Urbane Leben am Papierbach. Ja, auch da gibt es Mankos, so wie auf jeder Großbaustelle.

Proteste werden auch beachtet

Einige bekommen nicht die Wohnungen, die sie sich vorgestellt haben, viele andere aber schon. Normal oder? In Landsberg ist das aber ein Politikum. Aber nach jahrzehntelangem Warten passiert hier in dieser wunderschönen Wohnlage endlich mal etwas. Und dass man mit Stadt und dem Bauträger reden kann, das zeigt doch schon die Entwicklung in Sachen Kunsthalle. Hier hat der Protest doch zu einem ganz guten Ergebnis geführt.

Dieses Gebiet und die vielen anderen neuen Wohnbaugebiete sind dringend notwendig. Eine gute Entwicklung, die man dringend verkehrstechnisch begleiten hätte müssen und das nun nachholen muss. Aber auch hier geht es nur gemeinsam. Wer meint, in einer Stadt wie Landsberg muss man weiterhin in allen Wohnungen drei Autos in der dazugehörigen Garage haben, der sollte überlegen, ob das noch wirklich zeitgemäß ist. Denn wir alle müssen uns umstellen, und in Landsberg auch Alternativen zum Auto suchen. Zumindest für die Verkehrsbewegungen unter drei Kilometern.

Kritisch wird der Landsberger auch beim Thema Feiern. Gerade an Fasching. Warum aber ist die Polizei so hellhörig bei diesem Thema? Sind da Oberbürgermeister, Stadtrat oder Verwaltung schuld? Glaubt man das wirklich? Schuld sind diejenigen, die all die Jahre so betrunken und aggressiv waren, dass der Einsatz der Bereitschaftspolizei schon am Vormittag notwendig ist.

Warum läuten bei der Polizei denn die Alarmglocken, wenn sie „Lumpiger Donnerstag“ hört? Darüber sollte man mal nachdenken, vielleicht darf dann auch wieder länger gefeiert werden? Schön wäre es – friedlich, lustig, ohne Eskalation und ohne Scherbenhaufen auf dem Hellmairplatz. Auch das wäre Klimaschutz vor Ort. Landsberg ist in den vergangenen Jahren attraktiver geworden. Es gibt zwei sanierte Parkgaragen und ein Konzept für die Altstadt, das auch durchaus für Geschäftsleute interessant sein kann. Warum denn keine verkehrsberuhigten Zonen schaffen? Im Hinteranger kann jeder bislang durchfahren, und trotzdem oder gerade deshalb, schließt dort ein Geschäft nach dem anderen. Weil es weder für Anwohner noch Geschäftsleute interessant ist.

Ein etwas seltsamer Wahlkampf

Es gab bereits viele spannende Wahlkämpfe um das OB-Amt in Landsberg. Dieser ist ein wenig seltsam. Drei Kandidaten stehen ihren eigenen Leistungen im Stadtrat kritisch gegenüber. Und nicht einmal der amtierende Oberbürgermeister verweist im Wahlkampf deutlich auf diese Leistungen. Könnte er aber. Genauso wie die anderen Kandidaten. Denn vor acht Jahren stand Landsberg anders da. Damals hatte man jede Menge Problemstellen. Jetzt bauscht man künstlich Probleme auf und wertet Erfolge ab. Man denkt sogar laut darüber nach, warum man nicht mal eben 500 Millionen Euro am Papierbach investiert hat. Dabei ist die Stadt inzwischen finanziell die größten Sorgen los. Nach der Derivataffäre hat die Stadt einen gesunden Haushalt. Hätte man das mit so einer aberwitzigen Bau-Investion wieder ruinieren sollen? Allein der Gedanke ist absurd. Landsberg ist eine liebenswerte Stadt, das wird zu Recht im Wahlkampf gesagt. Und: Den Landsbergern geht es gut. Auch wenn sie sich über das eine oder andere aufregen. Das ist bei allem immer so.

Wer auch immer OB in Landsberg wird, er muss sich dieser Kritik auch stellen und seine Entscheidungen zum Wohl der Stadt verteidigen und nicht bei jedem Sturm im Wasserglas umfallen. Das würde ich mir wünschen.

Der Bericht zum Thema: Landsberger Fasching: Wie und wie lange soll man künftig feiern?

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Die Diskussion ist geschlossen.

07.03.2020

Tolle Beschwörungsformeln. Man muß also nur die "richtige" Meinung haben?
Die Bürger, wir alle möglicherweise , sehen es falsch? Gut zu wissen.

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