Reality XL

08.01.2012

Real, irreal, surreal

Premiere des Mystery-Thrillers“ Reality XL“ im Kino Breitwand in Starnberg, von rechts: Heiner Lauterbach, Godehard Giese, Annika Blendl, Tom Bohn, Max Tidof und Hans Franek.
Bild: Foto: Stephanie Millonig

Mystery-Thriller des Dießener Regisseurs Tom Bohn kommt am Donnerstag in die Kinos. Premiere im Breitwand in Starnberg

Mit der Materie ist das so eine Sache, erst wenn der Wissenschaftler hinguckt, wird die Welle zum Teil, Materie erkennbar. „Es wuselt alles durcheinander, bis jemand darauf blickt, dann wird es Realität.“ So fasst Protokollführer Antoine die Welle-Teilchen-Eigenschaft zusammen, die Kern des Mystery-Thrillers RealityXL ist.

Gedreht und geschrieben hat ihn der in Dießen lebende Regisseur Tom Bohn als Independent-Produktion, Schauspieler und Filmteam arbeiteten auf Gagenrückstellung. Auch so manches Gesicht aus Dießen ist zumindest an der Pinnwand der Ermittler als einer der 23 verschwundenen Wissenschaftler zu erkennen.

Tom Bohn spielt mit den Ängsten um den Teilchenbeschleuniger im Cern und der ewig offenen Menschheitsfrage, was Realität ist. Hat ein schwarzes Loch die verschwundenen Wissenschaftler geschluckt?

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Professor Carus hat eine andere Theorie, die dem ungläubigen Staatsanwalt Robin Spector, den Max Tidof mit süffisanter Coolness mimt, nur ein „Esokacke“ entlockt. Doch auch für den Professor entwickelt sich die Situation kafkaesk: Der Vernehmungsort – gedreht wurde im Inneren des Radom in Raisting – ist mehr als sonderbar und dort, wo Carus die Tür glaubte, ist sie nicht mehr. Die 1960er- und 70er-Jahre-Optik des Elektronik-raums, der Blaustich mancher Bildeinstellung, die Musik von Hans Franek, verstärken die surreale Anordnung dieser Vernehmungssituation.

Ein heißer Tango...

Ein Kammerspiel für Vier, den erfahrenen Mimen Max Tidof und Heiner Lauterbach steht vor allem Godehard Giese als liebenswert wirkendes und doch unheimliches Faktotum, in nichts nach.

Carus’ Theorie führt zu einer erstaunlichen Entwicklung im Film, Heiner Lauterbach darf den Filmmacho früherer Jahre geben und einen heißen Tango mit der schönen, langbeinigen Kommissarin aufs Parkett legen. Bohn arbeitet mit Klischees und bricht sie eine Szene weiter wieder – ätsch – ist doch alles ganz anders. Gespannt verfolgt der Zuschauer, wie der Plot das nächste Mal einen Haken schlägt, und ist baff über das Ende, das auch ohne Kenntnisse der Relativitätstheorie zu begreifen ist. Wäre da nicht der Füllfederhalter...

Kleiner Epilog:

Die Rezensentin hätte auf die versöhnliche Kaminszene zum Schluss verzichten können: Heiner Lauterbach als Mensch, dem die Erkenntnis über den eigenen Charakter und das Nicht-mehr-Änderbare des Schicksals ins Gesicht geschrieben steht, als starke Schlussszene.

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