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Landsberg

27.10.2019

Rotes Kreuz Landsberg: Die nächste Krise ist eine Pflegekrise

In der Pflege sieht das Bayerische Rote Kreuz die nächste größere gesellschaftliche Krise.
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In der Pflege sieht das Bayerische Rote Kreuz die nächste größere gesellschaftliche Krise.
Bild: Julian Leitenstorfer (Symbolbild)

Plus Beim Jahresempfang des Roten Kreuzes in Landsberg haben Kinder und Jugendliche einen großen Auftritt. Sorgen macht der Hilfsorganisation hingegen die Versorgung älterer Menschen.

Ganz im Zeichen der Jugend stand der Jahresempfang des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Landratsamt Landsberg. Und entsprechend positiv gestimmt waren die Teilnehmer der Veranstaltung. Sorgenvoll wurde jedoch in Richtung der älteren Menschen geblickt. Warum die Verantwortlichen mit Blick auf die Pflegesituation ein düsteres Bild zeichnen.

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Bei dem Empfang führten Kinder aus den acht Kindertagesstätten in Trägerschaft des BRK, geschmückt als Elefanten oder Blumen, ein Stück von Elmar, dem bunt karierten Elefanten, auf. Kurze Filme stellten die Kindergärten mit ihren 620 Kindern und 134 Beschäftigten vor. Rund die Hälfte der BRK-Mitarbeiter sei dort beschäftigt, sagte Kreisgeschäftsführer Andreas Lehner. Auch das stetig wachsende Jugendrotkreuz, 40 Kinder und Jugendliche sind dort engagiert, zeigte in einem Film, dass vor allem der Spaß und die Gemeinschaft im Vordergrund stehen. Und auch für die musikalische Untermalung des Abends sorgte die Jugend, und zwar die 40 Musiker des IKG-Orchesters unter Leitung von Martin Heller.

Sozial benachteiligte Menschen engagieren sich seltener

„Wir waren noch nie so voll“, freute sich BRK-Kreisvorsitzender Alex Dorow, der durch den Abend führte, über den starken Andrang der Besucher. BRK-Vizepräsidentin Brigitte Meyer sparte nicht an Lob und Dank für alle Engagierten. Das Ehrenamt sei offen für alle. Aber die sozial Benachteiligten engagierten sich seltener. „Dabei kann es gerade für sie sehr hilfreich sein, um zum Beispiel dem Tag Struktur zu geben.“ Meyer nahm dabei Bezug auf das BRK-Projekt „Traumahelfer“, in dem Flüchtlinge ihresgleichen helfen.

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„Die Gesellschaft driftet auseinander. Es gibt keinen richtigen Gemeinsinn mehr“, stellte Christa Stewens, die Vorsitzende des BRK-Bezirksverbands Oberbayern, fest. Das BRK sei ein Stück weit der Kitt, den die Gesellschaft brauche. „Wir sind in einem Reformprozess, wir brauchen mehr und bessere Strukturen“, so Stewens.

150.000 Stunden in Bereitschaft und im Einsatz

Alex Dorow präsentierte einige Zahlen, die die Leistungsstärke des BRK im Landkreis demonstrierten. So wurden in der vergangenen Saison 60.000 Stunden in der Bereitschaft ehrenamtlich geleistet. Sogar 90.000 waren es bei allen Wasserwachten des Landkreises.

Geschäftsführer Andreas Lehner warf einen Blick in die Zukunft. 2020 werde das BRK Träger des Kindergartens in Denklingen. Zunehmend problematisch werde es bezüglich der Arbeitszeiten- beziehungsweise Pausenregelungen der Personen im Rettungsdienst. Pausen seien arbeitsrechtlich vorgeschrieben, jedoch wolle jeder Retter, auch in der Pause ausrücken, wenn es in der Nähe einen Einsatz gibt. Lehner, der auch Mitglied der Tarifkommission ist, sagte, die tarifliche Umsetzbarkeit werde zunehmend schwieriger. Zum Glück gäbe es beim Rettungsdienst keine Personalprobleme.

Pflege: Die Bezahlung ist nicht schlecht

Anders sehe es bei der Pflege aus. Die Pflegekrise werde auf die Flüchtlingskrise folgen, so seine Prognose. „Es gibt keine Antwort darauf - weder in Berlin, noch vor Ort.“ Es mache ihn jedes Mal traurig, Angehörigen, die einen ambulanten Pflegedienst suchten, sagen zu müssen, dass er kein Personal habe. „Es stimmt nicht, dass dieser Beruf schlecht bezahlt wird. Das Jahresgehalt liegt bei 40.000 Euro“, räumte Lehner mit Vorurteilen auf. Im nächsten Jahr wolle das BRK in Landsberg ein Sozialzentrum bauen, mit einer Tagespflege für 18 Personen. Benötigt werden in den kommenden Jahren jedoch 60 Plätze. Um Anreize für neues Personal zu schaffen, verfolge das BRK mit dem Bau von bezahlbarem Wohnraum ein neues Konzept. Die Wohnungen seien gedacht für Mitarbeiter der Kindergärten, der Pflege und des Rettungsdienstes.

Ehrungen für langjährige Aktive

Die Verleihung des staatlichen Ehrenzeichens und der DRK-Ehrennadel an aktive Mitglieder, neun davon waren anwesend, setzte einen besonderen Höhepunkt ans Ende des kurzweiligen und von Dankesworten geprägten Empfangs.

Das staatliche Ehrenzeichen für 25 Jahre aktive Mitgliedschaft erhielten Dr. Klaus Nafzger, Bereitschaft Landsberg; Hubert Busch, Bereitschaft Dießen; Stefan Wörsching, Markus Hutter und Hagen Wessely, Wasserwacht Dießen; Armin Hirschauer und Marianne Rupp, Wasserwacht Rott sowie Daniel Haberl, Wasserwacht Schondorf, Bereitschaft Landsberg. Mit dem Ehrenzeichen für 40 Jahre aktive Mitgliedschaft wurde Andrea Geyer, Wasserwacht Dießen, ausgezeichnet und die DRK-Ehrennadel für 50 aktive Jahre ging an Paul Fabian, Wasserwacht Schondorf, sowie an den ehemaligen Kreisgeschäftsführer Anton Huber. Die Wasserwacht-Medaille in Silber erhielt Wolfgang Zwicknagel von der Wasserwacht Penzing.

In Augsburg zieht derweil ein Pflegeskandal seine Kreise:Millionenbetrug: So funktioniert die Schattenwelt der Pflegemafia

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